Jahrgang 
1 (1879)
Seite
28
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28 Concordita⸗

Schau' mich an, Pen wyn, 4 fagte Cliſſ old dernſt;ich habe es mir in den letzten zwei Jahren zum Geſchäfte meines Lebens gemacht, Dich auf dem geraden Wege zu erhalten. Ich möchte nicht, daß Du wegen irgend eines blauäugigen Mäd⸗ chens im ganzen Univerſum über die Zugſtränge ſchlügeſt. Erinnere Dich, was ich Deiner armen Mutter verſprochen, Jim!

Daß Du die Rolle eines älteren Bruders bei mir über⸗ nehmen würdeſt und daß Du meinen Verſtand immer im richtigen Gleichgewichte zu halten ſuchen wirſt. Das iſt Alles ſehr gut, Maurice. Ich habe die Ideen meiner armen Mutter immer reſpektirt, auch wenn ſie die Form von Vorurtheilen annahmen. Aber der Menſch muß ſich ſeines Lebens freuen.

Ja, aber er iſt verpflichtet, ſich ſeines Lebens zu freuen, ohne anderen Leuten das mindeſte Unrecht zuzufügen.

Wem füge ich denn ein Unrecht zu? fragte Mr. Penwyn mit einem ungeduldigen Achſelzucken, während er gegen die Couliſſen zuſchritt.

Du ſetzeſt thörichte Ideen in den Kopf dieſes armen Kindes. 7

Welcher Unſinn! Weil ich einfach höflich gegen ſie bin? Ich werde ſie zum Souper einladen, ob es Dir gefällt oder nicht.

Ich hoffe,

refüſiren.

Wenn Du ſo kommſt, werde ich die ganze Geſelſſchaft einladen! rief das verdorbene Kind des Glückes.

Der Vorhang ſank in dieſem Augenblicke und Mr. Elgood

ihr Vater wird den Verſtand haben, zu

kehrte in das Schauſpielzimmer zurück, indem er beim Ein⸗

tritte den Degen, den er trug, abſchnallte.

Ich wartete, um Sie an Ihr Verſprechen zu erinnern, dieſen Abend mit uns zu ſoupiren, Mr. Elgood, ſagte James.

Mein theurer Sir, das iſt ein Engagement, welches man nicht vergißt. Ich werde da ſein.

Iſt halb Zwölf Ihnen vielleicht zu früh?

Nein!Der Fremde wurde raſch abgeſpielt und das zweite Stück iſt kurz. Ich werde da ſein. ſ*

Miß Elgood wird Sie begleiten, hoffe ich? 6

Danke, nein. Die Schicklichkeit würde ihr Erſcheinen an einem Junggeſellen⸗Tiſche nicht geſtatten. Sie wäre die ein⸗ zige Dame.

Dagegen giebt es ein leichtes Mittel, wenn jede andere Dame der Geſellſchaft uns beehren will.

Auf mein Wort, Sie ſind ſehr gütig; und ich weiß, mein Kind würde es als einen Hochgenuß betrachten. Wenn Sie die Frage in ſo freundlicher Weiſe ſtellen, bin ich gewiß, daß Mr. und Mrs. Dempſon erfreut ſein werden, ſich mit uns zu vereinen.

Bitte, bringen Sie ſie. ſpielerin?

Sie haben ſie dieſen Abend in einer ihrer größten Rollen geſehen als Mrs. Haller.

Ich dachte, die Dame wäre eine Miß Villeroy?

Blos ihr Künſtlername. John Dempſon und Miß Villeroy hahen ſich ſeit einigen Jahran durch die geheiligten Bande der Ehe vereint.

Ich werde erfreut ſein, ded. Aalauntſchuft der Lady zu machen. Sie kennen Ihren Weg nach dem2 eenan 2u

Er iſt mir bekannt wie die Pfade meiner Kindheit,

Iſt Mrs. Dempſon auch Schau⸗

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Und Sie werden Miß Elgood gewiß mitbringen?

