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Zimmer größer ausſehen als auf der Straße. Geben Sie dieſen Unterſchied zu?“ fragte Mr. Pergament.
„Ich glaube nicht, daß der Mann, den ich in jener Nacht ſah, weder ſo groß wie Mr. Cliſſold noch ſo breit über die Schultern war.“
„Es iſt gut.“
Der Haupt⸗Konſtabler gab hierauf ſein Zeugniß ab über die Auffindung der Leiche, über die in dem Straßengraben gefundene Uhr und die leere Börſe. Dann kam die Wirthin
vom„Waſſervogel“ mit der Erzählung des Wortſtreites zwiſchen den beiden jungen Gentlemen und der plötzlichen Abreiſe Mr. Cliſſold's am folgenden Morgen. Die Detektives von Spinnernbury folgten und beſchrieben Mr. Cliſſold's Verhaft⸗ ung, die Fußſpuren hinter der Hecke und längs des Leinpfades, und wie ſie Mr. Cliſſold's Stiefel mit dieſen Spuren verglichen hatten, ohne im Stande geweſen zu ſein, zu einem deſinitiven Schluſſe zu kommen.
„Es könnte übrigens leicht der Eindruck deſſelben Fußes in einem anderen Stiefel ſein,“ ſagte Higlett.„Es iſt nicht ſo wiel der Unterſchied zwiſchen der Größe der Füße, als zwiſchen der Form und dem Schnitt der Sohle. Der Mann muß groß geweſen ſein, die Länge ſeiner Schritte zeigt das.“
Es gab kein weiteres Zeugenverhör. Der Leichenbeſchauer hielt ſeine Anſprache an die Jury.
Nach einer Berathung von mehreren Minuten kehrten die Geſchworenen mit ihrem Verdikte zurück—„daß der Dahin⸗ geſchiedene von irgend einer oder meheren unbekannten Perſonen ermordet worden ſei“.
So war Maurice Cliſſold wieder ein freier Mann, aber
mit dem unangenehmen Gefühle, daß er für einige Tage im Verdachte geweſen, der Mörder ſ
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g ſeines Buſenfreundes zu ſein. Es ſchien ihm, daß ſeinem Namen fortan ein Schandmal an⸗ kleben würde. Man würde von ihm als von dem Manne ſprechen, der im Verdachte und aller Wahrſcheinlichkeit nach auch ſchuldig geweſen, den man aber hätte entſchlüpfen laſſen müſſen, weil die Kette von Beweiſen nicht ſtark genug geweſen war, ihn zu hängen.
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„Ich denke, wenn ich in Schottland gerichtet worden wäre, das Verdikt auf„Mangel an Beweiſen“ gelautet,“
Es bleb ihm nun nur ein Mittel zur vollkommenen Selbſt⸗ rechtfertigung, und dieſes beſtand darin, den Mörder zu finden. Er dachte, daß Higlett und Smelt ihn mit unfreundlichen Augen anſähen. Sie waren offenbar verſtimmt über den
„Verluſt der Belohnung. Sie konnten ohne Zweifel ihre Auf⸗ Merkſamkeit einer neuen Richtung zuwenden, aber ſie hatten viel Zeit verloren, während ſie ſich auf der unrechten Spur befanden.
Maurice Cliſſold war in ſeinem Innern nicht ganz klar,
den Schauſpielern denken ſollte— ob dieſer ge⸗ wichtige vagabundirende Vater nicht doch vielleicht mehr über das Schickſal James Penwyn's wußte, als er zu enthüllen wünſchte. Er hatte ſein Zeugniß mit aufrichtiger Miene ab⸗ gegeben und das Mädchen ſtand über jeden Zweifel erhaben. Die Wahrheit war in ihr bleiches, kummervolles Antlitz ge⸗ prägt Wahrheit und verſchwiegener Schmerz. Konnte dieſer Schmerz etwa in irgend einem verhängnißvollen Ge⸗ heimniß ſeine Wurzel haben? Wußte ſie, daß ihr Vater dieſes
was er von
Concordſfa.
