ſo
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Er zog 3 bie nur leicht Widerſtrebe nde feſt an ſich, herpte und küßte ſie und erging ſich in einem Geplauder, das von Liebe zeugen ſollte und dem doch nur die niedrigſte ſinnliche Leidenſchaft zu Grunde lag.
Wären die Liebenden aufmerkſam geweſen, ſo würde ihnen nicht entgangen ſein, wie ſich ein Mann auf dem hinter der Laube gelegenen Wege vorbeiſchlich. Bei dem Klange der
timmen horchte er einige Augenblicke auf. Hätte man in
ſein Geſicht ſehen können, ſo würde man erſchrocken ſein; dunkle Röthe bedeckten die ſonſt ſo bleichen Wangen, die Zähne waren feſt aufeinandergepreßt. Er ſchien mit einem Entſchluſſe zu kämpfen; haſtig trat er einige Schritte auf die Laube zu, dann aber ſchüttelte er langſam den Kopf und ſchritt leiſe dem Hauſe zu.
Dort ſtieg er die ſchmale Treppe hinauf und trat in ein dritiges Stübchen ein, in welchem eine in der Mitte der
fünfziger Jahre ſtehende blaſſe Frau ſaß, die beim Scheine einer kleinen Lampe eifrig nähte.
Der Eintretende, ein noch junger, aber ungemein leidend ausſehender Mann, legte einige mitgebrachte Papiere auf den Tiſch und ſprach:
„Guten Abend, Mutter.“
„Guten Abend, mein Sohn!“ entgegnete die Frau mit einem Blick inniger Mutterliebe;„Du kommſt recht ſpät nach Hauſe.“
„Ich habe wiederum vergebens nach Beſchäftigung geſucht, liebe Mutter— doch ganz vergebens nicht,“ unterbrach er ſich,„ich habe da eine Abſchrift zu machen, die mir doch fünf⸗ zehn bis zwanzig Groſchen einbringen wird.“
Die Mutter ſeufzte tief auf; er aber ſuhr fort:
„Iſt noch Oel zu Hauſe?“
twas, mein Sohn; aber Du willſt doch nicht dieſe Nacht noch arbeiten, Ernſt?“ fuhr ſie fort, indem ſie aufſtand und ihre Hand auf ſeine Schulter legte.
„Es muß ſein, liebe Mutter, die Abende werden ſchon zu lang, als daß man ſie müſſig zubringen könnte, und zudem muß es ja ſein; Du weißt, daß wir noch nichts für die Miethe zurückgelegt haben, und—“
Ein Klopfen an die Thür unterbrach ſeine Rede und auf ſeinen Ruf trat Edgar Walther ein.
„Komme ich hier recht zum vormaligen Lehrer Herrn Werner?“ begann er nach freundlichem Gruße.
„Zu dienen, mein Herr, ich bin es,“ antwortete der An⸗ geredete.
„Ich habe gehört, Sie ſuchen ſchriftliche Beſchäftigung; iſt dem ſo?“
„Gewiß, mein Herr! O, wie dankbar würde ich ſein, wenn Sie mir eine ſolche verſchaffen wollten!“
„Mein Name iſt Edgar Walther; ich habe einige größere Manuſkripte abzuſchreiben und wollte Sie bitten, die Rein⸗ ſchrift zu übernehmen.“
„Ich danke Ihnen, Herr Walther, und werde mir gewiß Mühe geben, mir Ihre Zufriedenheit zu erwerben— o, wenn Sie wüßten, welche große Sorge Sie durch dieſen Auftrag von mir nehmen!“
„Laſſen Sie mich offen ſein, Herr Werner,“ fuhr Edgar fort;„ich habe von Ihrem Unglück gehört und freue mich, etwas für Sie thun zu können. Aber ſagen Sie mir, wenn Sie mich Ihres Vertrauens nicht unwerth halten, wie iſt es
kes iſt erſt halb acht Uhr,
Ihnen
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gekommen, daß Sie mit dem Geheimrath von iu Salfeld in Konflikt gerathen konnten?“
„O, mein Herr,“ entgegnete Werner ernſt,„es iſt dies ein ſehr düſterer Abſchnitt meines Lebens, indeſſen ich will es Ihnen erzählen:
„Früh meines Vaters durch den gute Mutter Alles auf, daß ich die begonnene Seminarzeit beenden konnte; ach, ich weiß, ſie hat oft an dem Nöthigſten Mangel gelitten, um für mich das nöthige Geld aufzubringen. Endlich hatte ich mein Examen hinter mir und trat eine Stellung als Hilfslehrer in W. an. Meinen Gehalt, der jähr⸗ lich zweihundertundfünfzig Thaler betrug, theilte ich redlich mit meiner guten Mutter und ſchaffte mir dadurch einen kleinen Nebenverdienſt, daß ich dann und wann kleinere Artikel für Zeitungen ſchrieb.
