Jahrgang 
1 (1879)
Seite
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wort.Nun, ich fürchte die Feinde nicht, beſite ich doch ge⸗ treue Diener, von denen ich Euch hier Herrn Thomas von Kneſebeck vorſtellen will.

Der genannte Miniſter Johann Sigismund's verneigte ſich vor dem Pfalzgrafen. Ein ſo außerordentlicher Geiſt dem wackeren Brandenburger innewohnte, war ſeine äußere Erſcheinung durchaus dem nicht entſprechend; denn er hinkte und ſtotterte.Pfalzgräfliche Gn naden wird f inden, ſagte er,d wir r- rüſtig auf den gemoinſamen Feind eindr ringen werden.

Nur nicht zu Fuß, werther Rath, lächelte Wolfgang Wilhelm. Kneſebeck trat beleidigt zurück.

Ein kaum drei Fuß hohes Männchen mit dickem Kopf und

Concordia.

auffälliger Kleidung, die ihn als Johann Sigismund's Spaß⸗ macher kennzeichnete, verzog ſeine unſchönen Geſichtszüge zu einer lächerlichen Fratze, während er dem Ritter Bernhard von Arnim zuflüſterte:Ich will Juſtus Bertram nicht mehr heißen, wenn der Herr Landeshauptmann nur mit halb ſo großem Eifer in die Feinde des Pfalzgrafen einreitet, als er noch vor wenigen Stunden gethan hätte.

Die Antwort Wolfgang Wilhelm's hatte nicht nur Thomas von Kneſebeck verletzt, auch der Kurfürſt zog die Stirn in Falten und bezwang nur mit Mühe den Unmuth und daß dieſer ihm nicht mißbilligende Worte eingab. Er wurde aber einſilbig.

(Schluß folgt.)

Plaudereien.

Die ſchwerſte Stunde in RNapoleon's Leben.

Unmittelbar nach der zu Fontainebleau erfolgten Thronentſetzung, in dem Augenblicke, wo Napoleon ganz allein ſtand, wo auf den Verluſt der höchſten Gewalt das bittere Gefühl folgte, ſich von Denen verlaſſen zu ſehen, welche ihm Alles verdankten, in dem Moment, heißt es allgemein, hat Napoleon geſchwankt, ob er durch einen Selbſtmord ſein Leben enden oder noch länger das Schickſal verſuchen ſolle, welches er ſo oft ſiegreich bezwungen hatte. Der Senat, welchen Napoleon an blinden Gehorſam gewöhnt hatte, willigte in ſeine Abſetzung. Erſchüttert durch die Mnthloſigkeit ſeiner alten Waffengefährten, zu Boden gedrückt durch den Abfall ſeines älteſten Freundes, betrogen in ſeinen Neigungen und Hoff⸗ nungen, ſah er die Menſchen in ihrer wahren Geſtalt.Seit einigen Tagen, erzählt ein Augenzeuge,ſchien ihn ein geheimes Vorhaben zu beſchäftigen. Sein Geiſt lebte nur in den Rückblicken auf die großen Trauerſzenen der Vorzeit und der Gegenſtand ſeiner vertraulichen Geſpräche betraf nur den freiwilligen Tod, welchen die größten Männer des Alterthums ſtets der Schmach vorgezogen. Mit Unruhe, ſprechendſten Meinungen und Beiſpiele. Plötzlich, in der Nacht vom 12. zum 13. April 1814, ward die Stille der langen Schloß⸗ vorſäle durch eine ſeltſame Unruhe geſtört. Die Diener liefen haſtig auf und ab, die Kerzen der inneren Gemächer wurden an⸗ gezündet, man klopft an die Thür des Doktors Yvan, man weckt den Großmarſchall Bertrand, ruft den Herzog von Vicenza und den Herzog von Baſſano. Alle kommen und werden zum Schlaf⸗ zimmer des Kaiſers geführt. Umſonſt lauſcht die Neugier mit geſpitzten Ohren ſie vernimmt nur Seufzen und Schluchzen plötzlich ſtürzt der Doktor Yvan heraus, läuft eiligſt in den Hof, beſteigt ein Ordonnanzpferd und fliegt im Galopp davon. Die ſchwärzeſte Finſterniß bedeckt dieſes Geheimniß mit ihrem dichteſten Schleier. Indeſſen wurde ſpäter Folgendes darüber bekannt: Zur Zeit des Rückzuges von Moskau hatte ſich Napoleon Gift ver⸗ ſchafft, um nicht lebendig in die Hände des Feindes zu gerathen. Der Wundarzt Yvan hatte ihm einen kleinen Beutel mit einer Opiummiſchung gegeben, den er zu jener Zeit an ſeinem Halſe trug und jetzt in einem geheimen Fache ſeines Pultes verborgen gehalten hatte. Der Kammerdiener Napoleons, welcher in ſeinem halboffenſtehenden Zimmer ſchlief, hatte gehört, daß der Kaiſer aufſtand, hatte geſehen, daß der Kaiſer etwas in einem Glaſe Waſſer auflöſte, es trank und ſich dann wieder in's Bett legte. Bald nachher halte der Schmerz Napoleon das Geſtändniß ſeines nahen Todes ausepreßt a und er ließ ſeine vertrauteſten Diener

