Jahrgang 
1 (1879)
Seite
30
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30 Concordia.

Warum zu ſchön? Ich weiß es nicht. einem wirklichen Schmerze!

Sie ſind wie Byron's Lara

Aber eine Nacht wie dieſe, Eine Nacht voll Schönheit, war nur Spott Für ſeine Bruſt. Ich hoffe, daß bei Ihnen nicht der Fall wiſſens vorliegt, wie bei ihm.

Nein, mein Gewiſſen iſt es nicht. Das Schlimmſte, was ich jemals gethan, war, daß ich über meinen Stand murrte; und obgleich der Vater ſagte, es ſei gottlos, hat mich der Gedanke an dieſe meine Gottloſigkeit niemals beunruhigt. Aber es liegt für mich etwas Ehrfurchterweckendes in der Schönheit und Stille der Nacht, ein feierlicher Ernſt, der mich entmuthigt. Ich fühle, als ob irgend ein Kummer über mir ſchwebte, irgend eine große Sorge. Empfinden Sie nichts Aehnliches?

Nicht das Geringſte in der Welt. Ich finde das Mond⸗ licht ganz artig. Iſt es Ihnen unangenehm, wenn ich mir eine Cigarre anzünde? Hier außen werden Sie die Wirkung des Rauches kaum ſpüren.

Ich fühle ſie nirgends, antwortete Juſtina freimüthig. Der Vater hört kaum auf zu rauchen.

In einer Ecke des Gartens befand ſich eine Trauerweide, deren untere Zweige ſich in den Fluß tauchten, und neben der Weide war eine Bank, wo ſich die Beiden ſetzten, in dem vollen Lichtglanze des Mondes. Ein viel beſſerer Platz jeden⸗ falls, als das ſtaubige Gartenhäuschen, das vielleicht ein Zufluchtsort für Fröſche, Schnecken oder Spinnen war. Sie ſaßen an dem Rande des Fluſſes und ſprachen ſprachen ſo leicht, als ob ſie tauſend Ideen gemein, dieſe Zwei, die bis heute noch niemals zuſammengekommen und deren Leben ſo weit von einander getrennt war.

Sie hatten Jugend und Hoffnung gemeinſam, und dieſes Band war genügend, ſie zu vereinen.

James richtete an Juſtina viele Fragen über das Bühnen⸗ leben, und war überraſcht, zu finden, daß die Illuſionen ſeiner Knabenzeit vor der ernſten Wahrheit verſchwanden.

Ich dachte, es ſei ein ſo heiteres Leben und das leichteſte in der Welt, ſagte er.Ich meinte oft, daß es mir wohl auch gefallen würde, ein Schauſpieler zu ſein. Ich denke, ich könnte das ganz hübſch machen. Ich kann Buckſtone und Charles Mathews imitiren.

Bitte, denken Sie nicht daran, rief Juſtina aus.In einem Jahre würden Sie bis auf den Tod ermüdet ſein.

Ich glaube es wohl. Ich bin zu ſehr an ein fröhliches Leben gewöhnt, um bei irgend etwas lange auszuhalten. Ich kam erſt vor einem Jahre von Oxford, und nun verſuche ich es, auf einer Wanderung durch England und, Wales die Klaſſiker in Gemeinſchaft mit Cliſſold zu leſen, und wir bleiben von Zeit zu Zeit an den ruhigſten Plätzen, die wir finden können. Cliſſold iſt ein vortrefflicher Kamerad, und es wird nicht ſein Fehler ſein, wenn ich nicht in nächſter Zeit graduirt

Wie gefällt er Ihnen?

Ich weiß es nicht. Ich habe nicht an ihn gedacht, ant⸗ wortete das Mädchen einfach. Der jüngere und ſchönere Fremde hatte ſie Maurice Cliſſold mit ſeiner großen ſtarken Statur, ſeinen dunklen, durchdringenden Augen und ſeiner

Es verletzt mich irgendwie, gleich

eines böſen Ge⸗

werde.

breiten Stirne ganz vergeſſen laſſen. Er war ein zu männ⸗ licher Mann, um von einem ſiebzehnjährigen Mädchen bewundert zu werden.

