Jahrgang 
1 (1879)
Seite
61
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löſung gegeben; ein Lächeln flog noch über ihr Antlitz, die Augen fielen zu, und ihr müdes Haupt an ſeine Bruſt legend, verſchied ſie ſanft in ſeinen Armen.

Einige Minuten hielt er ſie noch ſo umfangen, dann bettete er mit zarter Sorgfalt die lebloſe Hülle Ciſſy Fleming's wieder in die Kiſſen.

Während er hierbei beſchäftigt war, hörte man draußen ſtreitende Stimmen, und gerade wie er ſich anſchickte hinaus⸗ zugehen, um dort mitzutheilen, was paſſirt war, und um Ruhe herzuſtellen, wurde die Thür aufgedrängt und die Ge⸗ ſtalt eines dreizehnjährigen Mädchens zeigte ſich auf der Schwelle.

Laſſen Sie mich allein! ſagte dieſes in kindlich⸗herriſchem Tone,wenn Mama krank iſt, muß ich bei ihr ſein und ſie pflegen!

UMlih ſchnellte empor, erſtaunt und ſchweigend ſtarrte er das Mädchen an.

Vor wenigen Augenblicken noch hatte er die ſterblichen Reſte ſeiner Jugendliebe zur Ruhe gelegt, die nur ein ſchwacher Abglanz noch von dem liebreizenden Weſen waren, deſſen er ſich aus vergangenen Tagen erinnerte, und dabei war ihn das Gefühl überkommen, als ob damit Alles, was ihn noch an jene Tage mahnen könnte, begraben ſei und als ob nun ſelbſt die Erinnerung an jene lieblichen Züge ſeine Einſamkeit nicht mehr ſtören könnte. Da plötzlich ſtand vor ihm eine Geſtalt, wie eine Erſcheinung aus der Vergangenheit wie ein Geiſt, den ſeine hoffnungsloſe Sehnſucht nach der Verlorenen herbei⸗ gelockt, angethan mit allen den Reizen, die einſt Ciſſy Hal⸗ ſtedt ſchmückten! Furchtſam ſchaute ein Paar von Thränen verſchleierter Augen weit geöffnet unter einer weißen Stirn hervor, über der eine goldene Flechte lag; die Naſe war ſcharf geſchnitten im Widerſpruch zu den zartblickenden grauen Augen; im ſpitzen Kinn zeigte ſich ein tiefes Grübchen, hinter den gepreßten Lippen ſah man eine Perlenreihe milchweißer Zähne und um den ganzen Kopf hing eine Wolke goldbrauner Locken, die an einzelnen Stellen dunkler erglänzten.

So ſah Ulih Ford Petronel zuerſt!

Dabei war das dreizehnjährige Mädchen groß und ſchlank; und obgleich Petronel faſt drei Jahre jünger war als ihre Mutter zu der Zeit, wie Ulih dieſe zuerſt ſah, ſo ſchien ſie ihm doch ſchon ebenſo alt, wie dieſe damals. War es da zu verwundern, wenn ihr Anblick in ihm mit neuer Pein die Erinnerung an die Heimgegangene, wie dieſe noch in der Blüthe ſtand und wie ſie ihn ſo oft im Wachen und Träumen erſchienen war, wieder lebendig werden ließ?

Er wollte verſuchen, ſeine kleine Couſine auf die Nachricht von dem Tode ihrer Mutter vorzubereiten, doch ehe er die Worte dazu finden konnte, ſah ſie die bewegungsloſe Geſtalt vor ſich und flog wie ein Pfeil an ihm vorüber auf dieſe zu.

5. Kapitel. Betronel's Tagebuch.

Nie, und ſollte ich hundert Jahre alt werden, könnte ich den Tag vergeſſen, an dem ich den Vetter Ulih zuerſt ſah und den ich mit ihm in Saltpool zubrachte.

