Concordia. 101
Geſchäft, ein Verbrechen, von dem man wahrſcheinlich bald im ganzen Lande nach ſeiner Länge und Breite hören mußte, und die Konſtabler von Ebersham fühlten, daß die Augen von Europa auf ihnen ruhten. Jeder von ihnen wußte, daß ſeine Leute langſam waren und oft Schnitzer machten, und im Zwei⸗ fel, ob es Ihnen gelingen könne, auf den Boden des Myſte⸗ riums zu ſehen, telegraphirten ſie nach Spinnersbury um ein paar geſchickte Detektives, die ſo raſch herbeikamen, als ein Eilzug ſie tragen konnte.
„Geſchäft iſt Geſchäft!“ ſagten die Konſtabler von Ebors⸗ ham.„Was immer für eine Belohnung nach und nach an⸗ geboten werde— hundert Pfund haben bereits unſere Behörden ausgeſetzt— wir arbeiten zuſammen und theilen ehrenhaft!“
„Einverſtanden!“ erwiderten die Gentlemen von Spinners⸗ bury, dem Centrum dieſes nördlichen Diſtriktes. Und nach⸗ dem das Geſchäft ſomit auf angenehmem Fuße geordnet war, gingen die gewandten Detektives an die Arbeit.
Uhr und Börſe des Gemordeten waren von der Lokal⸗ polizei vor der Ankunft dieſer Männer aus Spinnersbury aufgefunden worden. Die Börſe war leer, und ſo blieb es noch eine offene Frage, ob nicht Raubgier das Motiv geweſen. Der Mann, welcher das Geld nahm, konnte gefürchtet haben, die Uhr zu nehmen, da ihn dieſer Beſitz leicht kompromittiren konnte. Higlett, einer von den Männern aus Spinnersbury, ging geradenwegs nach dem„Waſſervogel“, um die Um⸗ gebungen zu beſichtigen, in denen James Penwyn in letzter Zeit gelebt. Smelt, ſein Gefährte, blieb in Eborsham, wo er in n Schänken unteren Ranges die Runde machte, mit 28. morgen zu entdecken, war für zweifelhafte Charaktere ſich in den letzten zwei Tagen in der Stadt umhergetrieben. Bei den Wettrennen pflegen ſich zweideutige Individuen der ver⸗ ſchiedenſten Art einzufinden; doch ſchien es ſeltſam, daß gerade Mr. Penwyn, von dem Niemand geſehen, daß er Geld ge⸗ wonnen, auf ſeinem Wege aus der Stadt ſollte einem Raub⸗ mörder zum Opfer gefallen ſein, während viele Gentlemen in dieſer Nacht mit vollen Taſchen und weinduſeligen Köpfen nach Hauſe gegangen waren.
Mr. Higlett fand die Leute im„Waſſervogel“ ſo mit⸗ theilſam, als er es wünſchen konnte. Sie hatten den ganzen Morgen nichts gethan, als über den Mord geſprochen, und ſie konnten nichts Anderes thun. Von ihnen erfuhr Mr. Higlett Vieles, das ſeinen regen Geiſt in einer Richtung in Be⸗ wegung ſetzte, die er für eine glückliche hielt.
„Smelt mag in der Stadt thun, was er kann,“ dachte er;„ich bedauere es nicht, daß ich hierhergekommen bin.“
Die Wirthin, welche wahrhaft kläglich geſchwätzig war, nahm Mr. Higlett beiſeite, nachdem ſie ſich verſichert, daß er ein Detektive aus Spinnersbury war, und informirte ihn, daß in dem Falle Umſtände da ſeien, die ihr nicht gefielen— nicht daß ſie auf irgendwen ein übles Licht zu werfen wünſche, denn es würde ihr Gemüth ſchwer bedrücken, einen Unſchul⸗ digen zu verdächtigen, aber ein Gedanke ſei frei, und— ſie habe ihre Gedanken.
Von dem Detcektive gedrängt, ging ſie um einen Schritt weiter und ſagte, die Lage der Dinge gefalle ihr nicht, be⸗ ſonders bezüglich Mr. Cliſſold's.
„Wer iſt Mr. Cliſſold?“ fragte Higlett.
