Concordia.
Verbindung, welche die Staatskunſt ſchließen wollte, hat einen ſchlagenden Schluß gefunden. Magdalena, hier iſt meine Hand— ich bin frei.“
Die Prinzeſſin ſchlug ſchüchtern die Augen auf.„Und trennt uns nicht der Glaube?“ fragte ſie faſt zaghaft.
„Nein, unſer Bruder tritt in den Schoß der katholiſchen Kirche zurück,“ entgegnete Maximilian. Da warf ſich die Schweſter an die Bruſt des Geliebten, der ſie nach wenigen Wochen vor den Altar führte, daß der Prieſter das unlösliche Band um ſie ſchlinge.-——
Der ſtotternde, aber ſcharfſichtige Staatsmann Thomas von Kneſebeck hatte böſe Folgen der Ohrfeige prophezeit. Leider follte er nur zu wahr geſprochen haben. Der Iülich⸗ Cleveſche Erbfolgekrieg entbrannte, Deutſche fochten gegen Deutſche, Holländer und Spanier auf deutſchem Boden, das Vorſpiel zu dem entſetzlichen dreißigjährigen Kriege.
Nachdem Brandenburg und Pfalz⸗Neuburg nebſt ihren Ver⸗ bündeten vier Jahre miteinander geſtritten hatten, ſahen ſie ein, daß das Land ungemein gelitten habe und daß ein güt⸗ licher Vertrag beſſer als die wilde Kriegsfurie ſei. Dem⸗ gemäß kam der Friede zu Xanten zu Stande, der dem Pfalz⸗ grafen Jülich und Berg, Johann Sigismund aber Cleve, Mark und Ravensberg zuſprach. Trotzdem konnten die beiden Fürſten ſich ihrer Erbſchaft noch lange nicht erfreuen, denn Spanier und Holländer wichen noch Jahrzehnte nicht aus den Gebietstheilen, die ſie beſetzt hatten.
In demſelben Jahre, als der Friede von Xanten ab⸗ geſchloſſen wurde, fand Anna Sophias Hochzeit mit dem Herzoge von Braunſchweig⸗Wolfenbüttel ſtatt.
Als der ſie zum Altare führte, flüſterte er ihr zu:„Eigent⸗ lich verdanke ich Euch der brandenburgiſchen Ohrfeige; ſonſt wäret Ihr jetzt Herzogin von Jülich und Berg.“
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Plaudereien.
BPolitiſcher Wahnſinn.
Eine hübſche junge Nihiliſtin, Namens Idalia Poltheim, hatte ſich vor Kurzem vor dem Strafgerichte zu Kiew wegen verſchiedener ihr zur Laſt gelegter Verbrechen zu verantworten. Der Prokurator erhob gegen die Genannte die Anklage, daß ihr das Komitee der nihiliſtiſchen Verſchwörung befohlen habe, die Geliebte eines achtzig⸗ jährigen reichen Gutsbeſitzers im Kursker Gouvernement mit der ausdrücklichen Weiſung zu werden, damit ſie nach Erlangung des Vertrauens ſeitens des Letzteren dieſen vergifte und hierauf zu Gunſten der gemeinſamen Sache ſeine Kapitalien raube. Die Angeklagte hat ſich dieſer ihrer Aufgabe buchſtäblich entledigt und das Verbrechen blieb zwei Jahre hindurch unentdeckt. Später wurde derſelben Poltheim der Auftrag ertheilt, Geliebte eines ge⸗ wiſſen Lorionow zu werden, weil dieſer nur unter dieſer Bedingung der Verſchwörung beizutreten ſich bereit erklärte. Schließlich er⸗ ging an die Angeklagte der Befehl, ſich des Nachts in die Wacht⸗ ſtube des Kiewer Gefängniſſes zu begeben und dort durch ihre Reize die Wachſamkeit der Wache, welche aus zwanzig Soldaten Leſtand, einzuſchläfern, um dadurch die Flucht von drei politiſchen Berbrechern zu ermöglichen. Das Wagniß, nämlich das Zubringen der Nacht auf der Wachtſtube, bezahlte das fanatiſche Mädchen, die jetzige Angeklagte, mit zweimonatlicher ſchwerer Krank⸗ heit; aber auch diesmal hat ſie den ihr zutheil gewordenen Auftrag getreulich erfüllt.—„Ob dieſer Verbrechen,“ ſagt der Prokurator,„wurde ſie vom Komitee der nihiliſtiſchen Verſchwörung zur Heldin, zur ruſſiſchen Jeanne d'Arc proklamirt!“
