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Concordia.
„Laßt mich Euch Glück prophezeien, hübſcher Gentleman,“ begann ſie mit demſelben profeſſionellen Singſang, in welchem ſie einige Tage zuvor zu James Penwyn geſprochen hatte. Es war daſſelbe Weib, welches den jungen Squire von Pen⸗ wyn weiter unten am Fluſſe angeredet.
„Ich brauche Eure Prophezeiung nicht, ich danke. Ich weiß ſehr wohl, was ſie zu bedeuten hat,“ entgegnete Chur⸗ chill in ſeinem ruhigen, kalten Tone.
„Sagt das nicht, hübſcher Gentleman. die Urne des Schickſals blicken.“
„Und doch gebt Ihr und Euer Stamm vor, es zu können,“ ſagte Churchill.
„Wir beobachten die Sterne mehr, als Andere es thun, und lernen es, in ihnen zu leſen, mein vornehmer Gentleman. Ich habe etwas über Euch in den Sternen geleſen ſeit der Nacht, in welcher Euer Couſin ermordet wurde.“
„Und bitte, was ſagten die Sterne von mir?“ ſagte Chur⸗ chill mit einem ſpöttiſchen Lachen.
„Sie ſagten, daß Ihr im Grunde ein gutherziger Gentle⸗ man ſeid und eine arme Zigeunerin freundlich behandeln werdet.“
„Ich beſorge, daß ſie ſich einmal in ihrer Weiſe ver⸗ rechnen werden. Vielleicht war es Merkur, von dem Ihr dieſe Information erhalten. Er iſt ein notoriſcher Betrüger. Und jetzt bitte ich, meine gute Frau,“ fuhr er fort, indem er ſich umwendete, um zu ſehen, ob ſie genügend aus der Ge⸗ hörsweite der Uebrigen ſeien,„was meintet Ihr damit, mir einen Brief zu ſenden mit der Angabe, daß Ihr im Stande wäret, mir etwas Wichtiges über den Tod meines Couſins zu ſagen? Wenn Ihr mir wilrklich eine Information zu geben habt, wäre es das Weiſeſte von Euch, ſie direkt zur Polizei zu tragen, und wenn Eure Information zur Entdeckung des Mörders führte, ſo könntet Ihr eine Belohnung erhalten, die Euch für den Reſt Eures Lebens der Sorge entheben dürfte.“
Während er ſprach, waren ſeine Augen auf das Angeſicht des Weibes gerichtet mit dem forſchenden Blicke, mit welchem er gewohnt war, in menſchlichen Mienen zu leſen.
Niemand kann in
„Ich habe daran gedacht,“ antwortete die Zigeunerin,„und ich war am Morgen nach dem Morde ſehr nahe daran, zur Polizei zu gehen und Alles zu ſagen, was ich wußte; aber ich habe meinen Entſchluß hierüber geändert, als ich hörte, daß Ihr hier ſeid; ich dachte, es könnte beſſer für mich ſein, zuerſt Euch zu ſprechen.“
„Ich kann Euer Motiv nicht ergründen. Da ich aber bereit bin, zweihundert Pfund Belohnung für eine ſolche In⸗ formation zu geben, die zu einer Ergreifung und Ueberweiſung des Mörders führt, ſo mögt Ihr bei mir immerhin an die rechte Perſon gekommen ſein; nur, das ſage ich Euch freimüthig, ſo tief ich auch in der Beſtrafung des Mörders meines Couſins intereſſirt bin, möchte ich mich nicht gern mit Details abquälen. Ich will nicht einmal über die Natur Eurer Information fragen. Laßt Euch rathen, meine gute Seele, und wendet Euch an die Polizei. Dort ſind die Leute, die es zumeiſt angeht; dort ſind die Leute, die darnach zu handeln wiſſen werden.“
„Ja, und ſie werden mich zuletzt um die Belohnung be⸗ trügen oder mich vielleicht mit einer Fünf⸗Pfundnote abfertigen.
