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15²2 Concordia.
„Hier, dieſer Mann!“ begann Graupner, auf ſeinen Be⸗ gleiter deutend.
„Erlauben Sie, mein Herr!“ unterbrach ihn dieſer, zu Wellmann gewendet,„ich bin Gaſtwirth. Die Futterale, in denen der Mann ſteckt, habe ich ihm geborgt, und zum Lebens⸗ unterhalt iſt auch nichts vorhanden. Soll er noch länger bei mir weilen, muß erſt für Zehrgeld geſorgt werden. Einmal bin ich ſchon hineingeplumpt; denn wir waren ſoeben auf der Jagd nach dem Glücke, ſind aber überall abgeblitzt— möglich, daß Sie unſer Retter werden wollen!“
Wellmann hatte bereits ſeine Börſe in der Hand; er ent⸗
nahm derſelben einen Fünfthalerſchein und übergab ihn dem Wirthe. „Hier haben Sie vorläufig!“ ſagte er,„aber Sie laſſen mir den Mann nicht von ſich, bis ich ihn geſprochen. Ich ſuche Sie jedenfalls noch heute auf, und wenn auch erſt ſpät; wo befindet ſich Ihr Gaſthof?“
„Verlaſſen Sie ſich auf mich!“ verſicherte ſchmeidig;„kennen Sie den„Eisbären“?“
Wellmann fuhr zurück.
„Haben Sie keine Bange!“ beruhigte der Wirth,„Sie finden dort ein gutes Zimmer, wo Niemand Ihr Zuſammenſein mit dem Herrn ſtört, und für Ihre Sicherheit brauchen Sie nicht beſorgt zu ſein; bei mir ſind die ſchlimmſten„Brüder“ zahm wie die Lämmer!“
„Schon gut!“ erwiderte Wellmann,„ich komme alſo jeden⸗ falls, und erlange ich durch die Zuſammenkunft, was ich zu erlangen wünſche, ſo werde ich es Ihnen Beiden reichlich lohnen!“
Wellmann eilte davon, ohne die Grüße der beiden Leute durch mehr als eine leichte Handbewegung zu erwidern. Letztere ſetzten ſich ebenfalls wieder in Marſch.
„Nun ſind Sie ja doch noch etwas werth!“ Wirth;„man muß nur nicht verzagen!“
„Dem Himmel ſei Dank!“ erwiderte Graupner,„er ſendet mir Hilſe von einer Seite, wo ich dieſelbe nicht zu finden hoffen durfte, und ſie verdient vielleicht den Vorzug vor jeder anderen!“
„Na, was wollen wir denn weiter. Aber wir ſind jetzt wieder in der Lage, uns einen Wagen halten zu können, und das wird Ihren Beinen gut thun. Hier haben wir eine leere Droſchke!“
Kurze Zeit ſpäter kutſchirten die beiden Leute den Weg zurück, welchen ſie vorhin gekommen waren.
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der Mann ge⸗
meinte der
8. Kapitel. Der Empfangsabend.
Die Empfangsabende dauerten im Römer'ſchen Hauſe, was die Tageszeit anlangte, von Nachmittags ſechs Uhr bis gegen Mitternacht. Dieſe Einrichtung wich etwas von der Regel ab, welche ſonſt in vornehmen Kreiſen zu gelten pflegt und die ſolche Geſellſchaften erſt nach Schluß der Theater beginnen läßt, um ſie bis zum anderen Morgen auszudehnen. Doch Herr und Frau Römer hielten wohl angemeſſen, ein Haus zu machen, aber nur ein gut bürgerliches Haus, in welchem der nächſte Tag nicht mehr durch das voraufgehende Abendfeſt beeinträchtigt werden durfte. Außerdem gebot der Geſund⸗
heilszuſtand des Hausherrn und ſein häuſiges Fehlen in der
Geſellſchaft gewiſſe Rückſichen, die man nicht aus den Augen ſetzen durfte.
