Jahrgang 
1 (1879)
Seite
46
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1 gefunden, um dem Feſte, das mit großartigem Luxus in

Szene geſetzt worden war, beizuwohnen. Die Herren waren ausnahmslos in ihrer prachtvollen, ungariſchen Nationaltracht erſchienen, die Agraffen ihrer Dolmans und Attila's ſtrotzten von Edelſteinen und die Griffe und Behänge ihrer Säbel waren von ſchwerem Golde und koſtbarer Ciſelirarbeit. Die Gäſte wetteiferten förmlich in Entfaltung des größten Reich⸗ thums und die Prachtliebe der Ungarn zeigte ſich natürlich auch in den Toiletten der Damen im vollſten Lichte; Coiffüren, Hals⸗ und Ohrgehänge ſtrahlten im Kerzenglanze, der den V

Banketſaal des weitläufigen Schloſſes erhellte.

Die Tafel war faſt vorüber und der edle Ungarwein hatte die fröhlichſte Stimmung hervorgerufen. Draußen war es bereits tiefdunkle Nacht, aber Niemand von den näher⸗ wohnenden Gäſten dachte an den Aufbruch, die von weit Her⸗ gekommenen nahmen ohnedies für dieſe Nacht die Gaſtfreund⸗ ſchaft des Gutsherrn in Anſpruch. Eben wollte ſich die Geſellſchaft in den Ballſaal begeben, als plötzlich Rosza San⸗

Gleichzeitig klirrten die Fenſterſcheiben und mit Schrecken be⸗ merkten die Hochzeitsgäſte, daß ſich zu den zertrümmerten Fenſtern eine Menge Flintenläufe hereinſteckten, hinter denen bärtige Männer mit blitzenden Augen lauerten.

Entſchloſſen ſprangen die Herren auf und riſſen ihre Säbel aus der Scheide, um den frechen Eindringling zu züchtigen, aber mit imponirender Ruhe trat Sandor ihnen entgegen.

Laſſen Sie das, meine Herren! ſagte er, auf die drohenden Mündungen der Büchſen deutend,ein Wink von mir und Sie Alle ſind des Todes. Draußen ſtehen zwei⸗ hundert meiner Leute, Widerſtand wäre alſo nutzlos, und ich erſuche Sie daher, zunächſt Ihre Säbel in die Scheide zu bringen.

Faſt willenlos gehorchten die Magnaten; ſie kannten die Unbeugſamkeit des Räuberhauptmannes und ſahen gegenüber den bis an die Zähne bewaffneten Mannſchaften Sandor's die Nutzloſigkeit einer Gegenwehr ein.

Mit echt ungariſcher Galanterie näherte ſich jetzt der Bandenführer dem Brautpaare, ihm ſeine Glückwünſche dar⸗ bringend. Dann wandte er ſich wieder der verblüfften Ver⸗ ſammlung zu.

Ich will die Herrſchaften nicht länger ſtören, redete er die Gäſte an,nur die kleine Bitte gewähren Sie mir wohl noch, mir Ihre Edelſteine auszuhändigen, das Brautpaar aber iſt von dieſer geringen Unbequemlichkeit befreit. Je ſchneller Sie meinem Wunſche nachkommen, deſto raſcher können Sie

ſich wieder Ihrer vorigen Heiterkeit hingeben.

Was blieb den Feſttheilnehmern Anderes übrig, zu leiſten? Eine Weigerung bedeutete ſicheren Brandſtiftung, und anderen, Perlenketten

dor mit einem Adjutanten unter den Feſtgenoſſen erſchien. V

taſche barg.

Ihre Säbel ſind von hohem Werthe und bewunderungs⸗ würdiger Arbeit, meine Herren! rief Sandor, nachdem die aber kein Magyar die Schmach anthun, ihn zu entwaffnen. Behalten Sie alſo Ihre Pallaſche und machen Sie ſich nach

Ablieferung der Juwelen beendet war, wird dem anderen

dieſer kleinen Unterbrechung noch viel Vergnügen.

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F.

