Jahrgang 
1 (1879)
Seite
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Maurice Cliſſold doch noch auf ſeinen Freund. Er ging in dem Speiſezimmer der Schänke auf und ab, wo leere Flaſchen und Gläſer, Cigarrenaſche und eine oder zwei gebrochene Thon⸗ pfeifen auf der Tafel ausgeſtreut waren und dem Raume ein lüderliches Ausſehen gaben. Die Fenſter ſtanden in der bleichen kalten Dämmerung weit offen und die Luft war durchkältet.

Noch nicht zu Bett gegangen, Maurice? rief James aus, überraſcht und vielleicht etwas verwirrt durch dieſes uner⸗ wartete Zuſammentreffen.

Ich war nicht in der Laune, zu ſchlafen. Ich kann nie⸗ mals ſchlafen, wenn ich irgend etwas auf dem Gemüthe habe. Ich wartete, um eine Frage an Dich zu richten, Jim.

Etwas wie Trotz funkelte in Mr. Penwyn's Augen, wäh⸗ rend er ſich gegen die Lehne eines alten Sopha's pflanzte und ſeine letzte Cigarre anzündete.

Halte Deine Beredtſamkeit nicht zurück, ſagte er,ich würde wohl vier Uhr Morgens kaum als eine geeignete Zeit für eine Konverſation betrachtet haben, aber wenn Du ſo denkſt, ſtehe ich Dir zu Dienſten.

Ich wünſche in einfachen Worten zu wiſſen, wo Du mit all' dem hinauswillſt, James.

Womit?

Mit Deinem Benehmen gegen dieſes Mädchen.

Ich ſollte nicht denken, daß etwas ſo Einfaches eine Er⸗ klärung nöthig hätte. Ich treffe einen wandernden Schau⸗ ſpieler und ſeine Tochter. Der wandernde Schauſpieler iſt eine Art Charakter; die Tochter nun, ſie iſt vielleicht nicht hübſch, obgleich ſie liebliche Augen hat, aber ſie iſt intereſſant. Ich biete ihnen die kleine Aufmerkſamkeit eines Soupers an, und nachdem ich ſehe, daß mein Freund, der Schauſpieler, von dem konſumirten Champagner etwas angegriffen iſt, drängt mich die Menſchlichkeit, die junge Lady bis zu ihrer eigenen Thüre zu begleiten, da ſie ſonſt der Vater in einen der Grä⸗

ben führen könnte, welche den Weg einfaſſen. Ich glaube,

das iſt die Totalſumme meiner Miſſethaten.

Es klingt einfach genug, Jim, antwortete der Andere ernſt, aber nicht unfreundlich,und ich erdreiſte mich, zu ſagen, daß kein Leid daraus entſtehen wird, wenn Du die

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Dinge gerade da anhalten läßt, wo ſie ſich eben befinden. Aber ich habe Dich und das arme Kind Nachts beobachtet ſie iſt wenig mehr als ein Kind und ich ſah, daß Du Dein Aeußerſtes thateſt, vielleicht unwiſſentlich, ihr den al⸗ bernen Kopf zu verrücken. Ich ſah Euch nachher zuſammen im Mondlicht.

Wenn das etwas Sentimentales war, mußt Du den Mond tadeln, nicht mich, ſagte James leichthin.

Und nun ſprichſt Du davon, auch morgen mit dieſen Leu⸗ ten umzugehen und ſie zu dem Rennen mitzunehmen!

Und ich meine es auch zu thun. Es iſt eine Friſche an ihnen, die mich amüſirt. Ich bin der Natur und der Grie⸗ chen etwas müde geworden obgleich wir damit eine ganz angenehme Zeit zugebracht, mein lieber alter Junge und ich finde einen Ruhepunkt in einem Blicke in wirkliches Leben. Wenn Du Dich aber zum Mentor verwandelſt, machſt Du Dich äußerſt unangenehm. Denkſt Du denn, daß ich eine ruch⸗ loſe Abſicht gegen dieſes Mädchen hege?

Nein, James, das ſetze ich nicht voraus. Wenn ich dächte, daß Du ein überlegter Sünder wäreſt, würde ich Dich Deinen eigenen Weg gehen laſſen und nur verſuchen, das Mädchen zu retten. Aber ich weiß, welches Unglück durch ſolche Tändeleien in die Welt gebracht wurde und welch' noch tieferes Elend durch ungleiche Heiraten entſtand.

Meinſt Du, ich denke daran, Mr. Elgood's Tochter zu heiraten, weil ich einige höfliche Worte zu ihr ſage? rief James, ganz vergeſſend, wie viel Ernſt noch vor einer Stunde in dieſen höflichen Worten gelegen.

Wenn Du keinen ſolchen Gedanken haſt, ſo haſt Du kein Recht, eine Bekanntſchaft zu kultiviren, die für ſie nur un⸗ glücklich enden kann, wenn nicht für Dich ſelbſt.

James antwortete mit einem Hohnlachen, worauf Cliſſold etwas warm erwiderte, und es folgten Worte des Zornes zwiſchen den zwei jungen Männern, bevor ſie im Korridor außerhalb ihrer Schlafzimmer von einander ſchieden. Die Leute im Hauſe, die ſchon an den Morgen dachten, hörten die erhobenen Stimmen und die Zorneslaute ſie hörten ſie und erinnerten ſich ſpäter daran.

(Fortſetzung folgt.)

Aus der Börſenwelt.

Erzählung von Karl Schmeling. (Fortſetzung.)

Der alte Herr hielt inne und ſein Auge hing erwartungs⸗ voll an der Perſon des Bankiers.

Römer antwortete nicht gleich. Es mußte etwas Be⸗ ſonderes in ihm vorgehen. In ſeiner Bruſt ſtritten un⸗ zweifelhaft ganz verſchiedene Empfindungen miteinander.

Verſteht ſich, hob der Baron ſchüchtern wieder an,daß ich Ihnen für Ihre Bemühung hohe Prozente zu berechnen geſtatte. Die Sicherung des Kapitals bleibt ja doch immer die erſte Bedingung. Zu gewagten Spekulationen will ich daſſelbe durchaus nicht hergeben. Mein Geſuch ſcheint indeſſen keine günſtige Aufnahme bei Ihnen zu finden. Sollte ich Sie durch daſſelbe verletzt haben, ſo bitte ich

Der alte Herr langte mit ſichtlichem Unbehagen nach ſeinem

Römer begriff, daß er ſich faſſen überhaupt zu einem Entſchluſſe kommen mußte.

Verzeihen Sie, Herr Baron! ſagte er infolge deſſen lebhaft, Ihr freundliches Anerbieten hat nichts Verletzendes, im Gegen⸗ theil, ich fühle mich durch daſſelbe geehrt und erwog bereits, wie ich Ihren Anforderungen am beſten gerecht werden könnte. Doch wie hoch denken Sie ſich den Gewinn, oder den Zins⸗ fuß, welchen das Kapitel bringen ſoll?

Zehn bis fünfzehn Prozent pro anno würden mir ge⸗ nügen! antwortete der Baron.

Dann iſt das vorzunehmende Manöver ſehr einfach! fuhr Römer fort,wir dürfen nur ſichere, zinstragende und zugleich dividendegewährende Papiere kaufen.

Es handelt ſich