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widerſprach dem und wurde hitzig. Der Landeshauptmann gab nicht nach, ſodaß ein wirkl icher Zank entſtand, in dem der Pfalzgraf dem Stotterer ſchonungslos nachahnte. Johann Sigismund hatte ſich bisher mit Mühe zurückgehalten, und dabei noch einige Becher hitzigen Wein getrunken; jetzt erhob er ſich und trat auch an den Tiſch, wo man unterhandelte.
„Vetter,“ ſagte er,„Ihr bedient Euch einer Sprache, die wir bei uns nicht gewohnt ſind. Mein Geheimrath hat nicht verdient, daß Ihr ihm den Fehler der Natur vorhaltet. Das iſt keine Art, um ſich—“
„Herr Kurfürſt,“ fiel Wolfgang Wilhelm ihm in die Rede, „ich bin kein Kind, das man zurechtweiſt. Der Herr Landeshauptmann iſt von einer unerhörten Starrköpfigkeit. Er will mich überreden, daß ich unendlich gewinne, wenn ich nichts erhalte.“
„Ihr erhieltet nichts?!“ „Wahrlich, kein Kaiſer könnte ſeiner gift geben als ich.“
„Ihr vergeßt wohl, daß meine Anſprüche an die Jülich⸗ Cleveſche Erbſchaft ſo gut wie die Eurigen ſind,“ erwiderte der Pfalzgraf heftig.
VTon Augenblick zu Augenblick wurde die Stimmung ge⸗
verſetzte Johann Sigismund. Tochter eine größere Mit⸗
reizter. Johann Sigismund ſuchte den Aerger über Wolfgang Wilhelm's Betragen im Wein zu ertränken, wodurch er nur
noch mehr erregt wurde. Die Bemühungen der Räthe, die Fürſten zu beruhigen, waren vergeblich. Man ſchrie, man focht mit den Händen gegeneinander, man ſchlug auf den Tiſch.
„Eure Mitgift,“ rief Wolfgang Wilhelm,„iſt wahrlich ebenſo klein wie Eure Tochter. Beide gleichen ſich darin.“
Das Wort ließ Johann Sigismund jed ede Rückſicht vergeſſen, er ſtieß die brandenburgiſchen Räthe zurück.
„Solche Ungezogenheit,“ tönte es laut aus ſeinem Munde, „muß man züchtigen.“ Im nächſten Momente war die That geſchehen, eine ſchallende Ohrfeige gefallen.
Wolfgang Wilhelm ſtand einen Augenblick regungslos, dann griff ſeine Hand an das Schwert.
„Um Gottes willen,“ rief Werner von dem Bongart und ſiel ihm in den Arm,„bedenkt, was Ihr thut, gnädiger Herr Pfalzgraf.“
„Du haſt recht, Alter,“ verſetzte Wolfgang Wilhelm und ſtürzte aus dem Zimmer.
Johann Sigismund ſtarrte ihm nach.
„Ihr ſeid zu weit gegangen,“ erlaubte ſich Thomas von Kneſebeck ſtotternd zu bemerken.„Ich fürchte, daß der Herr Pfalzgraf ſchwerlich zu beruhigen ſein wird. Welche böſe Folgen wird dieſe Ohrfeige haben?!“
„Mag ſein— ich konnte nicht anders,“ verſetzte der Kur⸗ fürſt.„Er hat mich gereizt, daß ich auf gut brandenburgiſch antworten mußte. Wenn ſein Blut ſich abgekühlt hat, wird er ſein Unrecht einſehen. Juſtus, einen Becher Wein— ich habe mich ſchwer geärgert.“
Nach zehn Minuten wurde ihm berichtet, daß Wolfgang Wilhelm zu Roß und von ſeinem Reitknecht begleitet das Schloß verlaſſen hätte. Auch beſäßen die neuburgiſchen Räthe die Weiſung, alle Unterhandlungen abzubrechen und ihrem Herrn nach Wittenberg ſogleich zu folgen.
