Jahrgang 
1 (1879)
Seite
43
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Sie nicht! Aber dem Herrn Vormunde dürfte man wohl bei der Gelegenheit die Fettfedern ein wenig rupfen und ſein Moralitätsweſen ſondiren. Nun, ich will ihm gleich eine Kommiſſion über den Hals ſchicken.

Er blätterte auf's Neue in dem Schriftſtücke.

Ei, ei! junger Freund, da ſind ja auch recht beträchtliche Paſſiva?

Leider! entgegnete Arthur.

Der junge Herr ſind kein Haushälter

Ich werde mich bemühen es von jetzt ab zu werden.

Nun, nun, junger Freund, zu was ſollen Sie das Leben nicht genießen? Es wird Ihnen bei Ihrem großen Vermögen Niemand zumuthen, ſich wie Ihr menſchenſcheuer Bruder von der Welt zurückzuziehen.

Das denke ich auch.

Sind wohl auch von dem Herrn Vormund brav mit⸗ genommen worden?

Ich weiß in der That nicht, allein

Nun, nun, unterbrach ihn der Geheimrath,mir können Sie es geradezu ſagen; ich bin ein ehrlicher Deutſcher ſehen Sie, der anſehnliche Mobilien⸗Nachlaß Ihres Vaters das Silberzeug es iſt, wie ich ſehe, gar kein gerichtliches Inventarium gemacht worden?

Nein, das iſt nicht geſchehen.

Deswegen müſſen Sie einkommen! rief mit ſichtlicher Schadenfreude der Geheimrath.Da ſehe man dieſen kosmopolitiſchen Kaufmann!

Ich möchte ihm nicht gern unrecht thun! warf Arthur

dazwiſchen.

Es hilft Ihnen nichts, mein junger Freund! Sie müſſen dagegen einkommen; es iſt nur der Formalität wegen. Unter⸗ ſchreiben Sie mir nur eine kleine Vorſtellung gegen dieſes außergerichtliche Inventarium! Der junge Herr ſind zu gut! Aber eine hochpreisliche Vormundſchaft läßt ſich kein X für ein U machen. Kommen Sie, wir wollen auf mein Zimmer gehen und Ihre Angelegenheiten in Ordnung bringen.

Sie ſind zu gütig, Herr Geheimrath! Ich ſollte es eigent⸗ lich nicht zugeben; Sie kommen erſt vom Vortrag und wollen ſich ſchon wieder an Geſchäfte begeben.

Laſſen Sie es gut ſein, junger Freund! Was ich ver⸗ ſpreche, das halte ich. Und ſich an ſeinen Sohn wendend, fuhr er fort:

Iſt etwas eingegangen, Franz?

Verſchiedenes, Vater, aber nichts von Belang. Die Ein⸗ gaben liegen bereits auf Ihrem Schreibtiſche.

Nun, wir werden ja ſehen; jetzt kommen Sie, mein junger Freund.

2Er reichte Arthur die Hand und führte ihn in ſein Arbeits⸗ zimmer.

Der Leſer würde ſich aber in einem nicht geringen Irr⸗ thume befinden, wenn er annehmen wollte, daß die Hand⸗ lungsweiſe des Geheimraths wirklich der Zuneigung zu dem jüngeren Mündel Elsner's entkeimt ſei.

Nein, es war Rache, tückiſche, finſtere Rache gegen den Kaufmann Elsner, deſſen Rechtſchaffenheit den Geheimrath oft ſchon in äußerſt unangenehme Situationen gebracht hatte.

Die erheuchelte Theilnahme für deſſen leichtſinnigen Mün⸗ del Arthur bildete dem Geheimrathe nur das Mittel, den wackeren Elsner um ſo ſicherer ſtürzen zu können, und fand

Concordia.

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der ebenſo ſtolze als hartherzige Salfeld hierzu in ſeinem Sohne einen ſeiner würdigen Helfershelfer.

