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an den Ausbruch des Krieges glauben wollen.
Concordia. 57
Wellmann ging mit Freuden auf dieſes Anerbieten des alten Herrn ein und ſo ſtand er denn einige Tage ſpäter in der Uniform an einem Pulte im Komptoir der Bankfirma Römer und Komp., um ſein Heil zu verſuchen. Schon ſeine erſten Arbeiten verdienten ſich Anerkennung und berechtigten zu günſtigen Ausſichten für die Zukunft. Wellmann war glücklich deswegen.
Glücklich über ſeine Anweſenheit im Komptoir war auch noch eine andere Perſon oder, um die richtige Bezeichnung zu wählen, ein Perſönchen der Familie Römer, nämlich Klara, zu jener Zeit noch ſo halb und halb der Kobold des Hauſes.
Für Klärchen war der Soldat im Komptoir des Vaters ein Gegenſtand großer Heiterkeit, der zugleich ihrem witzigen Spotte ſtets neue Anregung gab. Sie nannte das Komptoir ein Soldaten⸗ oder Helden⸗Komptoir und ihren Vater den Komptoir⸗General oder General⸗Bankier.
Doch ließ ſie es nicht dabei bewenden; ſie mußte auch die nähere Bekanntſchaft des jungen Soldaten machen, und als dies geſchehen, machte ſie ihn ferner ganz ungenirt zu ihrem Bruder, weil ſie ſich ſchon lange einen ſolchen gewünſcht hatte. Wellmann fand ſich leicht in die Launen des jungen Mäd⸗ chens; lag ja doch der Umgang mit ſeinen jüngeren Ge⸗ ſchwiſtern noch gar nicht ſo weit hinter ihm.
Römer mußte wohl ſo etwas wie Geiſtesverwandtſchaft mit dem jungen Manne in ſich bergen, denn er ſchenkte ihm von vorn herein ſeine Gewogenheit und großes Vertrauen. Schon nach kurzer Zeit honorirte er deſſen Arbeiten und ſtellte ihn feſt an, ſo wie ſeine Militärdienſtzeit abgelaufen war. Wellmann kam dadurch nicht allein in eine ſorgenfreie Lage, ſondern war auch im Stande, ſeine Angehörigen von ſeinem Einkommen zu unterſtützen.
Als Klara heranwuchs und immer ernſter die Bahn des Wiſſens und Könnens zu betreten veranlaßt ward, gab ihr Wellmann Unterricht in fremden Sprachen, Geographie und Geſchichte. Er hatte die Genugthuung, daß ſein Unterricht fruchtbringender wirkte als derjenige, welchen Fräulein Hart⸗ mann ertheilte.
Nach Ablauf von einigen Jahren ſchied der alte Prokuriſt aus dem Geſchäft, um ſich zur Ruhe zu ſetzen; er ſchlug bei dieſer Gelegenheit den jungen Vetter zu ſeinem Nachfolger vor und Römer ging, ohne Einwendung irgend einer Art zu machen, auf den Vorſchlag des alten Herrn ein. Wellmann ward Prokuriſt und waltete ſeines Amtes zur völligen Zu⸗ friedenheit des Prinzipals.
Da trat das Jahr 1866 ein und in ſeinem Verlaufe zog der Krieg herauf. Wellmann, der inzwiſchen zum Reſerve⸗ Offizier avancirt war, mußte ſeiner Militärpflicht genügen und einſtweilen aus ſeiner Stellung ſcheiden. Dies Loos traf zwar viel Leute ſeines Alters und ſeines Standes; doch ſo herb wie von Römer und Wellmann ward es wohl kaum von anderen Perſonen, in ähnlichen Verhältniſſen, empfunden.
Römer hatte hatte nämlich bis zum letzten Momente nicht Alle Opera⸗ tionen des Hauſes während der letzten Zeit waren daher auf einen dauernden Frieden berechnet, und erwies ſich dieſe Annahme als richtig, ſo mußte der Gewinn aus den laufenden Unternehmungen ein großartiger werden. Leider ſollte jene Vorausſetzung täuſchen und demgemäß konnte der Ausbruch
hes Krieges gleichbedeutend nur mit eben ſo großen Verluſten
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für Römer ſein.— Und dazu nahm ihm nun der Krieg auch noch die Hauptſtütze ſeines Geſchäfts— den Mann, zu welchem allein er in der eingstretenen ſchwierigen Lage volles Vertrauen hegen durfte.