„Mr. Penwyn's Freund. Sie kamen mit einander vor drei Tagen hierher und ſchienen ſo gut als möglich mit
einander, wie Brüder; vorgeſtern gingen ſie ſiſchen, brachten Abends einige Schauſpieler zum Nachtmahl mit und ließen von Allem das Beſte aufſetzen; aber als ſie zu Bette gingen, gab es aufgeregte Worte zwiſchen ihnen. Ich und mein guter Mann hörten ſie, denn das laute Reden erweckte uns, und es war Alles wegen irgend eines Mädchens. Beide waren ſehr aufgeregt, und Mr. Penwyn ſchlug ſeine Thür ſo heftig zu, daß das ganze Haus zitterte, da es ein altes Haus iſt, wie Sie ſehen können.“
„Streit um ein Mädchen,“ ſagte Mr. Higlett,„das be⸗ deutet zuweilen Unheil. Aber an einigen aufgeregten Worten zwiſchen jungen Gentlemen nach dem Souper liegt wohl nicht viel, auch wenn es ſich um ein Mädchen handelt. Sie waren doch am nächſten Morgen wieder in beſter Ordnung und freundlich, denke ich?“
„Ich glaube wohl, daß ſie es hätten werden können,“ erwiderte die Wirthin,„aber Cliſſold ging am Morgen ſehr frühzeitig mit der Angelruthe aus, hinterließ nur ein Billet für Mr. Penwyn und kam erſt heute Mittag um zwölf Uhr wieder zurück.“
„Kurios,“ ſagte Mr. Higlett.
„Das iſt es, was auch mich überraſchte. Mr. Penwyn erwartete ihn geſtern Abend und ließ ſein Wort zurück, wohin er gegangen, für den Fall, daß ſein Freund käme. Natürlich war Mr. Cliſſold ſchrecklich ergriffen, als er heute kam und von dem Morde hörte. Ich denke nicht, daß ich jemals einen Menſchen ſo bleich geſehen. Aber es kam mir ſeltſam vor, daß er die ganze Nacht aus war, und zwar dieſelbe Nacht.“
„Sagte er Ihnen, wo er geweſen?“
„Nein. Er ging ſogleich wieder aus dem Hauſe mit der Polizei. Ich denke, er ging, um Mr. Penwyn’s Advokaten und einigen ſeiner Verwandten zu telegraphiren.“
„Er iſt alſo bereit, ſich nützlich zu machen,“ murmelte Mr. Higlett.„Ich möchte wohl einen Blick in die Zimmer dieſer Gentlemen thun.“
Da Mr. Higlett mit der geſetzmäßigen Autorität aus⸗ geſtattet war, wurde ihm dieſes Privilegium gewährt. Er unterſuchte das Schlafkabinet und das Wohnzimmer, warf einen Blick auf das wenige und einfache Gepäck der Reiſenden, die natürlich nicht mit viel Utenſilien das Land durchſtreifen konnten. Da er hier wenig fand, was ſeine Aufmerkſamkeit erregen konnte, nahm Mr. Higlett in dem Gaſtzimmer ein zweites Frühſtück und hörte die Geſpräche der Perſonen, die ſich am Schanktiſche einfanden. Er verſank in Nachdenken, rauchte dann eine Pfeife und ging endlich hinaus auf die Straße.
Er traf Smelt, der ſehr entmuthigt ſchien.
„Nichts zu Stande gebracht?“ fragte Higlett.
„Weniger als nichts! Wie geht's Dir, Kamerad?“
„Nun, ich denke, ich bin auf der rechten Spur. Aber ſie iſt jetzt noch etwas dunkel.“
Sie gingen miteinander in die Schänke zurück und be⸗ ſprachen ſich flüſternd. Eine Viertelſtunde ſpäter kehrte Maurice Cliſſold von ſeiner Miſſiogo Einiges fah bleich und ermüdet aus und ſah kaumenfalls. 8„oie zwals er in der Vorhalle an ihnen vorüjfhis fünfer den Iſſomente aber waren ſie ſchon an ſeligabundeyverhafte Sie.*
„Ich ich, daß deng von e aufdacht hin bezüglich der Ermordurnder und James Pezte Higlett.


