Jahrgang 
1 (1879)
Seite
116
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Concordia.

Was?

Quasi Abbitte leiſtete wenn ich verſpräche, Ihre Schweſter nie wieder zu beläſtigen

Auf Ihre Worte gebe ich wenig.

Aber ich ſchwöre Ihnen

Ein Eid von Ihnen? höhnte Werner.

Aber mein Gott, bat der Hofrath,was ſoll ich, um meinen unüberlegten Schritt gut zu machen, thun?

Gut denn, entgegnete Werner,wollen Sie mir ver⸗ ſprechen, meine Schweſter völlig unbeläſtigt zu laſſen, weder ihr zu ſchreiben noch mit und von ihr zu ſprechen?

Ja! antwortete der Hofrath.

Nun, ſo will ich einmal ſehen, ob Leuten Ihres Schlages ein gegebenes Wort etwas gilt. Aber das ver⸗ ſichere ich, wagen Sie es noch einmal, meiner Schweſter zu nahe zu treten, ſo leſen Sie am nächſten Tage den Brief in der Zeitung. Jetzt gehen Sie Herr Hofrath ich hoffe, auf Nimmerwiederſehen.

Der Hofrath ſchlich beſchämt von dannen und Werner ging zu ſeiner Schweſter zurück.

Nachdem er ihr den Erfolg ſeiner Unterredung mit dem Hofrath erzählt, ſetzten Beide ihre Thätigkeit am Weihnachts⸗ tiſche fort, und als bald darauf die Mutter eintrat, da be⸗

ſchattete keine Stirn ein Wölkchen mehr und es klang aus vereintem Munde in die ſtille Nacht hinaus:

O, du fröhliche,

O du ſelige,

Gnadenbringende Weihnachtszeit!

Welt ging verloren,

Chriſt ward geboren,

Freue dich, o Chriſtenheit!

Stunde auf Stunde war im traulichen Geſpräche ver⸗ ſtrichen und bereits ſtand der Zeiger der Uhr auf der neunten Stunde, als Werner ſich anſchickte, zu Edgar Walther zu gehen, dem er ſeinen Beſuch zugeſagt hatte. Er traf ihn in der Elsner'ſchen Familie.

Auch dort brannte ein Weihnachtsbaum, aber ach! die Feſt⸗ freude kam trotz der reichen Geſchenke, die darunter lagen, nicht zum Durchbruch; der Ruf ‚Friede auf Erden! war nicht hier eingedrungen.

In den Augen der beiden Frauen ſtanden Thränen, denn ach! der Gatte und Vater war noch immer im Gefängniſſe und den Frauen hatte man in ſeinem Hauſe nur zwei Zimmer ge⸗ laſſen, während alle anderen unter Siegel gelegt worden waren.

Das Feſt war vorüber. Die Freuden waren verhallt, die Thränen getrocknet und die Welt hatte ihr Alltagskleid wieder angezogen.

Auch das Verfahren gegen Elsner wurde fortgeſetzt.

Der Hofrath Salfeld ſaß in ſeinem Zimmer und legte eben die Feder weg.

So! ſprach er, nachdem er das Geſchriebene durchgeſehen hatte;dagegen kann er nicht aufkommen. Und daß Arthur Walther die Klage führen muß, das ſchützt uns vor allen üblen Meinungen wir laſſen ja nur dem Kläger ſein Recht widerfahren!

Er griff zur Klingel und bald darauf trat ein Kanzlei⸗ Bote ein.

Tragen Sie das Schreiben ſogleich in das Bezirksgericht

und ſagen Sie, ich würde morgen ſelbſt die Ehre haben auf⸗ zuwarten.

Zu dienen, Herr Hofrath.

Fügen Sie aber hinzu, es wäre die ſchleunigſte Expedition nothwendig hören Sie? die ſchleunigſte Expedition!

Der Diener verneigte ſich und ging.

Nun, mein Herr Elsner, murmelte er, ſich hämiſch die Hände reibend,ſo umſonſt verbietet man mir das Haus nicht! Sie ſollen es noch mehr als bisher gewahr werden.

In dieſem Augenblicke trat Arthur Walther ein.

Ah! mein lieber Freund, willkommen! Aber ſage mir zum Kukuk, wo haſt Du denn während der Feiertage geſteckt? Wir haben Dich vergebens erwartet, und Frida

Wird mich jedenfalls nicht vermißt haben, verſetzte er

etwas gereizt, indem er ſich auf ein Fauteuil warf.

Aber mein Gott, Du läßt es Dir auch äußerſt wenig angelegen ſein, Dich bei meiner Schweſter beliebt zu machen.

Da wir einmal bei dieſem Thema find, will ich Dir gleich ſagen, daß ich zu der projektirten Verbindung ſehr wenig Hoffnung habe.

Wie ſo?

Ich habe vor dem Feſte mit Deiner Schweſter einmal ernſtlich geſprochen und direkt unter Bezugnahme auf die Ein⸗ willigung Deines Vaters um ihre Hand angehalten. Sie aber flehte unter Thränen, von meinem Vorhaben abzuſtehen, und erklärte mit einer Entſchiedenheit, die ich ihr kaum zugetraut hätte, daß ſie nie und nimmer die Meine werden könne.

Iſt das Mädchen von Sinnen?

Sie ſcheint einen Anderen zu lieben!

Unmöglich! Sie hat ja gar keine Bekanntſchaften! Nun, ich werde es meinem Vater ſagen, daß er der Närrin den Kopf einmal ordentlich zurechtſetzt. Doch jetzt zu etwas Anderem.

Nun, was giebts?

Die Affaire gegen Deinen heuchleriſchen Vormund Elsner iſt in vollem Gange.

So? Ihr habt Euch wacker beeilt.

Wir haben, um Deine Forderung zu ſichern, Alles unter Siegel legen laſſen

Wie? rief Arthur erſchrocken,ſeid Ihr bei Sinnen? bei Elsner verſiegelt?

Es war durchaus nöthig.

Aber dadurch wird ja der Mann ganz ruinirt! Habt Ihr denn gar kein Herz?

Laß Dir ſagen, Freund, Elsner iſt ein durchtriebener

Heuchler! Sei verſichert, daß mit Deinem Gelde bei Trenk⸗

ler genug gewuchert worden iſt. heimlich viel Geld hat.

Nun, wenn das iſt eine kleine Züchtigung kann dem geſchwätzigen Moraliſten nichts ſchaden.

Auf dieſe Weiſe kommt auch meine Liebe zu Agnes dem Ziele näher!

Wie ſo? fragte Arthur plötzlich ernſt..

Ei, die Jungfer muß es ſich in ihrer jetzigen Lage ja noch für eine Ehre ſchätzen, wenn ich mich ihrer annehme; ſie hat kein Vermögen und

Menſch, biſt Du toll? rief Arthur heftig,ein Mädchen wie Agnes ſollte ach pfui, ſchäme Dich!

Aber was ſicht Dich an, Arthur?

Man weiß, daß Elsner