„Durch einen ſolchen Artikel, in welchem ich den immer mehr und mehr um ſich greifenden Mißbrauch der Dienſt⸗ gewalt höherer Beamter ad oculus bewies, fühlte ſich der Geheimrath von Salfeld getroffen und wußte es ſoweit zu bringen, daß ich meiner Stelle entſetzt wurde.— Ich wandte mich nun an den Fürſten und bat um Wiedereinſetzung in meine Stellung, wobei ich den Nachweis zu liefern verſuchte,
Tod beraubt, bot meine
daß dem queſt. Artikel nur die Wahrheit geſagt worden war. Indeſſen ich hatte dabei vergeſſen, daß der Geheimrath
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dem Fürſten über derartige Sachen ſelbſt Vortrag erſtattet, und ſo kam es, daß ich„wegen Beleidigung von Beamten“ verhaftet wurde. Mein neh eil lautete auf Landesverweiſung.— Indeſſen man mag wohl eingeſehen haben, daß mir Unrecht
geſchehen ſei, und ſo wurde ich— wie man mir ſagte, durch einflußreiche Fürſprache— begnadigt.— So iſt's, mein
Herr,“ ſchloß er,„und Sie werden mir wohl glauben, daß ich jede mir gebotene Arbeit mit innigem Danke annehme.“
Edgar reichte Werner die Hand.
„Verlieren Sie den Muth nicht, Herr Werner! Zunächſt haben Sie auf Jahre hinaus gutlohnende Beſchäftigung für mich. Hier, nehmen einſtweilen zur Beſtreitung der nöthigſten Bedürfniſſe dieſe Kleinigkeit.“
ichte Werner mit dieſen Morten einen Fünfzigthaler⸗ Schein und fuhr dann fort:„Den zehnfachen Betrag können Sie ſich verdienen, wenn Sie mir Ihre thätige Mithilfe ver⸗ ſprechen, einen durch den Geheimrath von Salfeld namenlos unglücklich gemachten, ſeines Vermögens und ſeiner Freiheit beraubten Greis zu retten und ihn—“
„Mein Gott!“ unterbrach ihn Werner, nicht etwa von dem alten Blumau?“
„Gewiß!“ rief Edgar haſtig;„kennen Sie ihn?“
„Ihn betraf ja der Artikel, den ich gegen den Ge damals geſchrieben.“
ſtand auf, nahm aus einem Fache ein Zeitungsblatt, und es Edgar überreichend, fuhr er fort: „Hier, leſen Siel“
Edgar überflog die ihm bezeichnete Stelle und beim L rann langſam eine Thräne über ſein Geſicht.— Als er ge⸗ endet, reichte er Werner die Hand und ſprach mit bewegter Stimme:
„Ich danke Ihnen, Her gelten, was Sie gelitten. Blumau iſt mein Onkel. aus dem Irrenhanſe entwichen,
Sie
Er po
L
„Sie reden doch
heimrath
Leſent
r Werner, und will ſuchen zu ver⸗
Wiſſen Sie, der alte unglückliche
Er iſt durch meine Mitwirkung
indeſſen die Leute, die ich 12*


