Jahrgang 
1 (1879)
Seite
66
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66 Concordia.

Das weiß Gott allein e e erwiderte er feier lich,in ſeine Hand lege ich Alles!

Möge er ſie ſegnen! ſagte gerührt Frau Elsner, und deren Gatte fügte bewegt bei:Amen!

3. Kapitel. Ein Stern in ſinſterer Macht.

Der ewige Hirte mit ſeinem Silberhorn ſtand in ſchönſter Reinheit auf der unendlichen Himmelsaue und nur ſelten be⸗ deckten leichte Wölkchen ſeine unzählige Heerde; aus den Wipfeln der Bäume des weiten Parkes, welcher die Villa des Geheimrathes Salfeld einſchloß, rauſchte es wie ſüßes Liebes⸗ geflüſter.

Daſſelbe drang auch aus einer dichtbewachſenen Laube, in welcher Edgar Walther und Frida, die Tochter des Geheim⸗ rathes, Platz genommen hatten.

Frida hatte zärtlich das ſchöne Haupt auf die Schulter Edgar's gelegt und ſchaute ihn mit ihren ſanften treuen Augen an. Dieſer hielt die Geliebte zärtlich umfaßt und mit weicher Stimme ſprach er:

Laß uns den Muth nicht verlieren, theure Frida; glaube nur, auch uns wird nach den Tagen der Trübſal des Glückes Sonne wiederkehren.

O, ſuche mich nicht mit vergeblichen Hoffnungen zu täuſchen, lieber Edgar, entgegnete Frida mit bewegter Stimme, ich kenne unſere Lage in ihrem ganzen ſchrecklichen Umfange; nur bei Dir, Geliebter, fühle ich Muth, Alles zu ertragen, was mir das Schickſal aufbürdet; indeſſen wenn ich allein bin an den langen bangen Abenden, wenn ich von Deinem Bruder mit Liebesanträgen beſtürmt und von meinem Vater gezwungen werde, ſeine Schmeicheleien anzuhören, o, dann möchte mir das Herz brechen! Und ach wenn ich an meinen Vater denke, der, wie ich ja weiß

Sie ſtockte und lehnte auf's Neue ihr Haupt an Edgar's Schulter.

Sei ſtill, liebes Herz! bat Edgar, indem er die Thränen aus dem ſanften Auge küßte;vielleicht iſt Dein Vater doch nicht ſo ſchuldig als wir fürchten. Und wenn auch, was hat das mit unſerer Liebe zu thun? Du weißt, mein Vormund iſt ein vorurtheilsfreier Mann und kann die ſchuld⸗ loſe, engelreine Tochter nicht für die Sünden des Vaters ver⸗ antwortlich machen. Zudem hört die Vormundſchaft in zwei Jahren auf und daan bin ich ganz mein eigener Herr!

Frida ſeufzte..

Zweifelſt Du etwa an meiner Liebe zu Dir? fragte Edgar, indem er die Geliebte feſter an ſich zog.

O, nein! entgegnete ſie,Dir vertraue ich feſt!

In ihren feuchten Augen glänzte auf's Neue ein lichter Hoff⸗ nungsſtrahl. In ſüßer Hingebung unſchuldsvoller Liebe lag ſie in ſeinen Armen; allmälig verſank ſie in eine Träumerei; ein wehmüthiges Lächeln umſpielte ihren halbgeöffneten Mund, deſſen leiſes Beben zu ſagen ſchien:Ich bin doch noch glücklich!

Wer vermöchte uns zu trennen, theure Frida, unterbrach Edgar endlich das Schweigen;Du und meine Liebe! Wo ſollte da eine Gefahr ſein, die ich mir nicht zu überwinden getraute!

Ich danke Dir, Edgar, für Deine ſüßen Worte des Troſtes! Ach, ich bin ja ſo glücklich im Bewußtſein Deiner Liebe! Iſt doch die arme Agnes, die Tochter Deines Vor⸗ mundes, noch weit unglücklicher als ich.

Sieh', und doch iſt ſie muthig und ſtark; freilich kennt ſie den namenloſen Leichtſinn meines Bruders Arthur noch nicht! Und auch ich gebe die Hoffnung noch nicht auf, daß Arthur auf der gefährlichen Bahn, die er jetzt wandelt, nicht weitergehen wird.

Wieder verſanken Beide in trauriges Nachdenken. Und gleichſam, als wollte es die Liebenden tröſten, flötete ein ein⸗ ſames Vöglein, das ſich auf den ſchlanken Zweigen einer Birke wiegte, ſein ſüßes Liedchen.*

Faſt unwillkürlich ſahen Beide nach dem Vogel auf und feſter ſchmiegte ſich Frida an die hochwallende Bruſt des Ge⸗ liebten.

Hörſt Du die klagenden Töne? fragte ſie ernſt;ſollte dies der trübe Schlußakkord unſerer reinen Harmonie ſein?

O, nicht doch, Frida; nimm es als einen Troſtruf! Denn wer vermöchte ſie zu trennen, die ſtarken Bande unſerer Herzen?

Sanft umſchlang er die Geliebte und drückte heiße Küſſe auf ihre Purpurlippen.

Aus dieſer Umarmung wurden die Liebenden durch nahende Tritte geſtört, und bald darauf unterſchieden ſie die Simmen zweier Männer, die ſich der Laube näherten.

Heiliger Gott, mein Vater! flüſterte Frida ängſtlich.

Wer mag der Andere ſein? fragte leiſe Edgar.

Ich kenne die Stimme es iſt der Polizeikommiſſar

Röthing, der in letzter Zeit ſehr häufig mit dem Vater ver⸗ kehrt und zwar auf eine ſo geheimnißvolle Art, die mich tief beſorgt macht, umſomehr, als dieſer Röthing ein Mann von ſehr zweideutigem Rufe iſt.

Leider kenne auch ich ihn von keiner guten Seite. Vorſichtig erhoben ſich die Liebenden und ſchlichen aus der Laube. Indeſſen war wegen der Nähe der Ankommenden an⸗

eine Flucht nicht mehr zu denken, und ſo blieb ihnen nichts

übrig, als ſich in einem dicht hinter der Laube gelegenen dichten Strauchwerk zu verbergen. Zu ihrem nicht geringen Schrecken nahmen der Gehein⸗

rath und der Kommiſſar in der Laube Platz und ſo mußten

ſie wider ihren Willen Zeuge des Geſpräches werden.

Hier können wir unſer Geſpräch beenden, ſprach, ſich auf der Bank niederlaſſend, der Geheimrath. 4

Auch der Kommiſſar nahm Platz.

Alſo es gilt Vorſicht, Herr Geheimrath! begann der Kommiſſar;der alte Gronau iſt, ſicherer Beſchreibung zu⸗ folge, vor einigen Tagen in der Vorſtadt geſehen worden.

Tod und Teufel! knirſchte der Geheimrath.

Ich habe indeſſen ſtrenge Maßnahmen getroffen und hoffe, er ſoll bald wieder der Welt entrückt ſein.

Eilen Sie, Herr Kommiſſar! bieten Sie Alles auf! Au die Thore Wirthshäuſer Hoſpitäler ſetzen Sie Alles in Bewegung, was Odem und Vortheile von mir hat behende und ſchlan

Sie können ſich ganz auf mich verlaſſen, heimrath.

Es wäre entſetz! lihelenn ſo nahe am Haſen mein Sciff noch ſcheitern ſollte! 4

derr Ge⸗

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