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164 8 Concordia.
Haus eingeführt, und ſowohl Sie als auch Agnes hatten den wackeren, unerſchrockenen Mann ſchätzen und achten gelernt.
„Madame,“ begann er nach der Begrüßung,„würden Sie wohl die Güte haben, mich dieſem Herrn vorzuſtellen?“
Von Herzen gern war Frau Elsner dazu bereit, und nachdem die Vorſtellung in der üblichen Form beendet war, fuhr Werner fort:
„Würden Sie wohl die Güte haben, Madame, mich einige Augenblicke mit dieſem Herrn allein zu laſſen? Mittheilungen von größter Wichtigkeit—“
„Ich mag keine Geheimniſſe haben; darum reden Sie offen in Gegenwart dieſer Dame.“
Frau Elsner, fürchtend, zu ſtören, bat jetzt Arthur ſelbſt, ſich zurückziehen zu dürfen, allein Arthur beſtand auf ſeiner Bitte, ſodaß endlich die Dame am Fenſter Platz nahm.
„Nun, mein Herr, beginnen Sie!“ ſprach Arthur kalt.
Werner verneigte ſich etwas kühl, dann begann er:
„Ich bin ein Freund Ihres Herrn Bruders und komme, wenn auch nicht direkt in ſeinem Auftrage, ſo doch in ſeinem
vor Allem aber in Ihrem Intereſſe zu Ihnen.“
„Mein Bruder hat, ſoviel ich in Erfahrung gebracht habe, ſehr unedel an mir gehandelt, und iſt es deshalb keine gute Empfehlung, wenn Sie von ihm kommen,“ erwiderte Arthur.
„Nun denn, ſo will ich Ihnen die Beweiſe in die Hand geben, daß Sie Ihrem Bruder unrecht thun und ihn nie hoch genug verehren können.“
„Haben Sie ſolche Beweiſe?“
„Gewiß. Ich bewundere Ihren Bruder, und ſeine edle Handlungsweiſe wird auch Sie gewiß erſchüttern.— Heute iſt bei Ihrem Bruder eine Durchſuchung und Beſchlagnahme ſeiner Papiere vorgenommen worden, und des Geheimraths Plan geht dahin, Ihren Herrn Bruder verhaften zu laſſen. Gott ſei Dank, daß er früh genug von dem ihm drohenden Akte bübiſcher Schurkerei Kenntniß erhielt und ſowohl ſich ſelbſt, als auch die wichtigſten ſeiner Papiere retten konnte.“
„Und was beweiſen dieſe Papiere?“
„Daß Sie lange Zeit das blinde Werkzeug eines Schur⸗ ken geweſen ſind.“
„Mein Herr—“
„Ich vertrete, was ich ſage,“ entgegnete Werner feſt. Er
zog einige Papiere hervor, und eins davon Arthur überreichend, fuhr er fort:„Hier, leſen Sie.“
Arthur griff nach dem dargereichten Papiere und las die Aufſchrift:„Zeugniß, den Onkel Blumau betreffend.“ Er ent⸗ faltete haſtig das Papier und las weiter:
„An den Pforten der Ewigkeit, doch meiner Sinne völlig mächtig, bekennt mein geängſtigtes Gewiſſen, daß ich Ihrem Onkel Blumau, auf Befehl des Geheimraths von Salfeld— laut beiliegenden Originalbriefen deſſelben— zu ſeinem Schaden und Verderben gedient habe. Durch erkaufte und gefälſchte Atteſte ward Herr Blumau für irrſinnig erklärt, obgleich er völlig geſund war. Die Angſt, das Alter und Drohungen haben ihn ſcheu gemacht und er iſt wie ein Miſſethäter behandelt worden. Erbarmen Sie ſich ſeiner, damit mir Gott vergeben möge, vor deſſen Gericht ich nun bald ſtehen werde. Paſtor Wehrmann übergiebt Ihnen dies geſiegelt nach meinem Tode. Auch der Irrenarzt Dr. Siegel iſt beſtochen und kann über die unwürdige Behandlung
Blumau's weitere Mittheilungen machen. Arbach.
