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Concordia. 89
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Er antwortete nicht ſogleich und ſchien nachzudenken, was wohl das Beſte ſei.
„Vielleicht ſoll ſie Dich„Papa“ nennen,“ fuhr Marcia fort in einem Tone voll Bitterkeit, die ich deutlich durchfühlte, mir aber gar nicht zu erklären wußte;„ich glaube, es iſt ſo Gebrauch bei Adoptivkindern.“
Auch darauf antwortete er nicht, obgleich ich mit zurück⸗ gehaltenem Athem darauf wartete; er ſchien mir ſo gut und liebevoll, und innerlich dachte ich mir, ich würde ihn gern ſo anreden. Endlich richtete er ſich auf, ſah ſie ſo durchdringend
an, daß ſie über und über roth wurde, und ſagte zu mir:
„Weißt Du, Petronel, wie wir verwandt ſind?“
„Du biſt ja mein Vetter, nicht wahr? ebenſo wie Du es der armen Mama warſt.“—
Bei der Erinnerung an dieſe ſtrömten mir die Thränen aus den Augen.
„Ja— ihr Vetter, und auch der Deinige, wenngleich ich bedeutend älter bin als Du. Nenne mich nur„Vetter Ulih“, das wird das Beſte ſein.“
„That die Mama das auch?“
„Ja, mitunter, ich weiß nicht genau. Doch nun Gute Nacht!“
Damit übergab er mich der Fürſorge des Mädchens. (Fortſetzung folgt.*
Jurchtlos und treu.
Roman. (Fortſetzung.)
Arthur verneigte ſich und ging. Er mochte wohl ein⸗ ſehen, daß ein weiteres Drängen üble Folgen nach ſich ziehen könnte.
Elsner aber ſank auf ein Fauteuil und bedeckte das Ge⸗ ſicht mit den Händen.—
Allein das alte Wort, daß ein Unglück nicht allein kommt, bewährte ſich auch hier. Kaum einige Minuten hatte Elsner ſeinen Gedanken nachgehangen, als der Kaufmann Trenkler blaß und verſtört eintrat.
Elsner blieb ſitzen, und nachdem er den Gruß des Ein⸗ getretenen erwidert, ſprach er:
„Lieber Freund, ich bin gewiß, es kränkt Sie, wenn Sie Zwang an mir bemerken, daher geradezu: Sie kommen mir jetzt nicht gelegen.“
„Leider, leider!“ ſprach er mit zitternder Stimme.„O, Alles gäbe ich darum, müßte ich nicht kommen.— Hören Sie—“
„Ich kann nicht, lieber Freund— mein Herz iſt voll
zum Zerſpringen— ich kann Sie jetzt nicht hören.“
„O, mein Gott, mein Gott!“ rief Trenkler aus;„hören Sie mich Unglücklichen doch an, ich muß ja reden.“
Elsner ſchaute auf und ſprach ernſt:
„Wenn Ihr Unglück größer iſt, als das meinige, ſo will ich Sie hören.“
„Freund,“ begann Trenkler mit halberſtickter Stimme, „Sie kennen mich als einen reichen Mann?“
„Ja.“
„Ich bin es nicht mehr, ich bin zu Grunde gerichtet.“
„Was ſagen Sie?“
„Durch einen Londoner Bankerott bin ich zum Bettler
geworden.“
Elsner war aufgeſtanden; er erfaßte des Freundes Hand und ſprach voll Theilnahme:.
„Kann ich abwenden, unterſtützen, aufhelfen, lieber Trenkler?“
„Ach Gott! Sie vergeſſen—“
„Was?“
„Das große Kapital Ihres Mündels Arthur ſteht ja bei mir und Sie Unglücklicher haben ſich für mich verbürgt!“
„O, mein Gott!“ rief Elsner erſchüttert.„Meine Familie, mein Kind!“
„Und ich habe Sie zu Grunde gerichtet!“ rief Trenkler aus, während eine Thräne über ſeine Wangen rollte.
„Beſchimpft und zum Bettler!— Gott, Du beugſt mich tief. Als ein bemittelter Mann ſtand ich heute auf und als Bettler lege ich mich nieder!“
Trenkler brach in lautes Schluchzen aus; erſt nach einer langen Pauſe ſprach er:
„Ihr Schickſal iſt hart und doch, Gott weiß es, das meine iſt noch härter. Was ich habe, ſo wie ich hier vor Ihnen ſtehe— das iſt mein Alles. Bei mir iſt Alles verſiegelt.“
„Auch mir wird nichts mehr bleiben.— Doch wie Gott will!“ „Soweit ſind wir gleich— aber Sie haben keine Familie
unglücklich gemacht!— Sie heißen ein Unglücklicher— ich ein Betrüger. Darum hören Sie— die Rettung eines ehr⸗ lichen Mannes entſchuldigt Alles. Ihr Mündel iſt reich— wir wollen die Bürgſchaft verleugnen.“
Elsner richtete ſich ſtolz auf und ſprach feſt:
„Nimmermehr!“
„O, mein Gott, thun Sie es,“ drängte Trenkler;„der Geheimrath von Salfeld iſt gegen Sie, er iſt Ihr unerbitt⸗ licher Feind, ſonſt wäre auch bei mir nicht ſo haſtig verſiegelt worden, daß weiß ich aus ſicherer Hand; darum eilen Sie!“
„Ich will und kann nicht. Ich weiß, ich bin ſtraffällig, daß ich meines Mündels Geld ohne Wiſſen der Obervormund⸗ ſchaft ausgeliehen habe; doch wie Gott will! Ich weiß, man wird mir Alles nehmen— wenn es nur zureicht— doch ich kann arbeiten, und kann ich es nicht mehr, dann befehle ich Weib und Kind in Gottes Hand. Jetzt gehen Sie, lieber Trenkler, damit ich mich vorbereiten kann, denn ich fürchte, der Geheimrath wird auch bei mir nicht lange auf ſich warten laſſen.“
Trenkler warf ſich Elsner an den Hals und ſprach:
„Freund, wenn Deine Augen einſt brechen, dann ſtärke Dich dieſe That! Du haſt viel Kranke erquickt, viele Thränen getrocknet— am großen Tage der Vergeltung wird auch der Troſt, den Du mir heute gegeben, Dir eine Stätte bereiten.“
Er riß ſich los und eilte hinaus.—
Kaum hatte Trenkler ſich entfernt, ſo trat Friedrich, Elsner's Diener, mit einem Schreiben ein und ſprach:
„Ein Gerichtsdiener brachte dies, Herr Elsner.“
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