32 Concordia. 4
Meckereien, befonders d von Klärchen, eintrugen und häufig all⸗ gemeine Heiterkeit in dem kleinen Familienkreiſe hervorriefen, iſt ſelbſtverſtändlich.
Die fünfte der anweſenden Perſonen war die frühere Er⸗ zieherin Klara's, Fräulein Hartmann, eine hochgewachſene, ernſte Dame von vielleicht dreißig Jahren, im einfachen Hauskleide. Zwiſchen ihr und Frau Römer hatte ſich Laufe der Jahre ein inniges Freundſchaftsverhältniß heraus⸗ gebildet und ſo war Fräulein Hartmann denn auch noch nach Erfüllung ihrer pädagogiſchen Verpflichtung im Hauſe ver⸗ blieben, angeblich um die Freundin in Führung des Haus⸗ weſens zu unterſtützen; im Grunde jedoch, um noch ferner, wenn auch weniger direkt als früher, auf Klara einzuwirken und die zeitweiſe allzu große Kindlichkeit Fräulein Amalie's zu überwachen. Aus allen dieſen Gründen ward ſie ſchon längſt als ein Glied der Familie betrachtet und behandelt.
Die kurze Frühſtücksſtunde war übrigens ſo recht eigentlich die Zeit des innigſten und vertrauteſten Familienlebens der Angehörigen des Hauſes. In ihr wurde mitgetheilt und er⸗ örtert, was nicht über den Kreis der Familie hinauskommen durfte, oder heiter geſcherzt und gelacht, auch wohl Pläne für die Zukunft entworfen und Anregungen zu allerlei Unter⸗ nehmungen und Vergnügungen gegeben.—
Die gegenſeitige Begrüßung der anweſenden Perſonen war ungemein herzlich und von Seiten Klara's, in Bezug auf den Vater, etwas kindlich⸗ſtürmiſch. Es mochte Römer ſchwer werden, nach den eben erduldeten Schmerzen und inneren Seelenkämpfen einen heiteren Gleichmuth in ſeinem Aeußeren zu Schau zu tragen. Doch es gelang ihm, und ſeine Gemahlin, welche mit ſorgſamen Blicken in ſeinem Antlitze zu leſen verſuchte, ſchien durch das Reſultat ihrer Prüfung befriedigt zu werden.
Glücklicherweiſe gab heute auch noch Fräulein Amalie dem Bruder durch ihr Aeußeres erwünſchte Gelegenheit, im erſten Momente der Begegnung vollkommen zu verbergen, was er den Seinen zu verbergen beabſichtigte. Sie erſchien in ge⸗ wählter Frühlings⸗Toilette und ihre Coiffure war ſo reichlich mit Blumen verſehen, als beabſichtigte ſie eine Flora dar⸗ zuſtellen. Römer warf ſeiner Frau deswegen einen ſchalk⸗ haften Blick zu und dieſe gab ein verſtändnißvolles Lächeln zurück.
„Ei, Malchen!“ meinte hiernach der Bruder bewundernd, „wohl das Neueſte aus dem Pariſer Journal— wie?!“
„Eigene Phantaſie!“ erwiderte Malchen verſchämt, doch ſichtlich geſchmeichelt;„wie gefalle ich dem Herrn Bruder?“
„Außerordentlich, Malchen!“ antwortete Römer;„ich ſage es ja immer, Du bleibſt die ewige Jugend!“
Tante Amalie verneigte ſich ceremoniöbs und Frau Römer lächelte förmlich glückſelig. Römer's Neigung zum Scherz durfte für ein gutes Zeichen hinſichtlich ſeines Befindens gelten. Das Lächeln von Fräulein Hartmann fiel etwas mit⸗ leidig aus und Klara biß ſich auf die Lippen, um ein lautes
Lachen oder eine ſpöttiſche Bemerkung zu unterdrücken.
Man nahm hiernach am Tiſche Platz und wendete einige Zeit hindurch ſeine Aufmerkſamkeit ausſchließlich dem Früh⸗ ſtück zu.
