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einem Mädchen die heiligſten Liebesverſicherungen giebt und dieſes dann in der Noth, die er über deſſen Familie herauf⸗ beſchworen hat, verläßt?“
Der Geheimrath war mit jener inneren geringdenkenden Seelen eigen iſt, an ſeine Tochter heran⸗ getreten. Der Widerſtand aber erbitterte ihn, und nun trat die, gemeinen Seelen ebenfalls eigene Feindſchaft hervor.
Hochroth vor Aerger und heftig im Zimmer auf⸗ und abgehend, warf er in einem ſchneidenden Tone die Worte hin:
Scheu, die
„Arthur ſcheint Dir nicht gut genug zu ſein— freilich ſchreibt er weder Romane noch Sonetten, wie ſein heuchleriſcher Bruder Edgar, mit dem Du— ich weiß es wohl bisher
oft heimliche Zuſammenkünfte gehabt haſt.“
Wieder erröthete Frida, aber ziemlich feſt antwortete ſie:
„Ich bitte, Vater, ſchmähen Sie Edgar Walther nicht, bevor Sie ihn nicht ganz kennen, er beſitzt das edelſte Herz, und warum ſollte ich's leugnen, ja, ich liebe ihn mit der ganzen Kraft meines Herzens.“
Der Geheimrath ſchoß während dieſer Antwort ſeiner Tochter im Zimmer auf und ab. Eben wollte er gegen Frida heftig losbrechen, als ſein Sohn, der Hofrath, in das Zimmer trat und dem Vater einige Briefe überreichte.
„Ich komme vom Gericht, Vater!“ begann er.
„Nun, iſt's abgemacht?“ fragte der Geheimrath.
„Gewiß! Das Verfahren gegen Edgar Walther iſt ein⸗ geleitet und ſchon in den nächſten Tagen wird bei ihm eine Durchſuchung und Beſchlagnahme ſeiner Papiere ſtattfinden.“
Frida erbleichte.
„Vater!“ rief ſie,„was hat Ihnen Edgar Walther gethan?“
„Mir nichts!“ entgegnete der Vater kalt,„was er gegen die Geſetze und die beſtehende Ordnung durch ſeine phantaſtiſche oppoſitionelle Neuerungsſucht gefrevelt, das hat er zu büßen. — Jetzt geh', Frida,“ fuhr er nach einer Pauſe fort,„über die vorhin begonnene Angelegenheit ſprechen wir ſpäter mehr, und da Dein Ideal einer längeren Feſtungsſtrafe entgegenſieht, wirſt Du hoffentlich bald auf andere Gedanken kommen.“
Frida wankte hinaus und ſuchte ihr Zimmer auf. Dort angelangt, trat ſie vor das Bild ihrer verſtorbenen Mutter und brach in lautes Schluchzen aus. Es überfiel ſie der Gedanke, daß ſie eine Waiſe ſei und in ernſten Fällen des Lebens Niemanden beſitze, dem ſie ein Tochter⸗ oder Schweſter⸗ herz öffnen könnte. Endlich raffte ſie ſich auf und ſprach:
„Mag daraus entſtehen, was da wolle, ich muß ihn warnen!“
Raſch ſetzte ſie ſich an den Tiſch und ſchrieb eiligſt einige Zeilen an Edgar; darauf warf ſie den Mantel um und trug den Brief zur Poſt.
Elsner war noch immer in Haft
Ernſt und mit Thränen in den Augen ſaß deſſen Frau an dem Nähtiſchchen, mit einer weiblichen Arbeit beſchäftigt. Agnes ſaß ihr gegenüber. Die Hände waren auf den Schoß herabgeſunken und das trüb geweinte Auge blickte ſtarr vor ſich hin.
In dieſem Augenblicke trat das Dienſtmädchen ein und meldete:
„Herr Arthur Walther!“
Agnes ſprang auf und bedeckte ihr Geſicht mit den Händen, während Fran Elsner ruhig antwortete:
V
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Concordia.
