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Concordia.. 175
„Theure Liebe, ſind wir nicht Eins im Herzen und in der Hoffnung von dieſer Stunde an? Und müſſen wir nicht dieſelben Wünſche, dieſelben Gedanken haben?“
„Sie haben an keine Ausſtattung zu denken, Churchill.“
„Nein, ein Mann betrachtet die Ehe kaum als eine Ge⸗ legenheit, ſich einen unbegrenzten Vorrath von Kleidern bei⸗ zulegen, obgleich ich zu Ehren meiner Promotion zum Ehemanne einen oder zwei neue Anzüge nicht verſchmähen werde. Im Ernſte, Theuerſte, beunruhigen Sie ſich nicht damit, einen Berg von Putzwaaren aufzuthürmen. Mrs. Penwyn ſoll ein offenes Konto bei ſo vielen Modiſtinnen und Seidenhändlern haben, als ihr beliebt.“
„Sie dürfen gewiß ſein, daß ich keine zu koſtſpielige Aus⸗
ſtattung anſchaffen und mich nicht in Schulden ſtürzen werde,“ ſagte Madge erröthend.
Und ſo wurde es zwiſchen ihnen geordnet, daß ſie vor Ende September heiraten und ihr neues Leben in irgend einem romantiſchen Winkel Italiens beginnen würden. Nach Penwyn wollten ſie zur Weihnachtszeit und zur Jagdſaiſon. Churchill hatte als armer Advokat ſich vieler Freunde zu rühmen, und es war gewiß nicht anzunehmen, daß deren Zahl ſich durch ſeine veränderten Glücksumſtände verringern würde. Jedermann, meinte man, würde ihn während des erſten Winters zu Penwyn beſuchen wollen.
(Fortſetzung folgt.)
Aus der Börſenwelt.
Erzählung von Karl Schmeling. (Fortſetzung.)
Doktor Rohrbeck ſprach zuerſt wieder.
„Hoffentlich,“ ſagte er, nachdem er ſich niedergelaſſen, „haben Sie nicht den Streich gemacht, ſich elektriſiren zu laſſen; ſie ſehen einigermaßen ſo aus!“
Römer ſchüttelte den Kopf.
„Nein, Doktor,“ ſagte er,„mein Rezept heißt: feſter Wille. Ich habe in der nächſten Zeit nicht Muße, krank zu ſein, und da muß man ſich zu beherrſchen wiſſen!“
„Bah— und weshalb haben Sie denn das nicht früher gethan?“
„Alles zur rechten Zeit, Doktor, das iſt die Hauptſache. Aber ſagen Sie einmal, Rohrbeck, haben Sie ein gutes Ge⸗ dächtniß?“
„Wie ein altes Kavaleriepferd, wenn es die Trompete hört— aber was ſoll die Frage bedeuten?“
„Können Sie mir vielleicht genau ſagen, wann die nervöſe Erregung ſich zuerſt bei mir eingeſtellt hat?“
„Das iſt nicht Gedächtniß⸗, ſondern Buch⸗ oder Journal⸗ ſache. Liegt Ihnen wirklich daran, die Sache genau be⸗ antwortet zu wiſſen, ſo will ich nachſehen und den Fall mit allen Nebenumſtänden zu Ihrer Kenntniß bringen!“
„Nun ja. Tragen Sie denn alle Kranken und deren Krankheiten ſo genau in das Journal?“
„Alle, ohne Ausnahme!“ 5
„Und von jeher?“
„Vom Beginne meiner Praxis ab!“
„Da müſſen Sie ja an manchen Tagen ſtundenlang zu ſchreiben haben!“
„Sagen Sie: die halben Nächte, und Sie werden das Rechte treffen. Aber kann ich endlich erfahren, was es mit dieſem Examen auf ſich hat?“
„Iſt nicht eine Unterhaltung ſo gut wie die andere, lieber Rohrbeck? Jetzt können Sie wieder einige Zeit fragen.“
Wellmann ſah nach der Uhr und erhob ſich; ſein Entſchluß war gefaßt.
„So habe ich doch wohl geſtört?“ rief der Doktor, ſich lebhaft nach Wellmann umwendend.
„Nein, Sie haben nicht geſtört!“ erwiderte Römer;„aber wollen Sie denn ſchon fort, Wellmann?“
„Ich habe noch einen weiten Weg, Herr Römer!“ er⸗ widerte der junge Mann; ,Sie erinnern ſich gefälligſt wohl, daß ich jenen Menſchen aufſuchen wollte—“
„Ja, ja! gewiß; eilen Sie, und wenn es nicht zu ſpät wird—“
„Ich denke, wir laſſen es auf die Wichtigkeit der Mit⸗ theilungen, die mir gemacht werden, ankommen, Herr Römer!“ meinte Wellmann; wenn es nicht nöthig, möchte ich Sie heute nicht mehr ſtören.“
„Handeln Sie nach Ihrem Ermeſſen, lieber Wellmann!“ ſchloß der Bankier und der junge Mann entfernte ſich mit einer Verbeugung, die deutlich genug ſeinen Unmuth er⸗ kennen ließ.
„Zürnt mir noch immer!“ ſagte der Doktor, als Wellmann die Thür hinter ſich geſchloſſen hatte,„und doch habe ich ihn ſo in mein Herz gezwängt, daß ich ihm um den Hals fallen und Smollis mit ihm machen könnte!“
Der Bankier lachte.
„Das iſt ja viel auf einmal, lieber Rohrbeck,“ erwiderte derſelbe,„und doch nicht zu viel. Wellmann iſt ſchwer zu ge⸗ winnen, aber eine treue Seele, die man zu ſchätzen wiſſen muß!“
„Und ich ſchätze dieſe Seele!“ rief der Doktor ſchnell.„Sie wiſſen gar nicht, Römer, was dieſer Mann dadurch für mich gethan, daß er Sie endlich von der bodenloſen Nachſicht gegen den nichtswürdigen Paul kurirt hat. Die längere Anweſen⸗ heit dieſes Menſchen in Ihrem Hauſe hätte mich ſchließlich noch aus demſelben vertrieben!“
„Aber, mein Gott, Rohrbeck, was hatten Sie denn je mit dieſem Burſchen zu ſchaffen, daß Sie ihn mit einem wahr⸗ haft fanatiſchen Haſſe verfolgen, ein Menſch, der ſo tief unter Ihnen ſteht?“
„Das ſagen Sie wohl, Herr Römer, aber jeder Menſch hat ſeine Kröte, Spinne, Maus oder dergleichen, wodurch er zum Gruſeln gebracht wird, und für mich war Ihr Diener all' jenes Gethier zuſammengenommen. Wenn Sie die Ver⸗ anlaſſung dazu hören wollen, kann ich Ihnen dieſelbe mit⸗ theilen, hätte es übrigens längſt gethan, wenn ich mich ihrer nicht ſelbſt ſchämte.“


