Jahrgang 
1 (1879)
Seite
129
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Concordta. 129

Sie werden den feinen Herrn doch hoffentlich nach Gebühr bedient haben?

Ach, Herr, mit Grobheit iſt dem nicht beizukommen. So wie ich es verſuchte, nahm er einen geladenen Revolver zur Hand, als habe er mit einem Straßenräuber zu thun!

Und durch ſolche Kinderei haben Sie ſich einſchüchtern laſſen? Alſo nichts als Poltron!

Was Kinderei! was Poltron! zwiſchen Männern, die in Hitze gerathen, geht ſo ein Ding nur zu leicht los, und ich bin kein Freund von Löchern im Leibe!

Na, ich merke ſchon, rief der Kommerzienrath ärgerlich, dieſe Pinſelei iſt nichts als die Einleitung zu einer Ent⸗ ſchuldigung der ſchlechten Ausführung meines Auftrages!

O, nicht doch, Herr Kommerzienrath! ſagte der Amt⸗ mann, ſeine Hand auf die Bruſt legend,hier habe ich Moſes und die Propheten!

Was haben Sie? rief Falk verwunderungsvoll.

Nun Ihr Geld, Herr Kommerzienrath! erwiderte der Amtmann mit vielem Stolze.

Falk trat einen Schritt zurück und aus ſeinem bisher noch immer vom Zorne gerötheten Geſichte wich jeder Blutstropfen.

Sie haben das Geld?! ſchrie er plötzlich in einer Weiſe auf, daß der Amtmann erſchrak.

Gewiß! antwortete dieſer verwundert,natürlich gegen Rückgabe des Vertrages und nach Abzug

Nach Abzug weſſen? unterbrach ihn Falk.

So laſſen Sie mich doch ausſprechen! meinte der Amt⸗ mann ärgerlich.Nach Abzug der Konventionalſtrafe!

Der Bankier fuhr mit beiden Händen in ſeine Haare und drehte ſich einigemal wie ein Kreiſel herum.

O, ich doppelt geſchlagener Mann! ſchrie er endlich auf, bekomme da eine Ohrfeige und bezahle ſie noch mit fünf⸗ tauſend Thalern, nur weil ich Eſel zu meinen Geſchäftsträgern benutze!

Herr Kommerzienrath! fuhr jetzt auch der Amtmann auf, ich bin kein Eſel und verbitte mir

Ein doppelter, dreifacher, zehnfacher Eſel ſind Sie und ein Thekeſel obenein!

Sie ſind der Eſel und der Thekeſel, Herr! brüllte der Amtmann los;glauben Sie nicht, daß ich an einem Tage zweimal den dummen Jungen ſpiele und noch dazu zum Ver⸗ gnügen eines Menſchen, der mich erſt ruinirt und jetzt benutzt, allerlei ſchlechte Streiche ausführen zu helfen; verdammt will ich ſein, wenn ich noch

Der Kommerzienrath hatte wieder beſtimmte Poſition an⸗ genommen und ſeine Arme ſinken laſſen.

Halt, Herr! überſchrie er den Anderen,ich habe auch Revolver, wenn Sie ausarten!

Ach was, Ihre Revolver fürchte ich nicht! Sie ſind ein

viel zu vorſichtiger und viel zu frommer Mann, um leicht⸗

ſinnig mit Schießgewehren zu ſpielen. Ich ſage Ihnen noch⸗ mals, ich laſſe mir ſolche Behandlung nicht gefallen; ich bin nicht Ihr Kommis und noch weniger Ihr Hausknecht!

Der Bankier ſuchte ſich zu faſſen; die erſten Anſpielungen des Amtmanns ſchienen wie eine Art Dämpfer auf ihn zu wirken.

Laſſen Sie die ſchlechten Witze! rief er etwas weniger laut als vorhin,und ſchweigen Sie endlich über aupt damit

wir vernünftig ſprechen können. Wer hat Sie denn beauf⸗ tragt, das Geld von Römer zu nehmen?

Haben Sie mich denn nicht hingeſchickt, daſſelbe zurück⸗ zufordern? knurrte der Amtmann.Ihre Ordre lautete: in der Nähe zu ſein, wenn Sie Ihren Beſuch abſtatten würden; verließe der Wagen ohne Sie das Haus, ſo wäre mein Ge⸗ ſchäft zu Ende. Sollten Sie denſelben zur Rückkehr benutzen, ſo hätte ich mich zu Römer zu verfügen, den Vertrag zu wider⸗ rufen und meine Kaution zurückzufordern! Habe ich das rich⸗ tig gefaßt?

Nun ja, allerdings, doch ich ſetzte voraus, daß der Mann zahlungsunfähig ſein würde. Sie ſollten ihn ängſtigen, in Verlegenheit bringen doch nicht das Geld wirklich nehmen!

Aber das wäre doch lächerlich geweſen, erſt das Geld zu fordern und dann die Annahme zu verweigern!

Sie mußten gleich die Sachlage richtig in's Auge faſſen und Ausflüchte machen, um mich erſt zu benachrichtigen und weitere Anweiſungen zu erhalten. Aber Sie ſind kein Ge⸗ ſchäftsmann!

Das ſei Gott geklagt! preßte der rieſige Mann mit einem tiefen Seufzer hervor.

Geſchehene Dinge ſind einmal nicht zu ändern, fuhr der Bankier leidlich beruhigt fort;das Geld iſt zum Henker, es macht mich nicht arm und ihn nicht reich, aber ich gäbe noch einmal ſo viel hin, könnte ich dadurch die Dummheit aus⸗ löſchen, welcher der Verluſt entſprungen!

Der Amtmann lächelte pfiffig.

Freilich! murmelte er;Römer hat mir aufgetragen, meinem Herrn zu ſagen, daß ihm dieſer Gewinn angenehmer wäre wie viel andere, durch welche er höhere Summen er⸗ worben! 1

So hat er fragte Falk ſtutzig;da haben Sie ihm alſo geſagt

Nicht eine Silbe; er muß das Rechte errathen haben!

Gott im Himmel! ſagte Falk, die Augen nach oben ge wendet;für klug habe ich Sie nie gehalten, Buchholz, aber Sie ſind auch noch dümmer wie dumm. Geben Sie das Geld heraus, damit wir zu Ende kommen!

Buchholz rückte ſeine breiten Schultern und legte das Geld⸗Packet auf den Tiſch. Inzwiſchen holte auch Falk das von Römer erhaltene Geld hervor und ſah einige der Scheine näher an. Verdrießlich murmelte er einige Worte und über⸗ ſchlug dann die ihm von Buchholz überlieferte Summe. Endlich zog er ſein Portemonnaie hervor, entnahm demſelben einen Hundertthalerſchein und reichte ihn dem Amtmann hin.

Wir bleiben trotzdem die Alten! ſagte er ſüßlich⸗freund⸗ lich.Sie können als Grund Ihres Rücktritts von dem Pachtkontrakt verbreiten, daß es mit Römer's Geldverhältniſſen ſchlecht ſtehe und daß man ihn im Geheimen eines früher verübten Verbrechens beſchuldige verſtanden?

Gewiß gewiß! erwiderte der Amtmann, freudig über⸗ raſcht das Geld nehmend. Er empfahl ſich, als ſei nichts zwiſchen ihm und dem Bankier vorgefallen. Falk begleitete ihn bis zur Thür und warf einen Zlick in das Komptoir, durch welchen er die beiden Fremden entdeckte.

Nun, was giebt's da noch? rief er.Nur näher, aber

ſchnell! 17