„Sage ihm, wir hätten nichts mehr mit einander zu thun und daß ich ihn bitten laſſe, uns nicht zu beläſtigen.“
Arthur hatte indeſſen dieſe Antwort gehört und trat haſtig in das Zimmer ein.
Kaum hatte Agnes ihn erblickt, ſo ſtieß ſie einen Schrei aus und verließ das Zimmer. Frau Elsner aber fragte, nach⸗ dem ſie allein war mit Arthur, ernſt:
„Was wollen Sie, Herr Walther? Haben Sie etwa noch eine Forderung an mich?— Sie ſehen,“ fügte ſie achſelzuckend hinzu,„man hat uns Alles genommen und ich werde Sie kaum befriedigen können.“
„Madame!“ entgegnete Arthur mit etwas unſicherer Stimme, „ich ſcheine als Böſewicht hier vor Ihnen zu ſtehen, aber bei Gott, das bin ich nicht! Darum erlauben mir die Erklärung—“
„Braucht's einer Erklärung?“ fragte Frau Elsner, ihn unterbrechend,„dieſe verſiegelten Zimmer— unſer Elend— die Gefangenſchaft meines guten Mannes— das iſt die Er⸗ klärung Ihres Willens.“
„Ich werde Ihnen meinen Anblick gleich entziehen, da er Ihnen ſo verhaßt iſt,“ entgegnete Arthur,„nur die Verſicher⸗ ung ſei mir noch erlaubt, daß der erſte Tag meiner Majoren⸗ nität Sie wieder in Beſitz des Ihrigen ſetzen wird. Hier iſt das Verſprechen darüber feſt und bündig.“
Mit dieſen Worten legte er ein Schriftſtück auf den Tiſch und fuhr dann fort:
„Somit darf ich hoffen, Ihr Glück wieder gegründet und meinen Leichtſinn verbeſſert zu haben. Den Verdruß laſſe Herr Elsner mit ſeiner Sorgloſigkeit aufgehen, dann hebt ſich die Rechnung.“
Er ſchickte ſich an, das Zimmer zu verlaſſen, doch Frau Elsner hielt ihn zurück und ſprach:
„Herr Walther, noch ein Wort!“ Sie ging an den Tiſch, ergriff das Schriftſtück, und es Arthur vorhaltend, fragte ſie mit feſter Stimme:
Sie
„Sie geben uns hierdurch Alles zurück?“
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„Ja.
„Alles?“
„Gewiß, Alles.“
„So?— Auch unſere Ehre? das Vertrauen auf die Menſch⸗ heit? der Frau den abgehärmten Mann? der Tochter den
tiefgebeugten Vater?“
„Madame, daß Sie Alles auf meine Rechnung ſetzen, iſt eine Ungerechtigkeit, die mich zum Reden zwingt.“
Frau Elsner ließ die Hand mit der Verſchreibung ſinken und entgegnete:
„Ich bin begierig auf das, was Sie mir zu ſagen haben.*
„Ich geſtehe Ihnen freimüthig, daß ich das, was ich thue, nur Ihretwegen und Ihrer Tochter wegen thue und daß ich es für Herrn Elsner nicht gethan haben würde; denn wahrlich, einen großen Theil meines Vermögens in eigenen Spekulationen zu vernachläſſigen, den Bruder gegen den Bruder außzureizen, das verdient Strafe.— Was geſchehen iſt, Gott iſt mein Zeuge, ich ahnte nichts davon; wohl ſehe ich jetzt ein, daß ich gefehlt habe, mich dünkt aber, ich mache durch dieſe Schenkung wieder gut, was ich etwa verſah.“
Frau Elsner hatte mit ſichtlicher Erregung die Ausein⸗ anderſetzung Arthuv's angehört, jetzt, nachdem dieſer geendet,
begann ſie:
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