Die Freunde des Hauſes hatten ſich denn auch an dieſe Regel gewöhnt und allgemach gefunden, daß dieſelbe in man⸗ cher Hinſicht ihre Vortheile hatte. Man kam und ging bei Zeiten; letzteres beſonders, um recht ſanft und ruhig aus⸗ zuſchlafen, was hauptſächlich verhinderte, daß dieſe Empfangs⸗ abende für den anderen Tag einen unangenehmen Nachklang hinterließen.—
Außer den drei bereits erwähnten Gewaltakten hatte im Laufe des Tages kein Ereigniß von Bedeutung weiter im Römer'ſchen Hauſe ſtattgefunden. Indeſſen waren jene auch genügend, nach verſchiedenen Seiten hin ihre Streiflichter zu werfen.
Römer hatte ſich bald nach Abfertigung des ſogenannten Amtmanns zum Frühſtück bei ſeiner Familie eingefunden. Seine Gemahlin entdeckte ſofort die bedeutende Veränderung in ſeiner äußeren Erſcheinung wie in ſeinem Benehmen und Weſen. Klara erklärte ſogar höchſt nachdrücklich, der Papa habe ſich in einen förmlichen Glorienſchein gehüllt.
Römer lachte ſeit langer Zeit einmal wieder recht herzlich.
„Ja, Kinder!“ antwortete er,„mir iſt auch wirklich aus⸗ nehmend wohl; ich fühle mich ſo leicht— ſo friſch, wie vor zwanzig Jahren! Nur gut, daß dieſe Aenderung vor Beginn der Rohrbeck'chen Kur eingetreten, ſonſt würde er ſich das Ver⸗ dienſt beimeſſen, dieſelbe herbeigeführt zu haben. Ich bin aber im Grunde immer froh, wenn ich ſeiner Verordnungen nicht bedarf!“
„Ei— eil!“ ſagte Frau Römer, mit dem Finger drohend, „ich beginne zu ahnen, was im Hintergrunde lauert; aber es wäre ſehr, ſehr unrecht von Dir, lieber Arwed, wenn Du
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wieder—
„Du Römer, von Neuem lachend,„es bleibt bei unſerem Programm — ſoweit ſeine Ausführung von meinem guten Willen abhängt, einer Stärkung wird mein Zuſtand immer noch bedürfen; doch gehoben iſt mein Leiden durch eine Motion, welche ich mir ge⸗ macht, indem ich Herrn Kommerzienrath Falk wegen eines mir geſtellten unverſchämten Antrages von mir und aus dem Hauſe gewieſen habe!“
Ein lauter Schmerzensſchrei der Tante Amalie war die Antwort auf dieſe Mittheilung Römer's. Im nächſten Momente ſchon ſprang dieſelbe auch noch auf und eilte zum Zimmer hinaus.
„Siehſt Du, Papa!“ rief Klara,„ich habe es gewußt und auch geſagt— ſie waren längſt einig. Falk hat alſo doch um Tante Malchens Hand angehalten— wie?“
„Nein, Kind!“ ſagte Römer, wieder erregt werdend,„das hat er nicht gethan; aber ich ſehe nun wohl, daß er meiner Schweſter mit einiger Auszeichnung begegnet iſt, doch zu ganz anderen Zwecken, als um ihre Hand zu werben. Amalie iſt aber in einem gewiſſen Punkte wirklich unzurechnungsfähig, und ich bitte recht ſehr— auch Sie, Fräulein Hartmann— ihrer unangenehmen Manie ſtets bei Zeiten entgegenzutreten!“
„Klärchens Neckerei trägt diesmal viel Schuld!“ erwiderte Fräulein Hartmann und verließ, um nach Tante Amalie zu ſehen, ebenfalls das Gemach.
„Klärchen— Klärchen!“ ſagte der Vater warnend,„immer noch der kleine Uebermuth. Aber es war, wie ſchon an⸗
biſt auf falſcher Fährte, liebe Marie!“ erwiderte


