Jahrgang 
1 (1879)
Seite
149
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züglich deſſen, was geeianet ſoder nicht geeignet ſei waren ſchwer verletzt worden durch die Weigerung des Neffen, ſich irgend einem beſtimmten Berufe oder Stande zuzuwenden.

Ich hätte Dich in jeder Laufbahn, die Du erwählt haben würdeſt, vorwärts bringen können, ſagte er indignirt.Ich habe in jedem Berufe Freunde, über die ich befehlen kann; oder wenn Du hätteſt nach Indien gehen wollen, Du wäreſt vor dem fünfunddreißigſten Jahre im höheren Richterſtande geweſen.

Ich danke, mein theurer Onkel, ich habe nicht den Wunſch, lebendig gebraten zu werden oder zwanzig bis dreißig indiſche Dialekte zu erlernen, bis ich den Kläger oder den Angeklagten verſtehen könnte, erwiderte Maurice ruhig.Laſſen Sie mir meine Krume Brot und die Freiheit!

Es iſt ein Glück für Dich, daß Du Deine Krume Brot haſt, grollte Sir Henry,aber mit Deiner Weiſe, das Leben zu nehmen, wirſt Du niemals dazu kommen, auch genügend guten Braten und feine Weine zu haben.

Dieſen Abend fühlte Mr. Cliſſold, vielleicht zum erſten Male, daß ſein Leben ein Mißgriff ſein könne. Sein Freund und Kamerad war ihm nöthiger geweſen, als er es ſelber glauben konnte, denn eigentlich hatte er doch James in Be⸗ zug auf Einſicht und Verſtand nie als Seinesgleichen be⸗ trachtet. Er hatte ſeine eigene Gedankenwelt, in welche der ſorgloſe Freund niemals eingedrungen. Aber jetzt, da dieſer fort war, fühlte er ſein Weſen völlig verfinſtert durch dieſen Verluſt. 3

Wollte der Himmel, ich käme ſeinem Mörder Angeſicht in Angeſicht gegenüber! ſagte er zu ſich ſelbſt;Einer von uns Beiden müßte zu Boden ſinken, um ſich nie wieder zu er⸗ heben!

14. Kapitel. Wahrheit iſt Wahrheit bis an das Ende der Zeit.

Mr. Pergament begab ſich nach London zurück mit einem Bahnzuge, der Eborsham um halb ſechs Uhr Nachmittags ver⸗ ließ, eine halbe Stunde nach Beendigung der gerichtlichen Ver⸗ handlung. Churchill ging mit dem Advokaten nach der Eiſen⸗ bahn⸗Station, ſah ihn in den Wagen ſteigen und verließ die Plattform erſt, als ſich der Zug mit Mr. Pergament in der Richtung nach London zu in Bewegung ſetzte. Es war eine ſelbſtverſtändliche Sache, daß die Firma Pergament und Pergament die Beſitzung Penwyn in ihren Händen behalte und daß Churchill's Intereſſe fortan auch das ihrige ſein ſollte. FürPergament und Pergament war es in der That, als ob James Penwyn niemals exiſtirt hätte, ſo vollkommen übertrugen ſie ihre Ergebenheit auf ſeinen Nachfolger.

Churchill ging langſam von der Bahnſtation weg und ſchien im Zweifel, wie er über ſeine Zeit verfügen ſollte. Er hätte ſicherlich mit Mr. Pergament nach London zurückgehen können, denn er hatte weiter kein Geſchäft in der Stadt Eborsham. Aber aus einem ihm genügenden Grunde hatte er es vorgezogen, zu bleiben, obgleich er nicht wenig begierig war, Madge Bellingham zu ſehen, mit der er ſeit der Ver⸗ änderung ſeiner Glücksumſtände nicht zuſammengetroffen war. Er hatte ihr geſchrieben, ehe er London verlaſſen, um ihr die geſchehene Thatſache anzuzeigen aber kurz denn er fühlte, daß jeder Ausdruck der Freude über ſeine veränderten Lebens⸗

Concordia.

