Concordia. 79
War es die neue Freude in ihrer Seele, welche ſie ver⸗ ſchönerte und über ſich ſelbſt erhob? James fand ſie ent⸗ ſchieden liebenswürdig, als er mit ihr hinter einer Couliſſe ſtand und plauderte. Miß Villeroy, die von ihren Freunden als eine Schönheit geſchätzt wurde, ſchien gegen dieſe uneinge⸗ weihte Jugend ein gemaltes Grab; denn ſte hatte, um nicht mit der gepuderten Perrücke zu ſtark zu kontraſtiren, ſtark Weiß aufgelegt, ihre Augenbrauen und Augenlider mit Tuſche ge⸗ ſchwärzt, ihre Lippen roth gefärbt und ihre Wangen geſchminkt; durch all' das hatte ſie jene Art von Schönheit gewonnen, die in der Ferne bezaubert, aber nahe geſehen, geeignet iſt, abzuſtoßen. Miß Villeroy hatte aber, wie immer, das Haus für ſich. Sie hatte auch das Auditorium als„Lady Teaple“ für ſich, und als eine tugendhafte Matrone kümmerte ſie ſich nicht darum, James Penwyn's Bewunderung zu gewinnen. In der That war ſie ſehr froh, zu ſehen, daß der thörichte junge Mann von der armen Judy ſo eingenommen war, denn dieſe war die ſchlechteſte Schauſpielerin, auf welche je das Lampenlicht gefallen.
Mr. Elgood war in beſter Laune, und da er ſich auch bei Kaſſe wußte— ſein Antheil an der Einnahme des Abends
konnte nicht unter fünfzehn Schillinge betragen— wurde er zu einem Akt der Gaſtfreundſchaft bewogen. „Ich will Ihnen ſagen, was ich thun werde, Mr.
„NT Pen⸗ wyn,“ ſagte er,„das Bewirthen ſoll nicht allein auf Vhinr Seite ſein, obgleich Sie ein reicher junger Elegant ſind und wir arme Bettler von Schauſpielern. Kommen Sie nach der Vorſtellung mit zu uns, da will ich Ihnen einen Hummer vorſetzen. Judy weiß, wie ein Salat zu machen iſt, und wenn Sie Bitterbier trinken, ſollen Sie genug davon haben, um darin zu ſchwimmen.“
Mr. Penwyn drückte ſeine Fähigkeit aus, Bitterbier zu trinken, das er dem Champagner bei weitem vorzog. Aber was würde er nicht getrunken haben für das Vergnügen, in Juſtina's Geſellſchaft zu ſein!
„Es iſt ein armſeliger Ort, um Sie dahin einzuladen,“ ſagte Mr. Elgood.„Dempſon und ich theilen uns in das Sitzzimmer, und wir halten es dabei nicht ſo nett, als wir gern möchten, wie die Frauen ſagen, aber ich will dafür Sorge tragen, daß der Hummer gut iſt, denn ich werde ihn ſelbſt ausſuchen. Glücklicherweiſe ſpiele ich nicht in der letzten
Pièce.“(Fortſetzung folgt)
Aus der Börſenwelt.
Erzählung von Karl Schmeling. (Fortſetzung.)
Dieſe Anſicht theilte Wellmann jedoch nicht. Jenes Geld und die damit vorzunehmenden Operationen ließen böſe Ahn⸗ ungen in ihm aufſteigen. Dieſe in Verbindung mit dem Inhalt des Billets, welches Römer ihm vorhin zu leſen gegeben, übten eine niederſchlagende Wirkung auf ihn aus. Denn das Billet des Kommerzienraths Falk enthielt außer einem etwas unrein⸗ lichen Geſchäftsvorſchlage die Mittheilung, daß derſelbe am folgenden Tage erſcheinen werde, um in aller Form Klara's Hand von deren Eltern zu erbitten.
Wellmann ahnte längſt, daß er in dem ſchon alternden, aber reichen Kommerzienrath Falk einen Mitbewerber um Klara's Hand finden werde; er hatte deshalb ſogar bereits ein mög⸗ liches Zuvorkommen deſſelben in Betracht gezogen. Er war indeſſen überzeugt, daß er ein ſolches nicht zu fürchten brauchte, wofür er ja auch heute den beſten Beweis durch Römer ſelbſt erhalten hatte. Aber Fall's angekündigte Abſicht wies ihn auf eine Seite ſeines Verhältniſſes zu Klara hin, welche er bisher noch nicht in’s Auge gefaßt hatte.
So gut wie Falk konnte auch ein Anderer um die jetzt zur herrlichen Jungfrau erblühte junge Dame werben, und wie leicht mußte es einem reichen, blendenden Kavalier werden, über ihn, den einfachen, armen Komptoirbeamten, den Sieg davonzutragen, wenn er nur irgend verſtand, ſich bei Eltern und Tochter in ein günſtiges Licht zu ſetzen.
Auch bei der Tochter?— Wellmann erbebte, als er ſich dieſe Frage vorlegte. Aber weshalb nicht auch bei dieſer, wenn ihr der Vater ſeine Lage offenbarte und von ihrer Kindesliebe ein Opfer verlangte— während er, der mehr⸗ jährige ſtille Liebhaber, ſeine Erklärung zurückhielt?
Wellmann gönnte Klara das größte Glück auf Erden und betrachtete Reichthum als zu demſelben gehörig. Aber er verſtand es am Ende, Reichthümer zu erwerben, und glaubte
nebenbei, daß nur er im Stande ſei, Klara wirklich glücklich zu machen.
An Entſchloſſenheit fehlte es Wellmann nicht, wie wir wiſſen, und als er heute gegen ſieben Uhr, zwei Stunden ſpäter als alle übrigen Komptoiriſten, ſeine Arbeit beendend, die Feder fortwarf, war er mit ſich einig, zu thun, was er bisher unterlaſſen, das will ſagen, ſich zunächſt mit Klara zu ver⸗ ſtändigen.
Wellmann wußte, daß ſich die Damen um dieſe Zeit im Gewächshauſe zum Thee zuſammenzufinden pflegten; er war dort, unter exotiſchen Pflanzen, ein häufiger Gaſt derſelben; heute durfte er annehmen, nur die Tante und Klara daſelbſt anzutreffen, weil Frau Römer und Fräulein Hartmann von den Vorbereitungen zu dem morgen ſtattfindenden Empfangs⸗ abend in Anſpruch genommen wurden. Er ſchritt daher über den Hof dem Gewächshauſe zu, deſſen Fenſter erleuchtet waren. Am Himmel ſtand der volle Mond und ergoß ſeine Silberlicht über die von ihm getroffenen Gegenſtände, deren ſcharfbegrenzte Schatten er zugleich zeichnete.
Als Wellmann das Gewächshaus betrat, fand er, wie vermuthet, nur Tante Amalie und Klara anweſend. Die Letztere erhob ſich ſchnell, ihn zu begrüßen.
„Vortrefflich, mein Herr!“ fuhr ſie dann fort;„wir ſind Ihnen zu großem Danke verpflichtet, daß Sie ſich der armen Einſamen erinnern. Ich bitte, nehmen Sie Platz und eine Taſſe Thee. Man hat das Gewächshaus geplündert; aber ich denke, wir machen einen Spaziergang im Garten. Tantchen, für Dich wird es zu kalt ſein!“
Die Schlaue, ſie ebnete dem Verehrer förmlich den Weg, als kenne ſie ſeinen Entſchluß und ſeine Abſichten. Wellmann mußte unwillkürlich lächeln, ſagte aber natürlich zu. Die Tante