„Das wird Anna Sophia nicht verdrießen,“ Kurfürſt
meinte der
Concordia.
4. Kapitel.
Die Vor der alten Reſidenz in München hielt ein Reiter ſein ſchaumbedecktes Roß an. Er war von hoher Geſtalt, welche die gewöhnliche Größe bei weitem überragte, dabei vereinigte ſie Stärke und Gewandtheit; das war auf den erſten Blick wahrnehmbar, als er ſich von ſeinem Rappen ſchwang. Der
ihm entgegentretende Rottenmeiſter der Hellebard ihn ſo gleich und grüßte ihn, ſich tief verneigend. „W Wahrlich, heilige Mutter Gottes und Jof ſeph, Ihr ſeid räf Gnaden. Wird das eine Freude geben⸗ Sie owohl hei⸗ dden Herrn Herzog als auch bei der azeß Magdalena, welche alle Freier
Folgen.
iere erkannte
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„Aller r, Du ſchwatzeſt,“ äußerte Wolfgang Wilhelm und eilte in die„Reſidenz“. Der alte Rottenmeiſter hatte aber recht; denn Maximilian kam dem unerwarteten Gaſte mit offenen Armen entgegen und auch Eliſabeth, die Herzogin, empfing ihn wie einen heimkehrenden Bruder.
„Wo in. Eure Schweſter, Prinze ſſin Magdalena?“ fragte Wolfgang Wilhelm.
„Sie weilt auf ihrem Zimmer,“ antwortete Eliſabeth,„wie die verzauberte Prinzeſſin, und harrt des Erlöſers.“
„Sie ſoll nicht lange warten,“ verſetzte der Pfalzgraf, „wenn man einem Geſchlagenen nicht die Tochter des Hauſes Wittelsbach vorenthält.“ Bei dieſen Worten flammte eine gewaltige Röthe über ſein Antlitz.
„Was hat es gegeben, wie deute ich Eure Worte?“ fragte der Herzog.
Wolfgang Wilhelm erzählte nun, Als er geendet, ſagte Maximilian:
„Ihr ſeid von einer Ketzerhand wie weiland unſer Herr und Heiland getroffen worden. Der Schlag ſchändet Euch nicht in meinen Augen; wohl aber tritt einer Vereinigung zwiſchen Euch und meiner Schweſter etwas Anderes entgegen.“
„Ihr meint, daß ich lutheriſch bin,“ rief Wolfgang Wil⸗ helm.„Das läßt ſich ändern. Nur dürfte ich dann den Schutz der Union gegen des Kaiſers Majeſtät verlieren.“
„Werdet der Unſere und die Liga wird für Euch eintreten,“ äußerte der Herzog und bot ihm die Hand, in die er einſchlug.
„Ich bin es, und nun führt mich zu Eurer Schweſter, meiner ſchönen Braut, der zukünftigen Herzogin von Jülich und Cleve.“——
Magdalena hatte von der Ankunft des Pfalzgrafen ver⸗ nommen. Gern väre ſie ihn zu begrüßen geeilt, doch hielt die weibliche Scheu ſie wieder zurück. Unendlich lang wurde ihr die nächſte Stunde. Da ließen ſich im Vorzimmer klirrende Schritte vernehmen, da entfiel ihr die Arbeit, ſie erhob ſich und faltete die Hände über die tobende Bruſt.— Jetzt öffnete ſich die Thür und zwei Männer traten ohne weitere Anmel⸗ dung in das Zimmer der ſchönen Prinzeſſin.
„Schweſterchen, da bringe ich Dir einen neuen Freier,“ ſagte Maximilian.„Wirſt Du ihn auch mit einem Korbe heimſchicken?“
„Ihr ſcherzt, mein B ſchlug die Augen nieder. Herr Pfalzgraf iſt mit einer Tochter Bra⸗
„Nichts da!“ tönte Wolſgang Wilhelm's Stimme.
was ihm begegnet ſei.
ruder,“ erwiderte ſie zaghaft und „Aber es iſt kein guter Scherz; der andenburgs verlobt. 44 „Die