aber mit kaltem Blute zergliederte er die wider⸗

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Verantwortlicher Redakteur⸗ DOito Freitag in Dresden. Veriag von Otto Freirag in Sſesden Druck von 5. W. Gleißner in Dresden.

rufen. Yvan, als er hörte, was vorgefallen, und daß Napoleon ſich über die langſame Wirkung des Giftes beklagte, verlor den Kopf und machte ſich aus dem Staube. Der Kaiſer klagte über Mattigkeit, gerieth in Schweiß und die Schmerzen hörten auf,; Napoleon hatte entweder eine zu geringe Doſis genommen, oder das Gift war durch die Länge der Zeit unwirkſam geworden. Im Erſtaunen, daß er noch lebe, rief der Kaiſer:Gott hat es nicht gewollt, und am Morgen ſtand er auf und kleidete ſich an wie gewöhnlich, der Vorfall der Nacht ſollte ein Geheimniß bleiben. Die Rückkehr Napoleon's von Elba zeigte, wie wenig Recht er hatte, zu verzagen, und der Gedanke an den mißglückten Selbſt⸗ mordverſuch im April 1814 hielt ihn wohl ab, ſich das Leben zu nehmen, als er zum zweiten Male die Krone verlor.*

Als Entdecker der Dampfkraft gilt der franzöſiſche Architekt Salomon de Caus zu Anfang des 17. Jahrhunderts. Als er ſeine Ideen der Welt mittheilen wollte, erklärte man ihn für einen Narren und ſperrte ihn in ein Irrenhaus. Dort ſchrieb er ſeine Gedanken nieder und zeigte das Manuſkript Jedem, der das Haus beſuchte. Ein Engländer, Edward Sommerhat, Marquis von Wor⸗ ceſter, ſah daſſelbe, ließ es ſich von dem vermeintlichen Narren ſchenken, benutzte daſſelbe zur Errichtung der erſten Dampfmnaſchine und wird ſeitdem für den Erfinder gehalten.

Im Jahre 1493 koſtete die Kanne Bier in Freiberg nicht mehr als einen Pfennig und ein Faß einen Thaler zwölf Groſchen. Der fürſtliche Obermarſchall und Ritter Hans von Minkwitz legte in die geheime Rathskammer einhundertundſechszig rheiniſche Gülden Haupt⸗ ſtamm unter der Bedingung nieder, daß der Rath ihm und ſeiner Frau jährlich zwei Fuder gutes Freiberger Bier, das eine zu Johannis, das andere zu Weihnachten, als einen Leibzins liefern, ihnen ſolches auch nach Großenhain oder Dresden, ſolange ſie lebten, fahren mußten.*

Als Napoleon ſeinen Einzug in Poſen hielt, ritten ihm eine Anzahl reicher Juden entgegen, um ihn zu begrüßen, und hatten, um dem Aufzuge ein beſonders feſtliches Gepränge zu geben, reiche türkiſche Trachten angelegt. Als der Kaiſer mit ſeinem Gefolge nahte, trabte der Angeſehenſte der jüdiſchen Kaufleute an ihn heran und ſagte:Ferchten Se ſich niſcht, mer ſain kaine Terken, mer ſain de Pauſeder Iidenſchaft 4*

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