Er iſt ein ſo guter Kamerad, als je einer geathmet hat; ein bischen herb vielleicht; aber die meiſten heilſamen Dinge ſchmecken ſo, ſagte James.Er hat ſeine Häkchen. Eines davon iſt, daß ich ſeinerzeit ein muſterhafter Herr auf Penwyn werden, in's Parlament kommen, eine reiche Erbin heiraten und Alles, was zu einem feinen altengliſchen Gentleman gehört, werden ſoll. Ich ſollte denken, das ſei ein etwas er⸗ müdendes Metier. Das Schlimmſte dabei iſt, er hält mir dies immer vor Augen, erinnert mich immer daran, wie viel ich dem Rittergute Penwyn und meinem Stamme ſchulde, und will es mir nicht geſtatten, meine Jugend nach Belieben zu genießen. Er iſt ein guter Menſch, aber ich möchte ihn mehr lieben, wenn ich nicht ſo viel Reſpekt vor ihm haben müßte. Er war ein großer Liebling meiner armen Mutter. Eine romantiſche Geſchichte nebenbei. Sie war mit Maurice's Vater verlobt, einige Jahre zuvor, ehe ſie meinen heiratete. Er war Kapitän, im Dienſte der oſtindiſchen Kompagnie und fiel im Kampfe gegen die Neger von Gujerat. Jahre nachher, als auch mein Vater ſchon geſtorben war, trafen wir, Cliſſold und ich, uns in Eton. Meine Mutter brach in Thränen aus, als ſie den Namen meines Schulkameraden hörte, und bat mich, ihn zu ihr zu bringen. Natürlich gehorchte ich, und von dieſem Tage bis zu ihrem Tode hatte meine Mutter einen zweiten Sohn in Maurice. Ich denke, ſie liebte ihn ſo ſehr, wie ſie mich liebte.

Und waren Sie niemals eiferſüchtig?

Nein, dazu hatte ich Beide zu lieb. Und dann war meine gute Mutter ganz Liebe und Zärtlichkeit. Ich konnte ihre Neigung ſchon theilen mit meinem Adoptiv⸗Bruder. Und nun ſagen Sie mir etwas über Ihr Leben!

Darüber iſt wenig zu ſagen, antwortete das Mädchen traurig.Immer, ſeit ich mich erinnern kann, führten wir daſſelbe Leben einmal in der einen Stadt, ein anderes Mal in der anderen. Wenn mein Vater dazu das Geld auf⸗ bringen konnte, ſendete er mich in eine Tagesſchule, und ſo erhielt ich eine geringe Erziehung und bin ſehr unwiſſend, weil mein Schulbeſuch zu oft unterbrochen wurde, ſodaß ich, wenn er wieder begann, das früher Gelernte meiſt vergeſſen hatte.

Armes Kind, murmelte James theilnehmend. Ihre Mutter noch?

Sie ſtarb vor ſieben Jahren. Sie hatte ſo viel Kummer, das erdrückte ſie endlich. Und Juſtina zahlte ihrer Mutter den Zoll einer verborgenen Thräne.

Jim, ich frage Dich, weißt Du, daß es halb drei Uhr iſt und daß Mr. Elgood auf ſeine Tochter wartet? fragte die Stimme des geſunden Menſchenverſtandes durch das Organ von Maurice Cliſſold.

Die zwei Kinder fuhren von der Bank neben der Weide empor, aufgeſcheucht durch die plötzliche Frage. Mr. Cliſſold ſtand vor ihnen, hoch aufgerichtet und mit ſtrengem Blicke.

Ich hörte vor einigen Minuten die Thurmuhr der Kathedrale, und weiß genau die Zeit. Wenn Mr. Elgood ſeine Tpchter wünſcht, kann er ja ſelbſt kommen, antwortete James..

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Lebt

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