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verhält niſſe ſich Schrwar⸗ auf Weiß ſchlecht genug ausnehmen würde. Er hatte in ſchicklicher Weiſe ſeinen Kummer über den traurigen Tod ſeines Couſins ausgedrückt, aber dabei keinen übertriebenen Schmerz geheuchelt. Madge's klare dunkle Augen ſchienen ihm in ſeine Seele zu blicken, während er ſchrieb.

Ich wundere mich, ob es möglich iſt, vor ihr ein Ge⸗ heimniß zu bewahren? dachte er.Sie hat einen Blick, der mein Innerſtes durchdringt ſie iſt die vollkommene Wahr⸗ haftigkeit.

Er hatte ſein Diner auf acht Uhr beſtellt, und da es noch nicht Sechs war, hatte er Zeit genug, umherzuſchlendern. Er ging zurück nach Lowgate und durch das Thor hinaus auf die düſtere ſtille Straße, wo James ſeinen Tod gefunden. Churchill Penwyn wünſchte den Punkt zu ſehen, wo der Mord verübt worden war.

Er hatte ihn ſo oft beſchreiben gehört, daß es ihm ein Leichtes war, denſelben aufzufinden. Ein etwas zerriſſenes Strauchwerk von Flieder und Brombeeren ſchied den niedrigen Sumpfboden gerade an jener Stelle von der Straße. Hinter dieſem Gebüſch hatte der Mörder ſein Ziel genommen wenigſtens war dies die Auſicht der Polizei. Zwiſchen dem Wege und dem Fluſſe gab es nur einen ſchlechten, ſpärlichen Graswuchs, und das Vieh, welches da weidete, hatte ein ziem⸗ lich kümmerliches und trauriges Ausſehen, als ob es wüßte, daß es von den guten Dingen dieſes Lebens ausgeſchloſſen ſei. Ein melancholiſcher Eſel, zwei ſchlechte Kühe und einige dürre, abgearbeitete Pferde waren über den ſchmalen Raſen⸗ ſtreifen zerſtreut, der ſich längs des niedrigen Ufers des Fluſſes hinzog.

Mr. Penwyn betrachtete den Platz eine kurze Weile nach⸗ denklich, als ob er gern etwas entdeckt hätte, was der Auf⸗ merkſamkeit der Polizei entgangen, und dann ſchritt er über das Gras gegen das Flußufer. Die düſtere Ein⸗ ſamkeit der Szene ſchien ihm zu gefallen, denn er ſchritt eine ziemliche Strecke weit fort, in tiefe Gedanken verſunken. Ver⸗ mögen bringt ſeine eigenen Verantwortlichkeiten mit ſich und ein Mann, der ſich plötzlich von Armuth zum Reichthum er⸗ hoben ſieht, iſt nicht immer fröhlich.

Er ſchlenderte ruhig das Ufer entlang, ſeine Augen mid dem träumeriſchen Blicke auf den Fluß gerichtet, der das nicht ſieht, was er zu betrachten ſcheint, als er plötzlich durch nahe Stimmen aus ſeiner Träumerei geweckt wurde, und vor ſich hinſehend, bemerkte er, daß er ſich ganz nahe vor einem Zigeunerlager befand. Da waren die niedrigen Zelte, ſchmuzig und elend, worunter ſich der dunkelfarbige Stamm bei Nacht oder bei ſchlechtem Wetter barg das Holzfeuer der immer brodelnde Kochtopf der Haufen Aſche, das ſchmuzige Stroh, die Knochen und eine oder zwei zerbrochene Flaſchen, der finſterblickende Vagabund, der auf dem Bauche dalag wie die Schlange, ſeine ſchmuzige Pfeife rauchend und jeden Vorüberkommenden mürriſch anſtarrend; die halbnackten Kinder ſpielten mit allerlei Plunder, die Weiber ſaßen auf dem Boden und flochten Matten aus Binſen. Alles das um⸗ faßte Churchill's Auge auf einen Blick vielleicht auch etwas mehr, denn er ſah einen Moment neugierig nach einem der Weiber und beſchleunigte dann ſeinen gemächlichen Schritt.

Sie legte ihre Matte nieder, erhob ſich und ſchritt auf ihn zu.