Jahrgang 
1 (1879)
Seite
94
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94 Coucordia.

hättet mir niemals den Rath gegeben, mich mit dein kleinen Mädchen zu verheiraten. Gott im Himmel, ich hätte meine Braut faſt auf den Arm genommen, um mich nicht zu ihr hinabzubiſen. 4

Bongart zuckte die Schultern und ſprach von den Vor⸗

theilen, welche die brandenburgiſche Heirat mit ſich bringen würde; aber Wolfgang Wilhelm hatte dafür keine Ohren.

Mit Heinrich von Frankreich fürchte ich anier nicht, auch nicht dieſen Branden⸗ Bacchusknecht nur zu deut⸗

Blitz! rief er. den Kaiſer und die Spo burger, deſſen geröthetes Geſicht den B lich zeigt. Unterſe

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t den Kurfürſten nicht, bemerkte Werner;er iſt der Sproſſe eines Heldengeſchlechtes und ſein Auftreten muß Euch die Gewißheit geben, daß Ihr an ihm einen tüchtigen Bundesgenoſſen beſitzt. Habsburg wird ver⸗ gebens ſeine Hand nach den Herz zogthü mern ausſtrecken, wenn Hohenzollern ſich davorſtellt. Auch ſprach er viel, daß Deutſch⸗ land ſich am beſten von den Fremden fernhielte.

Als Werner von dem Bongart ſich entfernt der Pfalzgraf ſich auf einen Armſeſſel und ſchloß die Augen. Da träumte er ſich nach München, und das Bild der ſchönen Magdalena tauchte vor ihm auf und lächelte ihn an. Sie war das Abbild ihrer Mutter Renate von Lothringen, deren holder Liebreiz von aller Welt bewundert war.

Magdalena! hauchten ſeine Lippen.Du ſüße Roſe! Wer doch ſo glücklich ſein wird, Dich als ſein Weib heim zuführen. O, Niemand! rief er dann löele laut;denn Du liebſt mich und wirſt Deine Hand nicht ohne Dein Herz verſchenken. Eher ſuchſt Du die Freiſtatt des Kloſters auf.

Das waren die Gedanken, welche der Bräutigam Anna Sophia's hegte. In der Nacht träumte er von der bairiſchen Prinzeſſin. Als er erwachte, fragte er ſich, werhal lb er nicht um Magdalena gefreit habe.Freilich hätte ich das Evangelium verleugnen müſſen. Bah, ich bin kein fanatiſcher Lutheraner. Würde es nicht ein Todesſtoß für meinen Vater geweſen ſein, ſo wäre ich ſicher katholiſch und durch Magdalena's Liebe glücklich geworden.

Am folgenden Tage Sigismund ſeine

fand eine Jagd ſtatt, bei der Johann Geſchicklichkeit als Schütze zu Tage legte.

Dieſer folgte ein Bankett in dem kurfürſtlichen Schloſſe. Wolf⸗ gang Wilhelm ſaß neben ſeiner beſtimmten Braut; aber Anna

Sophia war ſehr einſilbig, und der Pfalzgraf wandte auch das Wort nur an ſie, wenn er nicht umhin konnte. dieſem Bankett fehlte Thomas von Kneſebeck, de haben wollte.

Auch bei den weiteren Feſttagen, welche eine Woche faſt ausfüllten und die den Gaſt ehren ſollten, war der Miniſter nicht zugegen. Wolfgang Wilhelm bemerkte dies und ſprach deshalb mit Bongart.Ich ſcheine hier mit wenig günſtigen Augen betrachtet zu werden, aber Werner redete zum Guten.

Man ermattet durchaus nicht in Kriegsrüſtungen, er⸗ widerte er,und Herr von Kneſebeck zeigt ſich beſonders eifrig, die Union der proteſtantiſchen Fürſten, welche auch von Hein⸗ rich IV. lebhaft begünſtigt wird, mit unſerer Sache in Zuſammenhang zu bringen. Kaiſerliche Majeſtät wird ſich trotz Spanien und der katholiſchen Liga an unſeren Herzog⸗ thümern die Hände verbrennen.