„Lieber Arwed,“ begann Frau Römer nach kurzer Pauſe, „Doktor Rohrbeck ſtürmte, nachdem er Dich verlaſſen, noch etwas wilder wie gewöhnlich aus dem Hauſe; er ſchien mich
abſichtlich nicht zu bemerken und hat auch nicht nach K Klara geſehen. Hat es etwa ernſtlichen Streit zwiſchen Euch ge⸗ geben?“
Römer lächelte, und diesmal gewiß ohne Zwang. Er ſah den zürnenden Arzt im Geiſte wohl wieder vor ſich.
„Das gerade nicht,“ antwortete er,„doch es iſt ihm da oben bei mir allerlei Unangenehmes begegnet, was ihn ſtark erregt hat!“
Frau Römer ward ernſter.
„So wirſt Du ihn durch Widerſpruch gereizt haben!“ meinte ſie gedehnt.
„Wie man es nehmen will,“ erwiderte der Bankier, „hauptſächlich mag er ſich wohl über Wellmann geärgert haben, der ſeiner Derbheit allerdings etwas ſchroff begegnet iſt. Ich habe ihn nur ein wenig geneckt, bin aber dafür auch hinſicht⸗ lich ſeiner Verordnungen äußerſt nachgiebig geweſen.“
„Wie verſtehe ich das, Arwed?“ fragte die Frau er⸗ wartungsvoll.
„Nun, meine Theure, Deine Wünſche und meine Abſichten ſtreben für dieſen Sommer demſelben Ziele zu. Ich habe Euer ganzes Programm akzeptirt!“
Die letzten Worte Römer's riefen eine freudige Bewegung am Tiſche hervor und Frau Römer erhob ſich, um dem Ge⸗ mahl ihren Dank durch einen Kuß abzuſtatten. Klara klatſchte vor Vergnügen mit den Händen. Fräulein Hartmann nahm die Sache ruhiger; doch Tante Amalie ſchien den Entſchluß des Bankiers geradezu zu mißbilligen.
„Aber,“ begann ſie, als ſich die Aufregung gelegt, etwas unſicher,„wie wird es denn mit dem Hauſe, wenn wir Alle reiſen? Es muß doch Jemand zur Beaufſichtigung deſſelben zurückbleiben!“
Alle Anderen ſahen erſtaunt zu der beſorgten Dame hinüber.
„Aber Malchen!“ meinte der Bruder endlich,„Du thuſt ja, als ob wir noch nie verreiſt geweſen wären!“
„Es iſt auch ſchon lange her, ſeit dies ſtattgefunden!“ erwiderte Tante Amalie verlegen.„Die Zeiten haben ſich inzwiſchen verändert; die Menſchen ſind ſchlechter geworden. Man hört ſtets von Einbrüchen in Häuſern, deren Beſitzer verreiſt ſind, und wenn Niemand anders dazu Luſt hat, will ich gern—
Malchen brach verſchämt ab.
„Du— Du wollteſt das Opfer bringen und bleiben, um das Haus zu ſchützen?“ rief Römer noch verwunderter als zuvor;„aber Malchen, wen beſtellen wir denn, um Dich zu hüten und zu ſchützen?“
„Das iſt köſtlich!“ rief Klärchen, die zarte Haut ihrer kleinen Hände bearbeitend,„aber ich kenne den Grund, wes⸗ halb die Tante ein ſo großes Opfer zu bringen entſchloſſen iſt.“
Der Gegenſtand dieſer lebhaften Reden war bei den Wor⸗ ten der Nichte feuerroth geworden und zupfte an der Buſen⸗ ſchleife, als habe dieſe etwas verbrochen. Verweiſende Blicke ſeitens der Mutter und Fräulein Hartmann's verhinderten Klara, weiterzugehen.
„Nun, nun,“ meinte der Hausherr begütigend,„wir er⸗ kennen Deine Opferbereitwilligkeit gebührend an, liebes Mal⸗ chen, aber wir dürfen nicht zugeben, daß Du Dich einer ſo großen Gefahr, wie Dir vorſchwebt, ausſetzeſt. Ich werde ſchon anderweitig für das Haus ſorgen!“
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