Jahrgang 
1 (1879)
Seite
93
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Foncordia. 93

Bald darauf trat der Sekretär bei ihm ein.

Der Geheimrath von Salfeld ſenden mich zu Ihnen, Herr Elsner, und laſſen fragen

Herr Sekretär, die Begleitung, die Sie mitgebracht haben, unterbrach ihn Elsner,erſpart dem Geheimrath wohl das Fragen und mir das Antworten.

Die Begleitung wartet nur auf den Erfolg meiner Unter⸗ redung mit Ihnen und wird nicht eher etwas vornehmen, bis ich erklärt habe, daß es nothwendig iſt. Der Herr Geheim⸗ rath ſind ſehr in Verlegenheit Ihretwegen

Wirklich? fragte Elsner mit Hohn.

Gewiß, er möchte ſo gern, daß Sie einen Ausweg finden könnten, der das ernſtliche Vorgehen gegen Sie unnöthig macht.

Man laſſe mir nur Zeit, ſo kann ich mich erholen und dann in Terminen mit Zinſen zahlen.

Das geht leider nicht an; die Obervormundſchaft kann ſich nur auf Gewißheiten einlaſſen das Schickſal eines Kauf⸗ mannes aber iſt ungewiß.

Alſo wollen Sie verſiegeln laſſen?

Wenn Sio keine Zahlung oder ähnliche Sicherheit leiſten

können

Für den Augenblick nicht.

So muß ich, obwohl mit zerriſſenem Herzen

O, mein Herr Sekretär, Ihr Herz halte ich für unver⸗ letzbar.

Das will ich nicht verſtanden haben. Dem Unglücklichen muß man jeden Ausfall nachſehen.

Elsner ging haſtigen Schrittes im Zimmer auf und ab.

Glauben Sie mir, begann er nach einer Pauſe,daß dieſe Unterredung, dieſer Hohn in Geſtalt des Mitleidens, mich mehr ſchmerzt, als mein Fall, der Ihres Gebieters Plan und Werk iſt.

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Auch dieſe Läſterung will ich ignoriren, nunmehr aber ans Werk gehen. Haben Sie mir noch etwas zu ſagen?

Ja1

Und das wäre?

Die Geſchichte meiner Vormundſchaft iſt ein merkwürdiger Beitrag, wie weit der Undank und die Bethörung der Men⸗ ſchen gehen kann; ich werde ſie bekannt machen, und die Schnelligkeit Ihrer Juſtiz wird dann die Leſer wieder er⸗ heben, wenn das Komplott des Undankes und der Gewalt⸗ thätigkeit ſie geſchreckt und gebeugt hat.

Das kann Ihnen Niemand verwehren, entgegnete der Sekretär ſarkaſtiſch,doch ohne Zweifel werden Sie ſo vor⸗ ſichtig ſchreiben, daß man von Obrigkeitswegen es billigen kann. Auf alle Fälle haften Sie mit Ihrer Perſon für die Unſchädlichkeit Ihrer Brochüre; und ſo iſt Ihnen der Zeitver⸗ treib, bei dem Sie durch den Verkauf noch einen Gewinn machen können, ganz wohl zu gönnen.

Nun, mein Herr thun Sie Ihre Pflicht! ſprach mit feſter Stimme Elsner, indem er den Sekretär mit ernſtem Blicke maß.

Der Sekretär ſchlug vor dieſem Blicke die Augen verwirrt zu Boden und ſprach:

Weshalb ſehen Sie mich ſo durchdringend an?

Sollte Ihnen der Blick eines ehrlichen Mannes unan⸗

genehm ſein?

Aber dieſer Blick

Er ſoll Ihnen prophezeien, daß dieſer Handel meine Ver⸗ folger entlarven wird. Er iſt zu ſchwarz; er wird und muß Aufſehen machen. Die Leidenſchaft läßt meine Feinde zu raſch und zu weit vorgehen, und ſie werden ſich fürchter⸗ liche Blößen geben. Dies aber iſt ein Gewinn für die Bürger unſeres Landes und mein Fall ſoll ihnen, will's Gott, zum Segen gereichen.(Fortſetzung folgt.)

Die brandenburgiſche Ohrfeige. Hiſtoriſche Erzählung von Wilh. Grothe. (Schluß)

Der Einzug in die Reſidenz fand durch das Gertraudten⸗ Thor(in der Gegend der Niederwall⸗Straße und des Spittel⸗ marktes gelegen) ſtatt. In der Gertraudten⸗ wie in der Großen Straße(die jetzige Breite⸗) ſtanden die Bewohner von Kölln⸗ Berlin, neugierig, wie der Bräutigam der kleinen Prinzeſſin ausſchauen würde.

Wetter, iſt der Neuburger lang, hieß es in den Gruppen; ein Goliath! Und wie er ſich herausgeputzt hat! Lauter Sammet, Seide und Spitzen! Iſt das eine Pracht. Mir wäre er einfacher lieber. Wie ſtolz er ausſchaut! Der wird auch nicht das Glück unſerer Anna Sophia werden, die Kleine und der Rieſe!

Dergleichen Stimmen waren faſt allgemein zu vernehmen und ſie mehrten ſich, als man von der Anrede hörte, die dem Geheimrathe und Landeshauptmanne von Kneſebeck zutheil geworden war.

Ich habe es immer behauptet, äußerte Juſtus Bertram, daß es von wenig Witz zeigt, wenn man jeden Witz über die Zunge laufen läßt.

In dem kurfürſtlichen Schloſſe empfing die Gemahlin

Johann Sigismund's den jüngeren Vetter. Sie führte ihre kaum dreizehnjährige Tochter Anna Sophia an der Hand. Der Pfalzgraf war betroffen; die kleine, ſchmächtige Kurfürſten⸗ tochter war allerdings dazu nicht geeignet, um das Bild der Schweſter Maximilian's von Baiern zurückzudrängen. Er mußte ſich Gewalt anthun, daß er nicht ein verletzendes Wort ſagte; aber ſo jung die beſtimmte Braut auch war, hatte ſie den Blick Wolfgang Wilhelm's geſehen und zu deuten gewußt. Ihre Geſichtszüge waren noch nicht gewohnt, dem Zwange zu folgen, ſie wurden weinerlich, und die Thränen traten ihr in die Augen. Indeſſen unterdrückte ſie noch die Bewegung, welche ſie ergriffen hatte, und erſt als ſie ſich mit ihrer Mutter allein ſah, warf ſie ſich ſchluchzend in die Arme derſelben.

Was iſt Dir, Kind? fragte die Fürſtin.

O, ich werde ſehr unglücklich werden, klagte Anna Sophia.

Du irrſt, meinte die Mutter;iſt der Pfalzgraf nicht

ein hübſcher Mann? Eine herrliche Männergeſtalt!

Und ich um ſo kleiner, weinte die Prinzeſſin.

Als der Pfalzgraf ſich mit ſeinem Rathe Werner von dem Bongart allein ſah, ließ er den unwillig an:Ich wollte, Ihr