liebte, und ſich ſelbſt auf ſeinen Poſten begeben.
Concordia.
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geſehen. Was nun der Katze geſchah, das mußte ſtets Brand geweſen ſein; und als ſie eines Tages gar mit einer Klemme am Schwanze miauend im Kaſernenhof umherrannte, mußte wiederum Brand der Attentäter geweſen ſein, was ihm trotz der Betheuerung ſeiner Unſchuld den Haß des Feldwebels dermaßen zuzog, daß er ihn bei jeder Gelegenheit dem Batterie⸗ Kommandanten zur Beſtrafung meldete.
Was Wunder, daß Brand in„Artilleriſtens Ruhe“, vulgo Arreſt, ein oftgeſehener Gaſt war und faſt alle Zimmer kannte! Was Wunder aber auch, daß er der Urheberin ſeiner Leiden, der„grauen Lieſe“, alle nur möglichen Todesarten wünſchte! Indeſſen ſeine Wünſche wurden nicht erfüllt; die Katze wurde ihm zum Aerger immer dicker und runder und hatte ſogar den Paſcha kurz vor beſagter Revue noch mit zwei jungen Kätzchen beſchenkt, die nun der Alten auf Schritt und Tritt nachfolgten.
Brand alſo gab ſich alle nur mögliche Mühe, dem Feld⸗ webel keine Veranlaſſung zur Klage zu geben, und ſeine faſt übertreibende Sorgfalt mochte wohl auch der Grund ſein, daß er, als die ganze Batterie ſchon zum Ausrücken fertig war, noch nicht Alles in Ordnung hatte.
Ich griff ſelbſt mit zu, und während Brand den Tſchako fertig machte, putzte ich das Seitengewehr und der Ober⸗ kanonier Zocher wurde gebeten, den Torniſter, wie üblich, mit Stroh auszuſtopfen. Es war mir gar nicht recht, daß Brand gerade dieſen darum anging; denn Ihr müßt wiſſen, daß Zocher aller Schwänke und Ränke voll war und jede Gelegen⸗ heit wahrnahm, wo es galt, einen„Jux“ auszuführen.
Schon war im Kaſernenhofe das Kommando erfolgt: „Dritte Batterie antreten!“ als Zocher mit dem ausgeſtopften Torniſter zurückkehrte. Raſch warf ihn Brand auf den Rücken und eilte, uns nachfolgend, in den Hof hinab.
Ich war Brand's Nachbar in der Batterie, und als dieſe nun, wie üblich, erſt von den Unteroffizieren, dann von den Offizieren durchgemuſtert worden war, warteten wir in„Los“ auf die Ankunft des Generals.
Da plötzlich ſties Brand mich mit dem Ellenbogen und ſagte mit zitternder Stimme:„Du, Schurig, ſiehſt Du etwas auf meinem Torniſter? Mir war es eben, als bewege ſich etwas darauf.“— Ich ſah nach, konnte aber nichts finden;
der Torniſter ſah ganz propre aus und ich glaubte, daß nur
die Angſt meinem Nachbar den Kopf etwas verdreht habe. Unſer Feldwebel war in der grimmigſten Laune und hatte ſeine liebe Noth mit der„grauen Lieſe“, die ihm auch heute nachgefolgt war und ihn trotz aller Drohungen und Schläge nicht verließ. Ich ſehe ihn noch vor mir und werde die Anrede, die er
an uns hielt, nie vergeſſen. Sie lautete ohngefähr:„Daß mir
jeder Griff gut ausgeführt wird.— Donnerwetter, willſt Du fort, Lieſe!— Keiner zucke beim Präſentiren!— Schock⸗ ſchwerenoth, iſt denn das Vieh toll?— Die Pferde ruhig ſtehen laſſen!— Millionen Granaten und Schleppſäbel, das Thier iſt ja nicht vom Fleck zu bringen!“
Eben war er im Begriff, ſie zu fangen und dann in den Stall zu ſperren, als der General, gefolgt von ſämmtlichen Stabsoffizieren des Artilleriekorps, in den Kaſernenhof trat; natürlich mußte er nun die Katze thun laſſen, was ihr be⸗
Der Parademarſch ertönte und der ganze Zug ging, an der Spitze der General und am Schluſſe der Feldwebel—
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auch hierbei nach— die Fronte entlang.
