2
42 Concordia.
„Ach ſo! Du meinſt den alten Blumau,“ ſtotterte verlegen der Hofrath.
„Natürlich!— Daß Ihr ehrenwerthen Leute doch gleich verlegen werdet, ſobald man den rechten Fleck trifft.“
„Wie ſo, verlegen? Dazu haben wir doch keine Urſache— doch was ich ſagen wollte— der iſt doch aus der Irren⸗ anſtalt entſprungen. Man weiß alſo gar nicht, ob er todt iſt oder ob er lebt.— Der Alte macht meinem Vater wahren Gemüthskummer.“
„Je nun, er iſt todt!“ warf Arthur leichthin.
„Das weiß man ja nicht.“
„Er ſoll aber todt ſein!“
„Schäme Dich doch, frivoler Menſch!“ entgegnete der Hof⸗ rath lächelnd.
„Warum?— Ebenſo leicht ein Lebendiger todt, als ein Vernünftiger toll!— Nicht wahr, ich denke logiſch? Und wenn er ſich wirklich wieder blicken ließe, ſo ſetzt man ihn wieder feſt.“ 8
„Hm, das geht doch nicht an.“
„O, über dieſe Gewiſſenhaftigkeit!“ höhnte Arthur.„Wenn Ihr meinen Onkel bei voller Vernunft für toll erklären laßt, wenn Ihr fünfzehn Jahre lang ſein Vermögen ſo ganz ordentlich und chriſtlich verwaltet habt,— ſo werdet Ihr doch nun nicht anſtehen, ſeinem rechtmäßigen Erben den Antheil pränumerando auszuzahlen?“.
„Wenn man Deine Jovialität nicht kennte,“ entgegnete verletzt der Hofrath, ſo würde ich ſagen, Du haſt Dich gegen uns ſehr beleidigender Ausdrücke bedient.“
„Na, nimm es mir nicht übel, Bruderherz, allein mit dem Wahnſinn war es doch nicht recht richtig. Der alte Patron ſoll zwar ſehr originell, ſonſt aber ganz vernünftig geweſen ſein.“
„Völlig wahnſinnig, ſage ich Dir!— völlig wahnſinnig. Alles iſt durch Zeugniſſe und Atteſte feſtgeſtellt!“
„Was mag für die ſogenannten Zeugniſſe wohl bezahlt worden ſein?“
„Arthur, Du beleidigſt mich!“
„Nun, wir wollen darum nicht ſtreiten. Er iſt— ſelbſt wenn er noch leben ſollte— die Luft und das Leben nicht mehr gewöhnt; ich aber brauche Geld und erlaſſe Euch vie tiefe Unterſuchung. Nur hütet Euch vor meinem ehrbaren Bruder, daß der Euere Spur nicht entdeckt; er argwohnt ohnehin nichts Gutes und hat ſeine Kundſchafter überall auf⸗ geſtellt. Dazu wißt Ihr, daß Ihr ſeit der letzten Geſchichte mit der Getreidelieferung für die Armee ſehr beobachtet ſeid.“
„Mögen ſiel wir wiſſen uns frei.“
In dieſem Augenblicke trat der Geheimrath ein.
Er war ein Mann, der im Anfang der fünfziger Jahre ſtand. Sein glattraſirtes, etwas fahles Geſicht zeigte deut⸗ liche Spuren von zu reich genoſſenem Leben und die ſpitze Naſe, ſowie die kleinen unſtäten Augen ließen auf einen ſehr zweifelhaften Charakter ſchließen.
Kaum hatte er Hut und Stock alhgelegt und die Anweſen⸗ den begrüßt, ſo begann er:
„Ich komme von Seiner Durchlaucht dem Fürſten. Ah— laßt mich ſitzen. Auf den kalten Marmor⸗Platten im Schloſſe wird man ganz ſchwach.“
„Wie befinden ſich Seine Durchlaucht?“ fragte ſein Sohn.
