Jahrgang 
1 (1879)
Seite
113
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Concordia. 113

als gerade in Rockbury der Frühlingsmarkt war. Abends vorher hatte der Vetter ſchon ſeine Einwilligung dazu gegeben, daß ich denſelben mit Miß Penfold beſuchen dürfte, hatte mir auch ſchon einen Sovereign als Marktgeld verſprochen. Der Beſuch eines Marktes, der mir noch etwas Neues war, und der Beſitz des Geldes, das ich ganz nach meinem Gefallen verwenden konnte, war ein Hochgenuß erſter Art für ein ſo beſcheidenes Landmädchen wie ich, und am Morgen des frag⸗ lichen Tages hatte ich in meiner Glückſeligkeit der Couſine Marcia ſchon meine frohen Ausſichten mitgetheilt. Doch zu meinem Schrecken ſchien dieſe keine Neigung zu haben, dieſe zu verwirklichen, im Gegentheil, ſie äußerte ſich dahin, daß ich es mißverſtanden, und daß ihr Bruder nie und nimmer die Abſicht gehegt haben könnte, mir zu geſtatten, einen ſo unpaſſenden Platz, wie den Rockburyer Markt, zu beſuchen, und ermahnte mich, nicht weiter daran zu denken. Natürlich fügte Miß Penfold, die immer ihr treues Echo war, noch

ſalbungsvoll hinzu, dieſer Gang ſei für ein Mädchen in unſerem Stande höchſt ungeeignet, und wenn ich nur wüßte, wie es dort zuginge, könnte ich unmöglich den Wunſch hegen, hinzugehen.

Da ich jedoch ganz entgegengeſetzter Anſicht war, ſo wurde ich natürlich ſehr verſtimmt und beklagte unaufhörlich den Verluſt meines Marktgeldes, zugleich aber hoffte ich nichts ſehnlicher, als daß die Gelegenheit, den Vetter zu ſehen, ſich mir darbieten möge.

Plötzlich hörte ich den erſehnten Ton, gerade als ich mir bei einer grauſam langweiligen Abſchrift unaufhörlich mit Tinte die Finger beſchmuzte; raſch ſtammelte ich irgend eine Entſchuldigung, ſprang auf von meinem Stuhl und lief zur Thüre hinaus, ehe Miß Penfold mich daran verhindern konnte.

(Fortſetzung folgt.)

Jurchtlos und treu.

Roman. (Fortſetzung.)

Elsner wollte gehen, doch der Sekretär hielt ihn zurück.

Herr Elsner begann er verlegen, doch dieſer unter⸗ brach ihn mit der ernſten Frage:

Was wollen Sie noch?

Sind Sie ein vernünftiger Mann?

In dieſem Augenblicke gewiß! entgegnete Elsner ſtolz.

Wenn ich Ihnen rathen darf, ſo ſchwimmen Sie nicht gegen den Strom!

Beſſer gegen den Strom ſchwimmen, als im Sumpfe untergehen!

Wenn Sie klug wären

Was ſoll das heißen? fragte Elsner ſtolz.

Wenn Sie durch Nachgeben und Offenheit beträchtliche Trümmer aus dem Schiffbruche retteten!

Nachgeben und Offenheit? Was verſchweige ich denn?

Das kann ich nicht wiſſen. Falls Sie aber etwas ſagen wollen, was Sie bis jetzt verſchwiegen haben etwas, das den Herrn Geheimrath intereſſiren oder der allgemeinen Ruhe und Sicherheit dienlich werden könnte, ſo meine ich, daß es in Ihrer Lage alle Vortheile bewirken müßte, welche die Er⸗ kenntlichkeit nur gewähren kann.

Was wollen Sie damit ſagen?

Verſtehen Sie mich nicht?

Ganz ehrlich geſagt nein.

Nun, ich meine, Ihr älterer Mündel, Edgar Walther, er⸗ laubt ſich aus überſpannter Phantaſie allerhand ſonderbare Dinge, abenteuerliche Pläne und ſeltſame, wahrhaft bedenk⸗ liche Reden betreffs des alten Blumau. Daß die Obrigkeit den Wahnſinn eines alten Mannes unſchädlich macht, iſt doch nur ihre Pflicht, und deshalb

Ah nun fange ich an zu begreifen!

Ihr Mündel leiht dieſer Sache die ſonderbarſte Geſtalt und beunruhigt die Gemüther mit den Ausgeburten ſeiner überſpannten Phantaſie. Das Publikum fängt an, auf die ſeltſamſte Weiſe Partei in der Sache zu nehmen.

Bei Gott! es wird noch mehr Partei in der düſteren Angelegenheit nehmen!

Nun ja, und deshalb meine ich wenn Sie als ein wackerer Bürger, der es mit dem Anſehen der Obrigkeit gut meint, darüber Aufſchlüſſe geben wollten, vermöge deren der alte irrſinnige Mann wieder in Wartung, Pflege und Ver⸗ wahrung genommen werden könnte, dann würde ſich das Publi⸗ kum beruhigen, und Sie könnten auf die ganz beſondere Erkenntkichkeit des Herrn Geheimrathes rechnen.

Herr Sekretär! ſprach Elsner mit Würde,verſiegeln Sie! Jene Sache mit dem alten. Blumau iſt Gottes Sache! Er hat das Siegel abgenommen und er wird auch das End⸗ urtheil fällen! Wer dafür nicht zittern muß, der freut ſich darüber.

Er hatte dieſe Worte ziemlich laut geſprochen, und auf⸗ merkſam durch das laute Reden gemacht, trat Frau Elsner mit Agnes ein.

Iſt es wahr, lieber Mann? fragte Frau Elsner den Gatten,man will Dir Alles verſiegeln?

Ja, Marie, es iſt ſo! entgegnete er.

O, mein Gott! fügte Agnes hinzu,armer, armer Vater!

Er trat zwiſchen Beide, und ihre Hände erfaſſend, ſprach er:

Beugt mich nicht durch Kleinmuth, meine Lieben! Wir haben den Kummer Anderer getragen und werden nun auch Menſchen finden, die uns unſere Laſt erleichtern! Darum ſeid muthig und ſtandhaft! Ich verlaſſe mich darauf, daß Ihr mich aufrecht erhaltet!

Und zu dem Sekretär gewendet, fügte er hinzu:

Und nun zur Sache, mein Herr! Thun Sie, was meine Feinde Ihnen aufgetragen haben.

Er verließ mit einem innigen Blick auf die Seinen neben dem Sekretär das Zimmer.

Agnes warf ſich an die Bruſt der Mutter und brach in heftiges Weinen aus.

Vergebens bot die Mutter Alles auf, ſie zn dſten

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