Jahrgang 
1 (1879)
Seite
71
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dem den

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hatte Johann Wilhelm Töchter hinterlaſſen, von denen die älteſte, Maria Eleonore, nach Preußen verheiratet war. Ihre Tochter war aber Anna, die Gemahlin Johann Sigismund's von Brandenburg. Die zweite Tochter Johann Wilhelm's war die Mutter des Pfalzgrafen Wolfgang Wilhelm von Neu⸗ burg. Durch die Einziehung der Herzogthümer von dem habsburgiſchen Kaiſer wurden alſo die Rechte der beiden Erben gekränkt, weshalb dieſe von dem eigenen Erbſchafts⸗ ſtreite ließen und gegen Rudolph II. ſich vereinigten.

Als Bongart dem Pfalzgrafen berichtete, wie es ihm in Paris ergangen und welchen Beſcheid er von Heinrich IV. bringe, meinte Wolfgang Wilhelm, während er ſeine über ſechs Fuß hohe Geſtalt aufrichtete:Ja, ja, wir bedürfen guten Beiſtand. Kaiſerliche Majeſtät ſcheint mit uns Ernſt machen zu wollen. Ihr habt von dem Anſchlag der Seque⸗ ſtrationsurkunde gehört.

und wie habt Ihr den kaiſerlichen Geſandten behandeln laſſen? fragte Werner, auf deſſen Stirn ſorgenſchwere Wol⸗ ken zu lagern ſchienen.

Ich ließ den Anſchlag abreißen, und der Rath von Düſſel⸗ dorf erſuchte den ſchwäbiſchen Herrn, das Gebiet der treuen Stadt zu verlaſſen, antwortete der Pfalzgraf.

Werner von dem Bongart vermochte einen Seufzer nicht zu unterdrücken.Das wird kaiſerliche Majeſtät zu Gunſten Kurbrandenburgs ſtimmen, wenn Rudolph ſieht, daß er mit der Sequeſtration kein Glück hat.

Wolfgang lächelte.Von Brandenburgs Seite iſt dem Geſandten noch übler gedient worden, als von uns. Mark⸗ graf Ernſt, der Stellvertreter Johann Sigismund's, ließ ſei⸗ nem ſchwäbiſchen Vetter die Thore Cleve's vor der Naſe zu⸗ ſchließen. Der Graf forderte Einlaß, da erſchien Ernſt auf der Mauer und rief Jenem zu:Solange ein brandenburgiſcher Margkraf in Cleve beſiehlt, ſoll kein kaiſerlicher Sequeſtrator da den Mund aufthun. Um nun Euch nicht Unannehmlich⸗ keiten zuzufügen, habe ich aus verwandtſchaftlicher Liebe das Thor ſchließen laſſen ich hoffe, Ihr ſeid mir deshalb dank⸗ bar, daß ich Euch vor den Bütteln bewahrt habe.

Werner von dem Bongart meinte zu träumen; denn ſol⸗ cher kühnen Sprache hahe ſich noch Niemand gegen einen habsburgiſchen Geſandten erkühnt.Soll ich Euch rathen,

Herr Pfalzgraf, fuhr er fort,ſo verbündet Ihr Euch mit

Johann Sigismund, ſodaß zwiſchen Euch beiden Herren kein Erbſchaftsſtreit möglich iſt.

Wolfgang Wilhelm richtete ſeine blauen Augen feſt auf den Rath.Was habt Ihr im Hinterhalte liegen, Freund Werner?

Den Vorſchlag einer Ehe, gnädiger Herr. Kurfürſt Jo⸗ hann Sigismund von Brandenburg beſitzt eine Tochter Anna Sophia

Wolfgang Wilhelm unterbrach ihn:Ein kaum vierzehn⸗

lähriges Mädchen, das mir bis zur Herzgrube nicht geht.

Allerdings wird die bairiſche Prinzeß Magdalena größer und älter ſein, erwiderte Bongart. Der Pfalzgraf wurde purpurroth, dann ſprang er auf den Rath zu und faßte ihn feſt an Wams und Schulter, während er rief:Was weißt Du von Maximilian's Schweſter? 1

Nichts, was ihr zur Unehre gereicht; aber das Volk er⸗ zählt ſich, daß die ſchöne Prinzeß von ihrem Bruder aus⸗

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erſehen ſei, meinen gnädigen Herrn in die Arme der katho⸗ liſchen Kirche zu führen.