Die Familie des Bankiers, und namentlich Klara, hatten ſelbſtverſtändlich von dieſen mißlichen Verhältniſſen keine Kenntniß, und als Letztere hörte, daß Wellmann die Uniform wieder anlegen ſolle, unterdrückte die Freude, den jungen Mann— ihren brüderlichen Freund— einmal wieder in derſelben zu ſehen, jede andere Regung.
Nun, Klara ſollte ihre Freude an der Uniform des jungen Mannes haben— doch nur in dem Momente, als er kam, um ſich von Römer und deſſen Familie zu verabſchieden. Das öffnete dem Mädchen plötzlich die Augen; denn es war dem⸗ ſelben nicht entfernt eingefallen, daß Wellmann auch fortgehen könne oder müſſe, um an dem blutigen Ringen auf dem Felde der Ehre theilzunehmen.
Hatte Klara erſt die Sache zu leicht behandelt oder ihre Bedeutung nicht gleich zu faſſen vermocht, ſo ward ſie in jenem Momente um ſo viel ſchmerzlicher von derſelben ergriffen; ſie erbleichte und ihre Augen füllten ſich mit Thränen, als ſie Wellmann die Hand reichte, welche merklich in derjenigen des jungen Mannes zitterte.
Es nahm indeſſen Niemand Notiz von der ſchmerzlichen Bewegung, die ſo plötzlich über Klara gekommen. Der Vater hatte genug mit ſich zu thun; die Mutter, welche wenigſtens eine Ahnung von dem haben mochte, was den Gemahl be⸗ drückte, hatte nur Augen für dieſen. Fräulein Hartmann dachte hauptſächlich an einen Bruder, der ebenfalls in's Feld mußte; Tante Amalie war bei ſchmerzlichen Vorgängen ſtets unfähig, Beobachtungen anzuſtellen, und Wellmann endlich hatte ſeinen Kopf voll Sorgen um das Geſchäft, um ſeine An⸗ gehörigen und voller Dienſtſorgen, die ja jetzt für ihn die Hauptſache bilden ſollten. Ueberdem war auch ſeine Zeit nur knapp bemeſſen und ſo eilte er, ebenfalls mehr gerührt und bewegt, als er bemerken laſſen mochte, ſchnell davon. Klara aber, die ſich durch ſeine ſcheinbare Gleichgiltigkeit gegen ſie tief gekränkt fühlte, ſtürmte auf ihr Zimmer, um hier den verhaltenen Thränen freien Lauf zu laſſen.
Von dieſem Tage ab ward Klara anders als ſie bisher geweſen. Wohl kehrte ihre meiſtens übermüthige Munterkeit bald wieder zurück, doch war ihr Benehmen fortan weniger rückſichtslos; es war etwas von geiſtiger Reife und Einſicht über ſie gekommen, ſie überlegte jetzt meiſtens, ehe ſie handelte, während es ſonſt umgekehrt bei ihr Regel war.
Wie die meiſten Damen der Reſidenz, bethelligten ſich auch Frau Römer, deren Tochter und Schweſter an den Vereinen, welche es ſich zur Aufgabe gemacht, für die Ver⸗ wundeten zu ſorgen. Klara ſtudirte nebenbei eifrig die Zeit⸗ ungen und Verwundetenliſten; was ſie in denſelben ſuchte, iſt leicht zu errathen, weniger ob ſie fand, was ſie ſuchte.
Wellmann ſchrieb während des Krieges zweimal an ſeinen Prinzipal. Das erſte Schreiben enthielt nichts von Bedeutung; es ſprach nur über Märſche und gab Andeutungen von Möglichkeiten für die Zukunft. Das zweite Schrelben lieferte jedoch Berichte über Gefechte und Schlachten, endlich jedoch über eine Verwundung des Berichterſtatters und ſeine
Herſtellung in einem Lazareth.— 8


