Jahrgang 
1 (1879)
Seite
186
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Concordia.

mich bei Euch. Nehmt Alles, was ich habe, nur laßt mich nicht wieder in das kalte Gefängniß gehen!

Beruhigen Sie ſich, lieber Blumau, Sie bleiben jetzt bei uns, ſprach tief bewegt Frau Elsner, und Werner fügte hinzu:

O, Gott, wie wird ſich Edgar freuen, wenn ich ihm die frohe Botſchaft bringe!

Edgar? fragte der Greis,reden Sie von meinem Neffen Edgar Walther?

Gewiß!

Und er wird ſich freuen, ſagen Sie? Wird er es wirklich?

O, wenn Sie ſein edles Herz kenuten! Wenn Sie wüß⸗ ten, was er Alles gethan hat, Sie zu retten!

Das möge ihm Gott vergelten! So bin ich doch nicht ganz verlaſſen! entgegnete der Greis.

Werner ſchickte ſich an, fortzugehen, um den Brüdern die Kunde von dem Wiederfinden Blumau's zu bringen. Er trat an das Fenſter, um einige dort liegende Papiere aufzunehmen, und einen Blick durch daſſelbe werfend, gewahrte er zu ſeinem namenloſen Schrecken, wie der Hofrath von Salfeld mit einem Gerichtsdiener auf Elsner's Haus zuſchritt.

Heiliger Gott! rief er aus,der Hofrath von Salfeld kommt hierher! Fräulein, führen Sie Herrn Blumau in ein anderes Zimmer, denn wenn der Hofrath ihn hier fände, ſo wäre Alles verloren.

Der Greis ließ ſich ruhig von dannen führen und bat nur, ihn nicht zu verrathen. Werner hatte kaum noch Zeit, die äußerſt aufgeregte Frau um Faſſung, Ruhe und Vorſicht zu bitten, ſo trat auch ſchon der Hofrath mit dem Gerichts⸗ diener ein.

Beim Anblick Werner's gerieth er einen Augenblick in Verlegenheit; aber bald hatte er ſich wieder gefaßt und fragte ziemlich keck:

Was wollen Sie hier?

Eine redliche Familie vor den Machinationen der Bos⸗ heit beſchützen, entgegnete Werner ſcharf.

Der Hofrath warf ihm einen zornigen Blick zu und wandte ſich alsdann zu Frau Elsner, die ſich eben anſchickte, das Zimmer zu verlaſſen.

Sie bleiben jetzt hier! rief er trotzig.

Mit welchem Rechte unterſtehen Sie ſich, Herr Hofrath, eine Dame in ihrer Wohnung zu inſultiren? fragte Werner ernſt.

Der Hofrath trat dicht vor Werner hin und fragte erregt:

Kennen Sie mich?

O, nur zu gut!

So wiſſen Sie, daß wo ich auf Befehl hinkomme, man zu ſchweigen und zu gehorchen hat.

Er ignorirte Werner's bitteres Lachen und ſprach zu Frau Elsner:

Ohne Wortwechſel und Zeitverluſt Sie bleihen hier, ich habe amtlich mit Ihnen zu ſprechen; und Sie, Herr Werner, begeben ſich weg.

Sobald es mir beliebt, entgegnete Werner.

Herr ſind Sie wahnſinnig?

Vernünftig genug, um über gewiſſe Schurkereien wahn⸗

ſinnig zu werden; auch vernünftig genug zum Einſperren nur nicht reich genug! verſetzte Werner ſcharf.

Herr, hüten Sie Ihre Zunge, ich könnte ſonſt

Was? fragte Werner kalt.

Ich könnte mich vergeſſen

Das haben Sie leider in Ihrem Leben oft gethan, Hert Hofrath, ja, Ihre Vergeßlichkeit ging oft ſo weit, daß Sie vergaßen, was ehrenhaft handeln bedeutet. Sollten Sie jedoch auch hier vergeſſen, wie weit Ihre Befugniß einer Dame gegenüber geht, ſo dürfen Sie verſichert ſein, daß ich Ihrem Gedächtniſſe zu Hilfe komme.

Er verneigte ſich höflich gegen Frau Elsner, dann ziemlich kalt gegen den Hofrath und verließ das Zimmer.

Kaum hatte er ſich entfernt, ſo begann der Hofrath:

Madamo, ich habe den Auftrag, Sie über etwas zu be⸗ fragen. Die Mittel, die Wahrheit zu finden, habe ich bei mir, fuhr er, auf den Gerichtsdiener deutend, fort.Auf⸗ richtigkeit jedoch kann viel gut machen und Ihre Lage durch Milde, die ich höheren Orts employiren will, beſſern.

Was wünſchen Sie zu wiſſen? fragte die Frau mit er⸗ zwungener Faſſung.

Nun denn, wer iſt bei Ihnen im Hauſe?

Bei mir?

Gewiß; leugnen Sie nicht, es iſt ein Fremder hier.

Ein Fremder?

Oder ein Bekannter wie Sie wollen.

Daß ich nicht wüßte entgegnete verlegen die Frau.

Keine Unwahrheit! rief der Hofrath ſtreng.Daß er im Hauſe iſt, weiß ich gewiß! Man hat ihn hereingehen ſehen!

Von wem ſprechen Sie?

Von einem alten Manne, der einer Irrenanſtalt ent⸗ wichen iſt! Nur ſchnell und beſtimmt, wo iſt er? 5

Herr Hofrath 3

Ohne Umſchweife! drängte der Hofrath.Mein Be⸗ gleiter weiß Thüren zu öffnen und Leugnen vollendet Ihr Un⸗

glück nur ein offenes Geſtändniß Ihrerſeits macht es

möglich, daß Ihnen Ihr Mann bald zurückgegeben werden kann!

Iſt es wahr, Herr Hofrath?

Gewiß! Alſo zur Sache.

Frau Elsner kämpfte einige Augenblicke mit ſich ſelbſt. Sie dachte an ihren Mann, den ſie durch ein Geſtändniß aus dem finſteren Kerker befreien konnte und was nützte es ihr auch, wenn ſie das Hierſein Blumau's verſchwieg? Daß der Hofrath das Haus durchſuchen und nicht eher ruhen würde,

bis er den Greis gefunden, das lag ja auf der Hand, des⸗

halb beſchloß ſie, lieber durch ein Geſtändniß ihren Gatten zu erlöſen. Indeſſen, es fiel ihr doch gewaltig ſchwer, den Alten zu verrathen; das hörte man aus der gepreßten Stimme, als ſie ſprach:

Der Greis iſt der alte Blumau!

Ganz recht, ihn ſuche ich; es iſt nothwendig, daß die Be⸗ hörde den Wahnſinn des Alten unſchädlich macht, und deshalb

Aber der Greis iſt ja nicht irrſinnig!

Das müſſen die Leute, die ihn beobachtet haben, beſſer wiſſen! Halten Sie mich alſo nicht auf; wo iſt er?

Oben! ſprach die Frau matt und ſank auf einen Seſſel.

Der Hofrath eilte nach der Thür, und nachdem er dem Gerichtsdiener Ordre gegeben, die Frau zu bewachen, verließ er das Zimmer.