Jahrgang 
1 (1879)
Seite
76
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75 Concordia.

Die Zigeunerin, welche den Sandwiches⸗Konſumenten vor ihrem Wagen vergebens ihre Huldigung dargebracht, kam raſch auf James Penwyn's Ruf.

Laßt mich Eure Geſundheit trinken, hübſcher Gentleman, bat ſie,und die Geſundheit der jungen Lady, die Euch am meiſten liebt, einer ſchönen, jungen Lady, die es wohl werth iſt, von Euch geliebt zu werden. Ihr habt Vielen den Hof gemacht, junger Gentleman, in Eurer Zeit, die alte Zigeu⸗ nerin weiß es, denn Ihr habt ein ſchelmiſches Auge und ein liebebedürftiges Herz, aber auch der Wankelmüthigſte muß endlich wo feſthalten, und Ihr braucht auch nicht mehr umher⸗ zuſchwärmen, denn Ihr ſeid bei Einer, die gegen Euch auch beſtändig ſein wird. Dank' Euch, Sir, und Geſundheit und Glück Euch und der jungen Lady, ein kurzes Freien und ein langes Zuſammenleben, und gebt der armen Zigeunerin ein bischen Etwas zu eſſen, wie eine liebe, junge Lady, ſchloß ſie, ſich an die erröthende Juſtina wendend,ſonſt würde der Wein zu Eſſig in meinem Innern.

Der Picknick⸗Korb wurde geöffnet, um dieſer Anforderung zu entſprechen, und die Sibylle wurde mit einem ſchönen Keil Kalbfleiſch⸗Paſtete befriedigt. Nachdem ſie dieſen zum Theil gegeſſen, zum Theil eingepackt, machte ſie noch die gewöhn⸗ liche Bitte um ein Silberſtück, das auf die Handfläche der jungen Lady gelegt werden müſſe, damit ſie nach Vollbringung des Zaubers dieſer Dinge ſagen könne, die ihr ſehr wohl gefallen würden. James ſtimmte bei und Juſtina reichte höchſt ungern ihre Hand der braunen Klaue der Zigeunerin entgegen.

Die Sibylle ſagte die gewöhnliche Geſchichte her glück⸗ liches Freien, gedeihliches, fruchtbares, eheliches Leben, alles Dinge, die ebenſo angenehm waren für die blauäugige Lady, wie für den blauäugigen Gentleman.

Aber hütet Euch vor einem finſteren Manne, ſagte die Hexe, die es für nothwendig hielt, etwas Schatten in ihr Glücksgemälde einzuführen,hütet Euch vor einem Manne mit einem dunkelfarbigen Geſichte. Seid auf der Hut vor dieſem dunklen Manne, meine ſüße junge Lady und mein gütiger hübſcher Gentleman, denn er hat ein eiferſüchtiges Herz gegen Euch Beide und wünſcht, Euch Leid anzuthun, ſobald es in ſeiner Macht liegt.

Es iſt gut, ſagte James,wir haben genug für unſer Geld, ich dank' Euch, Frau; Ihr könnt nun zu dem nächſten Wagen gehen!

Seid nicht beleidigt von der alten Zigeunerin, Euer Ehren. Sie ſpricht die klare Wahrheit und ſieht tiefer in die Dinge, als viele Leute von ihr glauben möchten.

Und nach dieſem eifrigen Lebewohl verfolgte die Prophetin ihren Weg weiter. Andere Prophezeiende folgten ihrer Spur, alle um Nahrung und Wein bettelnd, und James ver⸗ ſchwendete mehr Champagner in dieſer Richtung, als Mr. El⸗ good für gut fand; aber auch ſeine gute Natur wurde endlich erſchöpft und er wurde dieſer kupferfarbigen Bettlerinnen müde, von denen manche Säuglinge auf den Armen trugen und nur um einen Tropfen Champagner und eine Hummer⸗Scheere bettelten.

Die Rennen gingen vorwärts. Rennen.