Ich weiß zu viel von der Polizei, um übermäßig geneigt zu ſein, ihr zu trauen.“
„Iſt das, was Ihr wißt, entſcheidend?“ fragte Churchill; „iſt es genug, um zur Ueberweiſung des Mörders zu führen?“
„Soviel will ich nicht ſagen, aber ich weiß, daß es werth iſt, gehört zu werden, und werth, daß dafür gezahlt wird.“
„Ihr könnt es dann ebenſowohl mir ſagen, wenn Ihr es nicht vorzieht, zur Polizei zu gehen.“
„Wie, ohne für mein Geheimniß bezahlt zu werden? Nein, mein hübſcher Gentleman, eine ſolche Närrin bin ich nicht.“
„Kommt,“ ſagte Churchill mit Lachen,„wie hoch ſchlagt Ihr Euer Wiſſen an? Ihr wißt wohl am Ende nicht mehr, als Jedermann in Eborsham. Ihr wißt, daß mein Couſin ermordet wurde, und daß ich begierig bin, den Mörder auf⸗ zufinden.“
„Ich weiß mehr als das, mein edler Gentleman.“
„Was denn?“
„Ich weiß, wer es that.“
Churchill richtete wieder einen raſchen Blick auf ſie, forſchend, ungläubig, ſpöttiſch.
„Kommt,“ ſagte er,„Ihr werdet doch nicht erwarten, mich glauben zu machen, daß Ihr den Verbrecher kennt und ihn entſchlüpfen laßt, und ſo Euren Anſpruch auf eine Belohnung verliert? Ihr ſeid nicht die Frau dazu.“
„Ich ſage nicht, daß ich ihn entſchlüpfen ließ oder die Gelegenheit aufgab, durch das, was ich weiß, etwas zu ge⸗ winnen. Geſetzt, der Verbrecher wäre irgend Jemand, für den ich mich intereſſire, irgend Jemand, dem ich nicht gern ein Leid zugefügt ſähe?“
„In dieſem Falle würdet Ihr damit wohl nicht zu mir kommen. Ihr meint doch nicht, daß ich dem Mörder meines Couſins verzeihen würde? Ich denke vielmehr, daß Eure ganze Geſchichte nur eine Fabel iſt.“
„Sie iſt ſo wahr, wie die Planeten. Wir waren die ganze letzte Woche hier gelagert, und vor dem Morde waren wir Alle bei dem Rennen geweſen. Die Menſchen ſind bei einem Wettrennen immer freundlich gegen Zigeuner, und es war für uns Alle in Fülle zu eſſen und zu trinken vorhanden — vielleicht ein wenig zu viel zum Trinken— und als das Rennen vorüber war, verſank ich in einer der Buden in Schlaf auf etwas Stroh in einem Winkel und Niemand be⸗ achtete mich. Mein Sohn Ruben— er, den Ihr kurz zuvor dort bei den Zelten geſehen, war in der Stadt und hatte wohl auch des Guten ein wenig zu viel, deshalb überließ er mich meiner eigenen Sorge; als ich erwachte, war es ſpät in der Nacht und der ganze Rennplatz war finſter und ſtill. Ich wußte nicht, wie ſpät es war, bis ich durch die Stadt kam und fand, daß alle Lichter erloſchen und die Straßen leer waren und ich die Uhr der Kathedrale Zwei ſchlagen hörte. Ich ging langſam, und die Uhr hatte wieder Halb geſchlagen, als ich an das Thor gelangte. Ich war todtmüde von dem Stehen und Gehen bei dem Wettrennen durch den ganzen Tag, und als ich auf die offene Landſtraße kam, ſah ich eine kurze Strecke vor mir Jemanden gehen. Ich ging ihm nach, mich auf der anderen Seite des Weges haltend, im Schatten der Hecke, ungefähr hundert Schritte hinter ihm, und auſ einmal hörte ich einen Schuß abfeuern und ſah ihn fallen. Es war Niemand da, zu dem ich hätte um Hiffe rufen können, und wenn er todt war, hätte das auch nichts genützt. Ich
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