Mama und ich hatten dort ſchon ſeit längerer Zeit gelebt, ſeit wann, weiß ich mich nicht mehr zu entſinnen, jedenfalls war es ſolange, daß die Zeit vorher mir nur eine ſchwache

V

Erinnerung war; außer Herrn Burrell ſahen wir in Salt⸗ pool faſt nie Beſuch und lebten in größter Dürftigkeit und oft recht in Trübſal. Herr Burrell ging als Hausarzt bei uns aus und ein, doch ich konnte ihn nicht leiden, da er mich oft an den Haaren zog, mich einen Kobold nannte und Mama anrieth, mir täglich ein Gregory'ſches Pulver zu geben, um mein zu ſchnelles Wachſen zu verhindern. Mama hielt viel auf ihn, ich bemerkte aber ſtets, daß ſie trüb war, wenn er ſie verlaſſen; ſie brach auch wohl in Weinen aus und ſagte, ſolange ſie in dem unglücklichen Saltpool bliebe, würde ſie nie wieder geneſen. Trotzdem machten wir keine Anſtalt, den Ort zu verlaſſen, und ich erhielt keine Antwort, wenn ich danach fragte, warum wir nicht fortzögen. Herr Burrell ſagte mir ſpäter, wir wären zu arm, um es zu können; in meinem kindlichen Sinn beruhigte ich mich dabei, beklagte nur oft unſere bedürftige Lage der armen leidenden Mama wegen. Solange ich denken kann, war dieſe kränklich, und ſie ſah immer angegriffen aus, doch dabei ſo lieblich mit ihrem hübſchen blonden Haar, ſie weinte oft ſtundenlang und wurde dann ſo ſchwach, daß ſie kaum eine Silbe mehr ſpre⸗ chen konnte. Ich vermochte ſie nie zu überreden, mit mir hinaus nach den Bergen zu gehen oder mit mir am Strande zu ſitzen, ſie ruhte faſt den ganzen Tag auf dem Sopha, las ausnahmsweiſe wohl in irgend einem Buche, meiſtentheils aber war ſie ohne Beſchäftigung. Mitunter griff ſie zu alten Briefen und Papieren, doch dieſe Lektüre brachte ſie ſtets ſo in's Weinen, daß ſie krank davon wurde. Dann hatte ich immer das innigſte Mitleiden mit ihr und wünſchte ſo ſehn⸗ lich, irgend etwas thun zu können, damit ſie wieder geneſe und ſo kräftig werde wie ich; am liebſten hätte ich ſie auf meinen Armen fortgetragen hin nach einem anderen Orte, wo ſie wohler und glücklicher das Leben wieder genießen könnte und wo ſie den Doktor Burrell und die fatalen Briefe nicht mehr zu ſehen brauchte. Doch ich war ganz machtlos und rathlos und wußte gar nichts aufzufinden, womit ich ihr helfen konnte! Oft brach ich mitten im Spielen ab und lief hin zu ihr, um bei ihr zu ſein, wenn ſie auf dem Sopha oder im Bette lag, doch ſie ſchickte mich dann immer gleich wieder fort mit dem Bedeuten, ich ſei zu ungeſtüm und zu

laut beim Sprechen und könne ihr nicht helfen. Dieſes be⸗

trübte mich ſtets ſo ſehr, daß ich dann nach meinem Stübchen ſchlich und mich nach Herzens Bedürfniß ausweinte. Ich wußt es wohl, daß ich ungeſtüm und laut war Herr Burrell hatte es mir oft genug geſagt daß aber Mama darunter leiden mußte, betrübte mich innig, und ſo that ich denn Alles, was in meinen Kräften ſtand, um recht leiſe und behutſam zu ſein, wenn ich in Mama's Nähe kam, ich liebte ſie ja ſo ſehr! Wenn ſie mich mitunter zum Vorleſen herbei⸗ rief, war ich ſtolz und glücklich wie eine Königin und griff mit Eifer zum Buche; leider aber ging es mit meinem Leſen nur ſehr ſchlecht, ich hatte ja gar keinen Schulunterricht ge⸗ habt, und nachdem ich einige Zeilen herausgeſtümpert hatte, mußte ich innehalten und das Buch beiſeite legen. Mama ſagte dann wohl, daß die Kinder der ärmſten Leute beſſer daran ſeien als ich, und daß es ſchmachvoll fei, daß ihre Tochter der gewöhnlichſten Bedürfniſſe des Lebens entbehren müſſe; wenn ich nur geſehen hätte, wie ſie in ihrer Jugend im elterlichen Hauſe erzogen worden ſei, würde ich den Sinn ihrer Worte verſtehen. Doch davon wußte ich ja nichts; ſo⸗