V V
' V
„Gott ſei Dank, recht munter!— Hab' heute abermals Proben von der Klemenz meines gnädigſten Herrn erhalten— Franz, bringe eine Flaſche Malaga!“ unterbrach er ſich. „Sie trinken doch ein Glas mit uns, beſter Herr Walther?“
„Unendlich verbunden!“ entgegnete dieſer, ſich verbeugend.
„Ohne Komplimente! Bitte, langen Sie zu; ich bin ein ehrlicher Deutſcher, ein Mann von echtem Schrot und Korn.— Sie werden wohl auch von dem Skandal gehört haben, Herr Walther, wie ein unbefugter Denunziant mich zu bezichtigen ſich erkühnte—“
„Ja, ich habe von der Verwegenheit gehört.“
„Ich glaube, daß Ihr Vormund, Herr Elsner, den Menſchen veranlaßt hat, das Schriftſtück einzureichen, um mir einen Poſſen zu ſpielen, weil ich mich Ihrer ſo warm annehme und Sie vor Uebervortheilungen zu ſchützen bemüht bin.“
„Ich bin Ihnen unendlich verbunden, Herr Geheimrath, für Ihre Güte.— Doch was beſchließen Ihro Durchlaucht?“
„Nachdem mir natürlich nichts erweislich war, haben Ihro Durchlaucht den falſchen Denunzianten des Landes verwieſen. — Ja, der Fürſt iſt gerecht! Wozu hat Gott ſonſt ſo einem Herrn das Schwert in die Hand gegeben, als die Unſchuld zu ſchirmen?— Ja, der armſelige Schulmeiſter Werner wird morgen cum infamia des Landes verwieſen.— Der liebe Gott leite ſeine Schritte zur Beſſerung.“
„Dem Böſewicht geſchieht ganz recht,“ warf Arthur da⸗ zwiſchen.
„Ich habe Durchlaucht noch um gnädige Milderung der Strafe gefleht, iſt aber nicht bewilligt worden, da Seine Durch⸗ laucht derlei Kalumnianten Ihrer treuen Diener nicht gehegt wiſſen wollen.“
„Gewiß mit Recht!“ entgegnete der Sohn.
„Doch nun zu etwas Anderem. Ich hatte an Ihren Vor⸗ mund geſchrieben und ihn gebeten, mir die Vormunds⸗ ſchaftsrechnungen zu unterbreiten; er jedoch ſcheint ſich dafür zu fürchten und hat es mir verweigert.“
„Das hätte er gewagt?“ fragte Arthur.
„Leider!— Doch es ſoll ihm keine Früchte tragen.—
Haben der junge Herr den Status des Vermögens ver⸗ ſprochenermaßen bei ſich?“
„Zu dienen, Herr Geheimrath!“
„Arthur zog ein großes Schriftſtück hervor und reichte es mit einer Verbeugung dem Geheimrathe hin.
„Hm, ein feines Vermögen!“ ſprach der Geheimrath, zu⸗ frieden lächelnd;„noch 160,000 Thaler, und ſpäter kommt auch von dem alten Blumau noch ein Sümmchen hinzu— doch was iſt denn das?“ unterbrach er ſich, nachdem er einige Blätter umgeſchlagen,„20,000 Thaler an den Kaufmann Trenkler ausgeliehen— ein ſtarker Poſten! Trenkler iſt das?“.
„Friedrich Trenkler, am Markt,“ antwortete Arthur;„doch darf ich mir erlauben zu fragen, warum Ihnen der Name ſo auffällt?“ fuhr er nach einer Pauſe fort, als er ſah, daß der Iena kopfſchüttelnd in die Akten blickte.
„Aus ſehr wichtigen Gründen! O, glauben Sie mir, mein junger Freund, ich kenne die Geſchichte jedes verſchloſſenen Schreibtiſches der Stadt—
„Sie glauben alſo—“
„Daß Ihr Kapital bei Trenkler ſehr unſicher ſteht.“
„Ich könnte verlieren?“
— Welcher
ga
nich Nie der
gen
gab
Fre⸗ 4 Fim
thur lung jün Kau it