Arthur's Leichtgläubigkeit kam den beiden Schurken treff⸗ lich zu ſtatten; Vater und Sohn boten Alles auf, ihn immer mehr gegen Elsner und ſeinen Bruder aufzubringen.

Während jetzt der Geheimrath ſeine tückiſchen Pläne ſchmiedete und ſchlau alle Minen legte, den biederen Elsner ſo raſch als möglich zu vernichten, ſpielte ſich im Hauſe des Letzteren eine Familienſzene äußerſt ſeltener Art ab.

Elsner trat etwas erregt in das Zimmer ein, in welchem die Gattin ſoeben mit der Tochter eine ernſte Unterredung betreffs der Verheiratung mit Arthur gehabt hatte.

Er hatte längſt bemerkt, daß das Herz ſeiner Tochter un⸗ ſäglich litt; er ſah, wie ihre blühende Jugend dahinwelkte, wie ihre Seele vergebens nach Glückſeligkeit rang, und ach, er wußte nur zu gut, daß Agnes Glück und Liebe auf dieſem Wege nicht finden konnte. Er fühlte ſchmerzlich, daß ſeine Tochter ihn ſeit einiger Zeit mied und floh, und ach, er meinte es doch ſo gut, ſo treu mit ihr.

Auch jetzt traf er Agnes mit verweinten Augen an.

Komm' her, Mädchen! ſprach er, auf ſie zugehend und ihr die Hand reichend.Wir ſind uns ſeit einiger Zeit etwas fremd geworden, aber Gott weiß es, es iſt ohne meine Schuld geſchehen, deshalb wollen wir heute große Abrechnung halten.

O, mein Vater! ſtammelte Agnes, indem ſie ſich mit überfließendem Herzen an die Bruſt des Vaters warf.

Du biſt ſeit einiger Zeit ſehr fremd gegen mich geweſen, und Gott weiß, daß ich ſtets auf Dein Beſtes bedacht bin!

O, lieber Vater! entgegnete ſie unter Thränen,Ihre Agnes iſt ein ungehorſames Mädchen!

Warum, mein Kind? Weil Du liebſt? Nein, da⸗ rum biſt Du nicht ungehorſam. Gott laſſe Deine Liebe nur recht glücklich ſein!

Ich fühle es tief, lieber Vater, es war unrecht, daß ich mich Ihnen nicht früher anvertraute.

Nun, warum ſprachſt Du nicht?

Ich fand niemals den Augenblick ſo, wie ich ihn wünſchte.

Daran ſind Deine unſeligen Bücher ſchuld! entgegnete etwas ſtreng der Vater und fuhr, nachdem ſeine Gattin ihm einen bittenden Blick zugeworfen, mit milderer Stimme fort: Sonſt war es nicht ſo, Du kamſt mit offenem Herzen zu mir.

Ich werde es von jetzt ab ſtets thun, lieber Vater!

Sieh', mein Kind, ſuche ich denn Augenblicke, Dich zu lieben? Ich ſorge immer für Dich, und bei Allem, was ich thue, frage ich mich:Iſt das auch gut für deine Agnes? Ich ſchließe meine Augen nicht, ich bete erſt für mein Kind; ich freue mich meines Aufſtehens, weil ich für Dich ſorgen kann und die, für die ich Alles thue ſie ſucht Augen⸗ blicke, gut und aufrichtig mit mir ſein zu können!

Agnes warf ſich an die Bruſt der Mutter und ſprach:

O, theure Mutter!

Die Stirn des Vaters ward plötzlich wieder ernſt.

Warum wendeſt Du Dich jetzt an Deine Mutter? Mich haſt Du gekränkt!

Agnes warf ſich ſtürmiſch an des Vaters Hals und bat um ſeine Verzeihung.

Nun, weine nicht! tröſtete er.Sei nur immer gut und auf⸗ richtig gegen mich! Und ſie feſter an ſich ziehend, fuhr er fort:

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