Der Adler fliegt in einer Stunde ungefähr fünfzehn deutſche Meilen und jeder andere große Vogel kann ebenfalls in zwei Tagen zweihundertundfünfzig Meilen zurücklegen. König Heinrich der Zweite von Frankreich hielt einſt bei Fontainebleau eine Reiher⸗ leige, wobei ſich ein Falke verflog und vierundzwanzig Stunden ſpäter auf der Inſel Malta gefangen wurde. Man fand, daß er in dieſer Zeit zweihundertundſiebenzig deutſche Meilen, alſo in einer Stunde zwölf und eine halbe Meile zurückgelegt hatte.— Der ſchnellſte Fiſch kann in einem Tage nicht über eine halbe Meile weit fortſchwimmen, und dies iſt ein Grund mit, warum man die jährlichen großen Züge der Heringe vom Eismeere in die
Verantwortlicher Nedakteur: Otlo Freitag in Dresden— Weelag von Otto Greitag in Dee
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ſüdlichſten Theile des Ozeans bezweifelt. Die Schnecke legt in fünf Minuten einen Weg von anderthalb Schuh zurück, ſie würde alſo an einer deutſchen Meile etwa 53 Tage zubringen. Die Ameiſe macht dieſelbe Strecke in beinahe ebenſoviel Sekunden. Das Kamel legt in einem Tage zwölf bis fünfzehn Meilen zurück, das Elenthier über dreißig Meilen. Vom Pferde kann man mit Recht ſagen, daß es ſo geſchwind wie der Wind ſei, denn Beiſpiele ſind gar nicht ſelten, daß ein engliſches Pferd beim Wettrennen in einer Sekunde bis achtundachtzig engliſche Schuh gelaufen iſt, wo⸗ gegen der Wind eine ſehr große Stärke haben muß, wenn er in eben der Zeit dieſelbe Strecke zurücklegen will. In einem engliſchen Wettrennen, in dem das engliſche Pferd Hambletonian zum ſechs⸗ zehnten Male ſiegte, wurden von demſelben fünf engliſche Meilen in acht Minuten zurückgelegt— eine Geſchwindigkeit, welche bisher wohl noch von keinem Vierfüßler übertroffen worden iſ.—*
Einſt fuhren zwei Engländer im Dampfboot den Rhein hinauf. Sie ſchauten weder rechts noch links, weder auf die Weinberge noch auf die Ruinen, ſondern ſaßen ſchweigend und au merk⸗ ſam vor ſich hinblickend an einem Tiſch, auf dem zwei Stückchen Zucker und zwei Haufen Goldſtücke lagen. Es hatte ſich ſchon ein Kreis von Menſchen um ſie gebildet, welche nicht begreifen onnten, was die Beiden trieben. Plötzlich ſchrie der Eine:„God damnl ich habe gewonnen!“—„Um was handelt ees ſich denn?“ fr ate einer der Zuſchauer.—„Sehen Sie denn nicht?“ antwortete der Eng⸗ länder,„ich habe zwanzig Guineen gewettet, daß die erſe Fliege ſich auf mein Stück Zucker ſetzen würde, und— hol' nich der Teufel— ich habe recht gehabt!“ 4
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Als Fürſt Blücher am 15. Juni 1814 in Oxrford zum Doktor ernannt worden war, konnte er ſich des Lachens nicht erwehren; daß er es noch zum Gelehrten bringen würde, hatte er nicht ge⸗ träumt; er machte eine Bemerkung, welche ebenſowoht ſeine auf⸗ richtige Beſcheidenheit und Anſpruchsloſigkeit, wie ſeinen geſunden Mutterwitz bekundete.„Na,“ ſagte er,„wenn ich Doktor werden ſoll, ſo können ſie man gleich den Guneiſenau zum Apotheker machen, denn wir Zwei gehören einmal zuſammen; er muß die Yillen drehen, die ich den Leuten eingebe.“
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Sden.— Druck von F. W. Gleißuer in
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