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„Das fordert Antwort.— Der Mann, der von dieſem Gelde, das er an das größte, ſicherſte Haus auslieh, ſeinem ſchwelgeriſchen Mündel reiche Unterſtützungen ſchaffte, zur Sicherheit dieſes unwürdigen Mündels aber ſich freiwillig mit Hab und Gut verbürgte, der dieſe Bürgſchaft ſelbſt anzeigt und mit Verluſt ſeines ganzen Eigenthums erfüllt, der iſt ein Mann, der über Ihre Schmähungen hoch erhaben ſteht.“
„Wie?“ rief Arthur erſtaunt,„Herr Elsner hätte ſich verbürgt?“
Frau Elsner fuhr, ohne auf ſeinen Ausruf zu achten, fort:
„Vaterſorge, Vaterangſt um ein anvertrautes Kind hat ihren Lohn in ſich!— Ein Mann, der, wie der meine, die Hand auf das Herz legen und auf ſeinen letzten Richter hin⸗ ſehen darf, der kann, wenn er Alles verlor— auch ein ſolches Pasquill auf ſeinen Verluſt nicht achten!“
Mit dieſen Worten nahm ſie die Schenkungsurkunde, zerriß ſie und warf Arthur die Stücke vor die Füße.
Dieſer ſtand wie erſtarrt vor der muthigen Frau; beſchämt ſchlug er die Augen nieder, und erſt nach einer langen Pauſe ſtammelte er:
„Ich kann nicht zu mir ſelbſt kommen!— Herr Elsner hatte ſich für Trenkler verbürgt?“
„Gewiß! Mit Allem, was man ihm jetzt genommen hat.“
„Das hat man mir nicht geſagt!“ ſtammelte tiefbeſchämt Arthur.
Frau Elsner fuhr fort:
„Wir hätten nichts mehr zu reden. Aber die Gewißheit, daß wir uns nie wieder ſehen, fordert mich auf, Sie an meine arme Tochter zu erinnern.“
„Madame,“ ſtotterte Arthur,„ich bedauere—“
„Die Sache iſt vorbei!“ unterbrach ſie ihn.„Eine be⸗ logene Mutter, eine angeführte, leichtgläubige Thörin mehr oder weniger, das macht im Rufe eines Mannes Ihrer Art nichts aus.— Sie haben dem Mädchen Liebe vorgeheuchelt, ihr Treue gelogen und ſie ſpäter verlacht!“
„Aber Madame!“ rief Arthur bittend.
Sie aber fuhr fort:
„Sie, der Sie uns die aufgewandten Mühen und Sorgen noch nicht mit einer frohen Stunde lohnten, haben uns jetzt für immer elend gemacht! Doch Ihr Ehrgefühl iſt erſtorben und mit ihm jede edlere, feinere Regung, denn ſonſt würden Sie es nicht gewagt haben, uns durch ein Geſchenk erniedrigen zu wollen.“
„O, mein Gott! Hören Sie auf!“ bat Arthur beſchämt; „wäre Ihr Mann nicht ſo hart geweſen, ich lebte jetzt glücklich mit Agnes!— Ach, ich liebe ſie um ſo inniger, ſeitdem ich weiß—“
„Erniedrigen Sie mich nicht!“ unterbrach ihn Frau Elsner, „Großmuth oder Mitleid wollte ich nicht erregen, das weiß Gott, der in mein Herz ſieht. Wollen Sie Gutes thun, ſo geben Sie mir meinen Gatten wieder und ſchützen Sie Ihren Bruder vor dem Haſſe des Geheimrathes, den er ſich durch ſeine edle Handlungsweiſe zugezogen hat.“
„Edle Handlungsweiſe meines Bruders?“ fragte Arthur er⸗ ſtaunt;„welches ſeiner Bubenſtücke könnten Sie dafür aus⸗ geben wollen?“
„Was iſt das?“ fragte jetzt Frau Elsner,„kennen Sie Ihren Bruder ſo ſchlecht?“
Concordia. 163
„O, nein, ich kenne ihn leider nur zu gut!— Mich als Verſchwender erklären zu laſſen, um die Adminiſtration über mein Vermögen zu erhalten— das war ſein ſauberer Plan! Auf deſſen Erfüllung hat er bei dem Geheimrathe an⸗ getragen; als dies aber nicht gelingen wollte, vergaß er die fromme Maske, ſpielte den ſchäumenden Teufel und vergaß ſich ſoweit, daß er in ſchlimme Situation gerathen mußte. Die Strafe für ſeine Frechheit wird hoffentlich nicht lange auf ſich warten laſſen.“
„Wer bürdete Ihnen dieſe Lüge auf?“ fragte Frau Els⸗ ner erſtaunt.
