Jahrgang 
1 (1879)
Seite
107
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Concordia. 107

Ein Gerücht behauptete es; amtliche Ermittelungen ſind darüber entweder gar nicht angeſtellt oder haben doch nichts ergeben. Als Hauptſchuldiger ward der Vorſteher des Tele⸗ graphen⸗Amtes zu Rumſtadt, namens Graupner, verurtheilt, und dieſer hat ſeine Mitſchuldigen nicht angegeben!

Graupner? fragte Römer lebhaft;wiſſen Sie, daß mein Diener ebenfalls Graupner heißt?

Ich weiß es! antwortete Wellmann,und halte ihn für einen Bruder jenes

Der Prokuriſt ſtutzte plötzlich.

Was haben Sie? fragte Römer.

Richtig! antwortete Wellmann, jetzt bin ich klar; ich habe jenen verurtheilten Graupner geflern auf der Straße als Bettler geſehen! 5

Schon möglich! meinte Römer;doch laſſen wir ihn, um uns vorläufig mit unſerem Graupner, der mir gefährlich zu werden droht, zu beſchäftigen. Aber⸗bitte, ſehen Sie erſt nach ob 4

Römer deutete mit der Hand leicht nach der T i. Well⸗ mann ging zu derſelben hin un öffnete ſie.

Nicht da! ſagte er, ſchloß die Thür wieder und kehrte zurück.

Sprechen wir demungeachtet leiſe! mahnte der Bankier, ſeinem Vorſchlage ſelbſt nachkommend.Dus Geld, welches ich durch Paul am letzten Dezember vorigen Jahres zur Poſt geſchickt, iſt dort nicht abgegeben. Hier iſt der von Jenem ab⸗ gelieferte Schein, ſehen Sie ſich denſelben einmal näher an!

Wellmann naym dt ihm gereichten Poſtſchein und über⸗ flog ihn erſt ſo; daſt hielt er denſelben gegen das Licht.

Der Schein zeigt eine Paſur! ſagte er langſam,die

Jahreszahl des Datums iſt verändert! 1

Ganz richtig erwiderte Römer,er yluß mir einen der älteren Scheine entwendet und abgeändert haben. Begeben Sie ſich alſo zum Vorſtande der Revierpolizei, um demſelben die Sachlage mitzutheilen und ihn zu erſuchen, die Verhaftung des Paul Graupner, möglichſt ohne Aufſehen Zu erregen, vor⸗ zunehmen, da zu befüxchten ſei, daß der Menſch flüchtig werde. Sie mögen noch bemerken, daß eine ſchriftliche Anzeige über ſein jetziges Vergehen, ſowie ſchn früher von ihm begangene Un⸗ redlichkeiten, ſchleunigſt folgen werde. Vielleicht könnte auch eine Viſitation ſeiner Effekten nicht ſchaden!

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Wellmann antwortete nicht; er wendete den Schein in ſeinen Händen umher und blickte, offenbar unentſchloſſen, vor ſich nieder. Römer, der es bemerkte, betrachtete ihn ver⸗ wunderungsvoll.

Wir kennen den Entſchluß, welchen Wellmann geſtern gefaßt hatte. Als ihn heute ein Billet und die Klingel in die Privatwohnung des Prinzipals riefen, kam er dieſen Aufforderungen mit der Abſicht nach, ſowohl die Wünſche ſeines Prinzipals zu vernehmen, als auch ſeinen Entſchluß zur Ausführung zu bringen. Aber die Gelegenheit dazu war nicht günſtig. Römer war nicht in der Stimmung, ſein Geſuch ruhig anzuhören oder daſſelbe unbeeinflußt zu überlegen; und dennoch wurde Wellmann von einer inneren Stimme gemahnt, nicht länger mit ſeiner Werbung um Klara zu zögern. Daher ſeine Unentſchloſſenheit und der Kampf der beſſeren Einſicht mit dem Triebe ſeines Herzens.

Ich will nicht hoffen, ſagte der Bankier endlich mit einem Anfluge von Verdruß,daß Sie mein Vorgehen gegen Paul mißbilligen. Die fortgeſetzten Nichtswürdigkeiten dieſes Menſchen haben jedes Maß überſchritten und Sie ſelbſt ver⸗ langten ſchon oft deſſen Entfernung!

Ihr Auftrag wird pünktlich ausgeführt werden, Herr Römer! entgegnete Wellmann;ich würde mir nicht heraus⸗ nehmen, Ihrer Anordnung etwas entgegenzuſetzen, auch wenn

ſie weniger berechtigt wäre, als ſie es in dieſem Falle iſt.

Ich dachte in dieſem Augenblicke ſogar nicht einmal an den Diener. Als ich heute Ihrem Rufe nachkam, beabſichtigte ich nebenbei, Ihnen ein Privatgeſuch vorzutragen; daſſelbe betrifft einen Gegenſtand, der für mich von höchſter Wichtigkeit iſt!

Römer erhob ſich ſchnell.

ieber Wellmann, ſagte er freundlich, indem er ſeine Hände auf die Schultern des jungen Mannes legte,Sie können wohl kaum einen Wunſch hegen, den ich Ihnen nicht gewähren würde; nur jetzt, nur heute verſchonen Sie mich mit jedem Anliegen, wenn ſonſt Aufſchub möglich iſt, oder kommen Sie heute Abend beſtimmt in die Geſellſchaft, wir ziehen uns dann aus derſelben zurück und verplaudern ein paar Stunden als Freunde wollen Sie?

(Fortſetzung folgt.)

Betronel.

Roman aus dem Engliſchen von Florence Marryat.

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(Fortſetzung.) 3 Nach dieſem Tage erwachten meine Lebensgeiſter allmälig(Arbeiten aber wollten mir gar nicht behagen, wie ich ſchon

wieder, und wenngleich es einiger Zeit bedurfte, bevor ich wieder ſo lebhaft und munter wie früher war, ſo hatte ich es doch ſchon nach Monatsfriſt ſoweit gebracht, verſchiedene Verlegenheiten hervorzurufen. Ich war während der Zeik-zu

viel ganz mir ſelbſt überlaſſen, und das Stillleben, das V

geradezu das Gegentheil von meiner früheren freien, galn unbeſchränkten Exiſtenz war, langweilte und quälte mich ſö) daß ich wirklich nur aus Verlangen nach Abwechſelung Thorheiten beging. Die Couſine Marcia verſtand die Bedürfniſſe eines ſo aufgeweckten Kindes, wie ich es war, nicht zu beurtheilen, ſonſt würde ſie wohl irgend eine Beſchäftigung gefunden haben, die mich gefeſſelt hätte. Die verſchiedenen geiſtigen

vorhin erwähnt, und andere gab es eben nicht für mich. Jeden Morgen, wenn das Wettéer günſtig war, wurde ich zum Spazierengehen mit Pinnehinausgeſchide; dieſe deredete ich dann, mit mir in die Stadt zu gehen und mir die Laden⸗ fenſter mit den len Kehönen Sachen zu zeigen. Doch die Promenaden dauerten nicht lange, und während des ganzen übrigen Tages blieb ich allein und mir ſelbſt überlaſſen. Anfänglich amüſirte es mich, das Haus zu durchſuchen, das voll von Bildern, Statuen und verſchiedenen intereſſanten Sachen war. Einmal paſſirte es mir, daß ich ganz in's An⸗ ſchauen verſunken vor einem Bilde ſtand, auf welches die

Sonne ſo ſchien, daß die Wellen darauf frappant wie wirk⸗ 14*