Daß dies der Kranke bei klarem Verſtande in meinem Beiſein, ohne daß ich es jedoch geleſen, geſchrieben hat, be⸗ ſcheinige ich hierdurch. Wehrmann, Paſtor.“
„Großer Gott!“ rief Arthur erſchüttert,„und dieſe Teufel nennen ſich meine Freunde!“
Werner nahm das Papier zurück und überreichte ihm ein anderes.
Arthur las:
„Mein Teſtament, falls ich plötzlich ſterben ſollte.“
Er wiſchte ſich eine Thräne aus dem Auge, dann begann er mit bebender Stimme, aus welcher tiefe Rührung ſprach:
„Unter der Bedingung, daß er unſeren alten, unglück⸗
lichen Onkel Blumau rette, falls ich es noch nicht durchgeſetzt
haben ſollte, ſei mein einziger Erbe mein guter, irregeleiteter
Bruder Arthur; möge er—“
Er las nicht weiter, ſondern bedeckte ſein Geſicht mit den
Händen und brach in lautes Schluchzen aus. Erſt nach einer
Pauſe rief er:
„O, mein Gott, mein Gott!— und ich konnte ihm ſo namenloſes Weh bereiten!— Herr Werner, vergeben Sie mir
mein Mißtrauen, ſagen Sie mir, wo mein Bruder weilt, daß ich zu ihm hineilen und ſeine Verzeihung erbitten kann!“
Werner entgegnete:
„So hatte Ihr Bruder doch recht, als er mir ſagte: Mein⸗ guter Arthur beſitzt ein treffliches Herz; er iſt nur irregeleitet und wird ſicher bald einſehen, daß er mir, wie unſerem Vor⸗ munde unrecht gethan hat.“
„Könnte ich doch Alles wieder gut machen!“ ſeußzte er. Auf ſeine wiederholten Bitten theilte ihm Werner mit, daß ſich Edgar jetzt in Werner's Wohnung befinde, bat aber dringend, den Bruder vor Einbruch der Nacht nicht zu beſuchen, damit nicht etwa die Helfershelfer des Geheimraths ihn ausfinden und ihr Rachewerk ausführen könnten. Nachdem er Arthur ſeine Wohnung beſchrieben und ihn wiederholt um Vorſicht gebeten hatte, ſtürzte Arthur bewegt auf Frau Elsner zu, und ihr zu Füßen ſinkend, ſprach er:
„Madame o, nein, laſſen Sie mich Mutter ſagen— können Sie mir verzeihen?“
Frau Elsner reichte ihm unter Thränen die Hand. Nach⸗ dem er dieſe mit heißen Küſſen bedeckt, ſprang er auf und rief:
„Mutter, ich bin ſchrecklich betrogen und gemißbraucht worden! Ich lag in einem wirren, unſeligen Traume, aber Gott ſei Dank, ich bin erwacht, und nun gilt's, zu handeln und wieder gut zu machen, was ich verſchuldet habe.“
Jetzt trat auch Agnes ein.
Langſam ging Arthur auf ſie zu,
erfaßte ihre Hand und
ſprach: „Agnes, theure Agnes!— Jetzt iſt mir mein Engel er⸗ ſchienen! Ich bin jetzt gerettet, und wenn ich meine Schuld
geſühnt, wenn ich Alles, was ich in meiner Verblendung ge⸗ frevelt, wieder gut gemacht habe, dann erlauben Sie mir, auch Ihre Verzeihung zu erflehen!“
Er ſtürzte erregt fort.
Agnes warf ſich an die Bruſt der Mutter, und eben, als auch Werner ſich anſchickte, das Zimmer zu verlaſſen, ließ ſich ein leiſes Klopfen an der Thür vernehmen. Frau Elsner ging, dieſe zu öffnen.
Ein Greis trat ein, der fürwahr einen faſt unbeſchreib⸗ lichen Anblick bot. Man hätte ihn wohl am beſten mit dem
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