Verbrechens ſchuldig ſei, und ſchützte ſie ihn mit heroiſcher Falſchheit, kaum weniger erhaben als die Wahrheit?
Sie ſtand an der Seite ihres Vaters, ein wenig von der Menge entfernt, wie ſie während des Verfahrens geſtanden, und war äußerſt aufmerkſam.
Während Maurice zögerte, im Streite mit ſich ſelbſt, ob er den wandernden Schauſpielern folgen ſolle, kam Churchill Penwyn geradenwegs über das Zimmer zu ihm, ehe die Ver⸗
ſammlung ſich zerſtreute.
„SIch gratulire Ihnen zu Ihrer Freilaſſung, Mr. Cliſſold,“ ſagte er, ihm mit einer freundlichen Miene die Hand bietend, „und erlauben Sie mir, Ihnen die Verſicherung zu geben, daß ich meinerſeits während des ganzen traurigen Geſchäftes von Ihrer Unſchuld überzeugt war.“
„Ich danke Ihnen, daß Sie mir Gerechtigkeit erweiſen, Mr. Penwyn. Ich war Ihrem Couſin ſehr zugethan. Ich liebte ihn, als ob er mein Bruder geweſen wäre, und hätte man die Frage an mich gerichtet, ob mir oder ihm ein Leid widerfahren ſolle, ich glaube, ich würde das üble Loos für mich ſelbſt erwählt haben. Seine Mutter, Gott ſegne ſie, war mir eine zweite Mutter. Sie bat mich einige Stunden vor ihrem Tode, ihn in meine Obhut zu nehmen, und ich hatte von dieſer Zeit an das Gefühl, als ob ich für ſeine Zukunft verantwortlich wäre. Er war wenig mehr als ein Knabe—“
„Worüber geriethen Sie mit ihm in Streit?“ Churchill.
Mr. Cliſſold zuckte die Schultern und ſah ſich im Saale um, der ſich nach und nach leerte.
„Es iſt eine zu lange Geſchichte, um hier darauf ein⸗ zugehen,“ ſagte er.
„Kommen Sie und diniren Sie mit mir um acht Uhr und ſagen Sie mir das Uebrige dann,“ ſagte Churchill.
„Sie ſind ſehr gütig. Doch ich kann dieſer Einladung nicht nachkommen, ich habe ein Geſchäft zu beginnen, das lange Zeit erfordern kann.“
„Darf ich mich um die Natur dieſes Geſchäftes er⸗ kundigen?“
„Ich wünſche James Penwyn's Mörder zu finden.“
Churchill zuckte die Schultern und lächelte— es war ein theilnehmendes Lächeln.
„Mein theurer Sir,“ ſagte er,„denken Sie, daß jemals ein Mörder in einem Falle wie dieſer entdeckt wurde? Er hatte drei Tage und Nächte Zeit, um nach irgend einem Hafen zu entkommen und ſich einzuſchiffen. Ohne Zweifel ein ge⸗ meiner, landſtreicheriſcher Schurke, in keiner Weiſe von anderen Landſtreichern zu unterſcheiden. Ihn finden, ſagen Sie? Ich glaube, es giebt nichts Hoffnungsloſeres! Es iſt Mode, über unſere Polizei zu klagen, weil ſie es ein wenig ſchwierig findet, ihre Hände auf jeden Verbrecher zu legen, von dem man es wünſchen mag, aber es iſt keineswegs ein leichtes Geſchäft, den rechten Mann unter zehn oder fünfzehn Millionen heraus⸗ zufinden.“
Maurice Cliſſold hörte ihn mit einer beunruhigten Miene und mit einem kurzen, ungeduldigen Seufzer an.
forſchte
„Ich fürchte, daß Sie recht haben,“ ſagte er,„aber ich will mein Möglichſtes thun, um das Geheimniß zu ent⸗ hüllen.“
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