Concordia.

als Folge Tod und ſo wanderte eine Diamantagraffe nach der und Ohrgehänge in die Hände des Adjutanten, der dieſe Schätze in eine mitgebrachte Leder⸗

Er verbeugte ſich und verſchwand mit ſeinem beute⸗ beladenen Begleiter im Dunkel der Nacht. Niemandem ſiel es ein, den Räuber und ſeine zahlreiche Bande zu verfolgen, es würde auch zwecklos geweſen ſein, mit der geringen Diener⸗ ſchaft des Schloſſes den Kampf mit den wohlorganiſirten Räubern aufzunehmen.

Der in Ungarn ſo zahlreiche Stand der Hirten begünſtigte das Räuberweſen außerordentlich und die Schankwirthe waren die Hehler und Spione. Sandor war über alle Vorkommniſſe in der ganzen Gegend ſtets außerordentlich gut unterrichtet und nicht ſelten übte er gegenüber der Willkür und Anmaßung der bevorzugteren Stände ein ſcharfes Rächeramt.

Einige Meilen von Zombor liegt ein großes Landgut, deſſen Beſitzer Jahr aus Jahr ein in Wien lebt und nur höchſt ſelten einmal nach Ungarn kommt, um auf ſeinem Gute unumgänglich nöthig gewordene Veränderungen und ſonſtige Maßnahmen anzuordnen. Die Verwaltung der Beſitzung lag in den Händen eines Inſpektors, der ſich durch ſeine rück⸗ ſichtsloſe Strenge und ſeine Habſucht verhaßt gemacht hatte.

Schon mehrfach hatten ſich arme Bauern, die der Inſpektor von Haus und Hof gejagt, weil ſie Zinſen oder Abgaben nicht zu bezahlen im Stande waren, hilfeſuchend an Rozsa Sandor gewandt, aber der Verwalter hatte eine ſtattliche Schaar tüchtiger Knechte zur Verfügung, die er im Falle der Noth gut bewaffnen konnte, ſodaß ſich der Räuber bei einem Ueberfall auf lebhafte Gegenwehr gefaßt machen mußte. Einſt erfuhr Sandor, daß der Verwalter einem armen Teufel, der weiter nichts beſaß, als eine erbärmliche Lehm⸗ hütte und eine Kuh, die letztere weggenommen habe, um ſich für eine kleine Schuld bezahlt zu machen, und nun beſchloß der Bandenführer, den Inſpektor zu züchtigen. Am ſelben V Tage, als die Mehrzahl der Arbeiter auf den Feldern be⸗ ſchäftigt war, überfiel er mit einer Schaar auserleſener Leute den Edelhof, nahm den Inſpektor gefangen, plünderte deſſen Wohnung und trieb alles vorhandene Vieh mit fort, ſoweit es nicht draußen in der Pußta weidete. Mit den Armen an die Hörner zweier Kühe gebunden, mußte der Verwalter zwi⸗ ſchen den beiden Thieren dem Zuge folgen, bis ſie an die Lehmhütte des Bauern gelangten, der ebenfalls auf den Feldern des Gutsherrn thätig war. Hier befahl Sandor, die Thiere an einen Baum zu binden und den Inſpektor derart an die Hörner zu befeſtigen, daß er ſich nicht ſelbſt befreien konnte. An den Hut des Gefangenen heftete Sandor einen Zettel mit folgenden Worten:Der Inſpektor quittirt V hiermit Deine Schuld und ſchenkt Dir als Erſatz für die er⸗

littene Unbill dieſe beiden Kühe. Rozsa Sandor wird darüber

wachen, daß ſein Wille pünktlich befolgt wird.

Dieſen Zettel wirſt Du dem Bauer wortgetreu vorleſen übergeben; der geringſte Verſuch, Dich an dem Manne zu rächen, hat Deinen Tod zur Folge.

Mit dieſen Worten verließ der Räuber den Inſpektor, der nun faſt einen halben Tag in ſtärkſter Sonnengluth, von Durſt gepeinigt, ausharren mußte, bis der Bauer vom Felde heimkehrte und den Gequälten befreien konnte. Den Befehl Sandor's hat der Verwalter pünktlichſt erfüllt.

In ſeiner Bande herrſchte ſtrengſte Subordination; wer den geringſten Verſuch machte, ſich ſeinen Anordnungen zu widerſetzen, wurde von dem Hauptmann ſofort niedergeſchoſſen. In der Auswahl ſeiner Leute war er aber vorſichtig und

und ihm denſelben dann

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