Nun denn, Juſtina, wir müſſen auch etwas wagen,

Zunächſt folgte das große

ſagte James.Sie ſind doch nicht bös, wenn ich Sie Juſtina nenne? Nicht wahr?

Es macht nichts, erwiderte das Mädchen einfach,wenn es der Vater nicht beachtet.

Nun, Sie ſehen, ich kann ihn jetzt nicht fragen, aber ich werde es gelegentlich thun. Wir können jetzt die Frage auf ſich beruhen laſſen und ich nenne Sie einſtweilen Juſtina; nicht wahr, Juſtina?

Wenn es Ihnen ſo gefällt, antwortete ſie beinahe flüſternd. Sie ſtanden ſo nahe bei einander, daß für ſie keine Nothwendigkeit vorlag, laut zu ſprechen, auch inmitten des Lärmes der Rennbahn.

Sehen Sie her, jetzt, Juſtina. Ich will um ein Dutzend Handſchuhe oder ihren Preis in Geld wetten, daß Free and Easy nicht gewinnt. Damit gebe ich Ihnen einen großen Vortheil, denn man wettet Drei gegen Eins auf dieſeFa⸗ vorite.

Ich denke nicht, daß ich wetten kann, ſagte Juſtina verwirrt.Wenn ich verlieren würde, könnte ich Sie nicht bezahlen.

Ladies zahlen niemals Schulden. Kommen Sie, wenn Iphianaſſa gewinnt, ſollen Sie ein Dutzend Paare der hübſcheſten Handſchuhe haben, die ich kaufen kann, ſtrohfarbig, roſa, perlgrau was iſt Ihre Lieblingsfarbe?

Ich habe jede Art von Handſchuhen gern, antwortete das Mädchen, das ſich an die elenden zwei Paare erinnerte, die ſie ſo oft hatte waſchen laſſen, daß die Innenſeite ganz voll Nummern war, wie eine Multiplikations⸗Tafel.

Nun kam derStart; Athemloſigkeit, Aufmerkſamkeit faſt bis zum Schmerz geſpannt, ein heiſeres Geſchrei drüben und rings um denRing, ein dicker Mann, der einen wei⸗ ßen Hut mit einem ſchwarzen Bande trug, bot wie raſend Wetten an, Zehn gegen Eins, gegen Alles, Eines aus⸗ genommen; dann ein Aufſchrei wie nach einem großen Siege, denn Free and Easy war plötzlich in die Vorderfronte ge⸗ ſchoſſen, nachdem er durch die erſte halbe Meile ſich nur unter den Mittleren gehalten. Und nun kam der Renner da⸗ her, mit einem großen Geleit, und Die, welche auf ihn gewettet, zitterten und kalter Schweiß trat auf die Stirn allzu eifrig Wettender, denn ein anderes Pferd, ein beinahe unbekanntes Thier, dringt vor zuIphianaſſa, galoppirt Schulter an Schulter mit dem Oaks winner, paſſirt ihn und gewinnt eine Halslänge, während ein unterdrücktes Stöhnen vieler Verlierender ſich mit den Hurrahs des Publikums außen miſcht, das niemals mehr einſetzt als einen halben Sovereign und bereit iſt, jedes Pferd mit Jauchzen zu begrüßen. Nur unter den Fachmännern iſt große Freude, denn ſie haben gegen dieFavorite gewettet.

Sie haben Ihre Handſchuhe verloren, Juſtina. Es macht nichts, Sie werden bei dem nächſten Rennen beſſeres Glück haben. Es iſt einSelling⸗Stake, wir können dann gehen und die Auktion anſehen das giebt viel Spaß. Sehen wir nach dem Korbe. Machen Sie ſich nützlich, Elgood. Mrs. Dempſon, Sie müſſen hungern!

Mrs. Dempſon, ſo gedrängt, ließ zu, daß ſie ſich etwas ſchwach fühle. Eine Lady von dem Kaliber der Mrs. Dempſon bekennt niemals, daß ſie hungrig iſt; bei ihr bringt der Mangel an Nahrung nur eine zierliche Schwäche hervor.