Bei rſich erkältet

äußerte er;

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3. Kapitel. Der Bruch.

Die proteſtantiſchen deutſchen Fürſten hatten ſich zum größten Theile zu einem Bunde geeinigt, da das habsburgiſche Kaiſerhaus ſich mehr und mehr den Einflüſterungen der Jeſuiten hingegeben hatte, den Proteſtantismus zu befehden und zu vernichten. Heinrich IV. war der hauptſächlichſte Schürer zu dieſer Union geweſen, wie der franzöſiſche König ſich rüſtete, um den deutſchen Kaiſer als Habsburger zu bekämpfen. Nicht unbeachtet wurden dieſe Wolken gelaſſen, und die katholiſchen Für ſten, an deren Spitze ſich Maximilian von Baiern ſtellte, gründeten einen Gegenbund, die Liga, wie ſie ſich zur Gegen⸗ wehr rüſteten. Das Wetterleuchten zeigte ſich ſchon am poli⸗ tiſchen Himmel und verkündete das gewaltige Gewitter, welches während dreißig Jahren über Deutſchlands Fluren raſen ſollte.

Wenige Staatsmänner ſahen daſſelbe damals voraus, zu dieſen wenigen zählte Thomas von Kneſebeck. Er war es auch, der deshalb eine friedliche Auseinanderſetzung mit Pfalz⸗ Neuburg eifrig betrieb und daneben rüſtete, als gelte es einen furchtbaren Krie

Geben wir lieber ein oder zwei Städte mehr zur Mitgift, rieth er Johann Sigismund in ſtotternder Rede,wenn wir nur dadurch auf den Punkt gelangen, die Spanier raſch aus dem Felde zu ſchlagen.

Schließlich meinſt Du, rief der Kurfürſt mit gefalteter Stirn,daß ich die ganze Erbſchaft fahren laſſe, um meine Tochter unglücklich zu verheiraten.

Herr und Kurfürſt, äußerte Thomas, d as ſelbſt nicht.

Ihr g laubt Ich bitte Euch, n nicht heftig wwerden

zu wollen, wwenn wir unterh handeln und Herrn Wwolf⸗

gang Wilhelm unſere Anerbieten machen.

Johann Sigismund kannte Kneſebeck zu gut, als daß er ihn nicht gewähren ließ.Wohl, ſo werde ich, während Ihr unterhandelt, mich mit einer Kanne unterhalten.

Thomas von Kneſebeck rieth davon eifrig ab; denn er wußte, daß der Wein nicht allein von Johann Sigismund geliebt wurde, ſondern ihn auch heftig und ſtreitſüchtig machte. Der Kurfürſt befahl, die edle Bacchusgabe zu bringen, und ließ ſodann den Pfalzgrafen rufen, der in Begleitung Bongart's in das Zimmer trat.

Kommt zu mir und thut mir Beſcheid, Herr Eidam, rief Johann Sigismund.Unſere Geheimräthe werden den Ehe⸗ kontrakt ſchon ohne uns zuſammenbringen.

Keineswegs überlaſſe ich wichtige Sachen meinen Räthen, Herr Kurfürſt, lehnte Wolfgang Wilhelm ab.

Nun, ſo trinke ich allein, verſetzte Johann Sigismund

und leerte einen großen Humpen, den ihm ſein Zwerg Juſtus

Bertram mit den Worten darreichte:

Kurfürſtliche Gnaden, ich meine, daß ein Trunk guten Weines vortrefflich iſt, aber man muß ihn zu würdigen wiſſen und ihn nicht wie Waßer hinter die Krauſe gießen, ſondern Geſchmack daran finden.

Sei nicht vorwitzig, Kleiner, verſetzte der Kurfürſt in drohendem Tone.

Die Unterhandlung über die Mitgift ging nicht alſo glatt, als die Räthe geglaubt hatten. Der Pfalzgraf beanſpruchte mehr, als Brandenburg ihm zugeſtehen wollte. Kneſebeck zeigte ihm, daß Johann Sigismund ihm mehr als die Hälfte der Jülich⸗Cleveſchen Erbſchaft zugeſtand.

Wolfgang Wilhelm