„Der Geheimrath ſelbſt ſagte es mir, ein Mann, der wohn über jeder Lüge erhaben iſt.“
„Hat Ihnen das der Geheimrath geſagt, dann er iſt aller⸗ dings ein Lügner der ſchwärzeſten Sorte.— Weil er ſich unſerer annahm, der Bosheit des Geheimraths trotzte, weil er Ge⸗ heimniſſe zu verrathen drohte, deshalb traf ihn der Haß die⸗ ſes Elenden.“
„Aber der Geheimrath ſagte doch—“
„Eben eine Lüge, wie er ſie Ihnen ſchon oft geſagt hat. Iſt er doch Derſelbe, der Ihren Onkel als wahnſinnig bei vollem Verſtande einſperren ließ und der—“
Der Eintritt des Dienſtmädchens unterbrach ſie.
Dieſe brachte einen Brief an Frau Elsner und ſprach:
„Der Hauswirth des Herrn Edgar Walther ſendet Ihnen dies.“
Frau Elsner erbrach haſtig den Brief, und nachdem ſie ihn zu Ende geleſen, ſprach ſie:
„Hier haben Sie einen neuen Beweis von der Schurkerei Ihres Gönners.“
„Was iſt's?“ fragte Arthur.
„Hören Sie!“ 1
Sie nahm den Brief und las:
„Heute früh, als Herr Edgar Walther mit Herrn Werner, der jetzt oft mit ihm verkehrt, kaum das Haus verlaſſen hatte, erſchien der Hofrath von Salfeld mit zwei Beamten und forderte den Schlüſſel zu Herrn Walther's Wohnung. Ich verweigerte ihn, doch der Hofrath ließ die Thür durch einen herbeigeholten Schloſſer öffnen. Ebenſo den Schreib⸗ tiſch. Der Hofrath und ſeine Beamten ſind jetzt noch damit beſchäftigt, alte Papiere zu durchſuchen. Ich vermuthe nicht ohne Grund, daß dieſe Papiere von außerordentlicher Wich⸗ tigkeit ſind. Der Hofrath tobt entſetzlich— ſpricht von unruhigen Köpfen, von Pasquillanten— von Unglück, das Walther's Anhang treffen ſolle—— Ich weiß mich vor Angſt nicht zu laſſen, um ſo mehr, als man ſelbſt von einer Ver⸗ haftung des Herrn Walther ſprach. Falls der gute und brave Herr Walther bei Ihnen iſt, ſo warnen Sie ihn, jetzt nach Hauſe zu kommen.“
„Großer Gott!“ rief Arthur,„wenn man wirklich meine vertrauensſelige Leichtgläubigkeit ſo furchtbar gemißbraucht hätte— es wäre entſetzlich!“
„Fängt es endlich an, Licht bei Ihnen zu werden? O, ſein Schein wird furchtbar in Ihr Herz dringen und nur zu bald werden Sie ſehen, daß Sie ein bloßes Werkzeug in den Hän⸗ den des Geheimraths waren.“—
In dieſem Augenblicke trat Werner ein.
Bei ſeinem Anblick heiterte ſich das Antlitz der Frau Elsner ſichtlich auf. Edgar hatte Werner ſeit langer Zeit in ihr