Der General nahm es mit dem Aeußeren pedantiſch genau und ſo fand ſich denn, trotzdem daß bereits Alles vorher durchgeſehen war, noch an Dieſen
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oder richtiger, die„graue Lieſe“, denn ſie folgte dem Feldwebel
m und Jenem etwas zu orrigiren. Hier war das Schloß der Kuppel nicht auf der eitte, da das Seitengewehr nicht weit genug nach hinten ge⸗ rückt, und ſo weiter.
Bei Brand angekommen, blieb der General plötzlich ſtehen
und rief entrüſtet:„Was iſt denn das? der Menſch hat ja
Und dem war auch ſo! Es zeigte ſich eben wieder, daß Brand ein echter Pechvogel war. 9—
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Aber gerechter Himmel! Was war denn das? Als die Offiziere eben dicht herangetreten waren, um ſich von den Worten des Generals zu überzeugen, ließen ſich plötzlich ziem⸗ lich laute„Miau's“ in Brand's Torniſter vernehmen!
Der General prallte erſchrocken zurück und die Offiziere ſahen bald den Kommandeur, bald den armen Brand an, der wie vom Schlage getroffen daſtand; aber das Miauen im Torniſter ging fort und plötzlich ſprang die„graue Lieſe“ auf Brand's Torniſter, ſchlug den Aermſten mit ihren Krallen rechts und links in's Geſicht, warf ihm dabei den Tſchako vom Kopfe und geberdete ſich wie toll.
Endlich gelang es dem Feldwebel, die Lieſe herabzuwerfen, aber ſortzubringen war ſie nicht. Zum Sprunge fertig, legte ſie ſich einige Schritte vor Brand nieder, und dieſen mit funkelnden Augen anſchauend, peitſchte ſie wild mit dem Schwanze, daß der Staub aufwirbelte.
„Herr Hauptmann!“ rief der General unſerem Kommandeur zu,„was geht hier vor?! Dieſer Menſch packe auf der
Stelle aus!“
Brand kam mechaniſch, mehr todt als lebendig, dieſem Be⸗ fehle nach. Aber kaum hatte er die Deckelklappe geöffnet, als eine der beiden jungen Katzen des Feldwebels mit Blibes⸗ ſchnelle herausſprang, während die andere den Kopf ausedem Strohe hervorſteckte und wie verwundert umherſchaute.
„Himmelkreuzſchock Bomben und Granaten!“ vief mit vor Zorn bedender Stimme der General,„der Kerl unter⸗ ſteht ſich, einen ſolchen Spaß mit mir zu machen! Was iſt das, Er Millionenkerl?“
Brand, in der Meinung, die letzte Frage beantworten zu müſſen, ſchaute den General mit einem fürwahr unbeſchreiblich dummen Geſichte an und ſtammelte:
„Exzellenz, das— das ſind Katzen!“
„J, Er Millionenſchwerenöther, glaubt Er etwa, daß ich dieſe Racker ſür Kameele anſehe?! Herr Hauptmann, die Sache wird genau unterſucht und mir morgen Rapport er⸗ ſtattet!“
Mit dieſen Worten ging er, ohne die übrigen Mann⸗ ſogar die Pferde ignorirend, zum
ſchaften anzuſehen, ja Kaſernenhof hinaus. 3
Wie es dem armen Brand nun erging, könnt ihr Euch wohl denken! Natürlich konnte es nicht verborgen bleiben, daß der Oberkanonier Zocher den Boscoſtreich ausgeführt hatte, und einige Tage darauf wanderten Beide nach
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