Judy wird ohne Zweifel kommen.

Judy?

Ein zärtlicher Naine, durch die Zuneigung gewählt. Sie wurde Juſtina getauft. Verzeihen Sie, wenn ich Sie lest verlaſſe, ich ſpiele im nächſten Stücke.

Mr. Elgood eilte fort. James Penwyn richtete einen Blick des Triumphes auf ſeinen Freund.

Du ſiehſt, Maurice, ich bin los vom Gängelbande.

Maurice Cliſſold zuckte die Schultern und wendete ſich mit einem Seufzer ab. James, mehr berührt durch Schweigen als durch einen Vorwurf, legte ſeinen Arm mit fröhlichem Lachen in den des Freundes und ſie gingen miteinander aus dem Verſammlungszimmer der Schauſpieler und aus dem Theater, Arm in Arm, wie Brüder, die einander lieben.

3. Kapitel. ImWaſſervogel.

Das Souper imWaſſervogel war ein Erfolg. Jeder⸗ mann, Cliſſold vielleicht ausgenommen, war in der Laune, über Alles vergnügt zu ſein, und auch Cliſſold konnte es nicht über's Herz bringen, ſich ſelbſt auf eine vehemente Weiſe un⸗ angenehm zu machen inmitten einer ſo harmloſen Fröhlichkeit, in einer ſo kindlich einfachen Heiterkeit. Für einen Schau⸗ ſpieler iſt ein Souper nach dem Theater ein Vergnügen, das ſein Leben krönt ein Blick in das Paradies auf Er⸗ den, den wir Alle in einer oder der anderen Form ge⸗ winnen. Und ein Souper in einer komfortablen Hotelwirth⸗ ſchaft, wie derWaſſervogel, wo der Wirth wußte, wie Alles zu machen ſei für eine Kundſchaft, die ihren Pfeffer bezahlen konnte, war gewiß nicht zu verachten. In dieſem nördlichen Diſtrikte gab es eine reichliche Fülle von Lebensmitteln und culinariſchen Genüſſen. Ein Thee zu Eborsham bedeutete ſo⸗ viel wie ein Diner und ein Frühſtück vereint. Ein Souper zu Eborsham bedeutete gemäſtetes Geflügel, das einen Alder⸗ man entzücken konnte, prachtvollen Schinken im Gewichte von fünfundzwanzig Pfund oder ſo Hummern in grünem Salat Taubenpaſteten Cheſterkäſe Torten und auch andere pikante Kleinigkeiten, um den Appetit zu reizen, durften nicht fehlen, und ein herrlicher kalter Lendenbraten bildete nebenbei ein Reſervekorps, um in einem kritiſchen Momente einzuſchreiten, wie Blücher bei Waterloo.

Beſonders verſtand es Mr. Dempſon, Leben in die Geſell⸗

ſchaft zu bringen. Der kleine melancholiſche Mann, der den Verfall des Drama's beklagt hatte, verſchwand gänzlich an der reichlich beſetzten Tafel und an ſeiner Stelle erſchien ein Spaß⸗ macher erſten Ranges.

So wenigſtens dachte James Penwyn, als er mit dem ſilberhellen Lachen der Jugend die Späße des Komikers be⸗ gleitete. Auch Miß Villeroy war lebhaft und munter, obgleich ſich um ihre Augen eine Art ermüdeten Ausdruckes zeigte, als ob ſie unter den Wehklagen des Mrs. Haller und anderer Heroinen der Tragödie frühzeitig gealtert wäre. Juſtina ſaß neben James Penwyn und war vollkommen glücklich, obwohl ſie nur eine Stunde vorher Thränen mädchenhafter Scham vergoſſen hatte bei der Idee, zu einer Soupergeſellſchaft in ihrem fadenſcheinigen braunen Merinokleide zu gehen dem Kleide vom letzten Winter das ſie noch im warmen Früh⸗