Wolfgang Wilhelm erbleichte, ließ das Wams Werner' los und wandte ſich raſch um.Thorheit! verſetzte er,das Volk weiß nicht, was es ſpricht. Maximilian iſt mein Freund und ſeine Schweſter gilt mir als ſolche werth. Bongart, ich werde es Euch beweiſen; Ihr ſelber ſollt mein Freiwerber in Berlin ſein.

2. Kapitel. Der Bräutigam.

Schon der folgende Tag zeigte, daß der Pfalzgraf raſch zu handeln wußte. Herr von Neſſelrode, der Rauſchenberger genannt, war mit Reiſigen in Jülich eingebrochen und hatte ſich der Burg und Stadt bemächtigt, indem er erklärte, daß er die Thore nur dem kaiſerlichen Bevollmächtigten öffnen werde. Auch warf ſich Erzherzog Leopold mit ſpaniſchen Truppen aus den Niederlanden dorthin, während kaiſerliche Kommiſſarien den beiden Erben mit der Acht drohten.

Hoho! rief Wolfgang Wilhelm, als er dieſe Kunde ver⸗ nahm.Wenn mein Vetter Ernſt, der in Celve ſitzt, wie ich denkt, dann wird Kaiſer Rudolph die Spanier wohl aus dem Lande führen. Ihr aber, Werner, zu Roß. Es lebe die Verbindung mit Brandenburg! Bei den Worten ſchlug er an ſein Schwert.

Der Statthalter des Kurfürſten von Brandenburg, der Markgraf Ernſt, kam dem Pfalzgrafen auf mehr als halbem Wege entgegen, ſodaß die Beiden den Dortmunder Vertrag abſchloſſen, nach dem die Regierung der Herzogthümer gemein⸗ ſchaftlich von Pfalz⸗Neuburg und Kurbrandenburg geführt werden ſolle und man ſich gemeinſchaftlich gegen die Spanier wehren wolle. Auch mit Prinz Moritz von Oranien, dem General der Niederländer, wurde ein Bündniß abgeſchloſſen.

Werner von dem Bongart beeilte ſeine Reiſe ſo ſehr, daß

er die Nachricht von dem Gewaltſtreiche des Kaiſers und der

Spanier zuerſt nach Berlin brachte. Die Kunde erregte Jo⸗ hann Sigismund bei ſeiner natürlichen Lebhaftigkeit auf das Aeußerſte. Ein Eilbote brachte dem Markgrafen Ernſt den Befehl, ſich den Spaniern mit den Waffen zu widerſetzen, während alle Vorbereitungen getroffen wurden, den Heerbann der Kurmark zu den Waffen zu rufen. Auch wurde der Fürſt Chriſtian von Anhalt in Begleitung der Herren Sigis⸗ mund von Götze und Johann Köppen zur kaiſerlichen Reſidenz geſandt, um Rudolph II. Verrath am deutſchen Reiche vor⸗ zuwerfen, indem er Fremde, Spanier auf deutſche Erde ge⸗ führt habe.

Im Juni ging aber ein Geſandter nach Düſſeldorf, der Wolfgang Wilhelm nach Berlin einlud. Der Pfalzgraf zögerte nicht, dem Rufe zu folgen. Mit einem kleinen, aber erleſenen Gefolge traf er in der Reſidenz des Kurfürſten ein, der ihn mit fürſtlichen Ehren empfing.

Nachdem die beiden Männer ſich begrüßt hatten, äußerte Wolfgang Wilhelm, daß er ſich über die Energie, welche Jo⸗ hann Sigismund Habsburg gegenüber gezeigt, gefreut habe. Auch hier rüſtet Ihr eifrig, wie man mir vertraut hatte, ſchloß er die Rede.

Leider werde ich mich gezwungen ſehen, das Schwert für mein gutes Recht in die Hand zu nehmen, lautete die Ant⸗

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