Jahrgang 
1 (1879)
Seite
24
Einzelbild herunterladen

24 Concordia.

Artilleriſtens Ruhe, wo ihnen Gelegenheit geboten wurde, zehn Tage langbei Waſſer und Brot über die Katzenaffaire nachzudenken.

Wer aber glaubte, daß ſich Beide da ausſöhnen würden, der irrte ſich gewaltig. Brand hatte dem Oberkanonier Rache geſchworen, und fand, da Beide kurze Zeit nach Verbüßung ihres Arreſtes zur Dienſtleiſtung auf Feſtung Königſtein kommandirt wurden, auch eine Gelegenheit dazu, die lange Zeit dem Regimente Stoff zum Lachen gab, die aber Euren

Ben Akiba ebenfalls zum Lügner macht, Herr Freiwilliger, denn ſie war in der Armee auch noch nicht dageweſen!

Doch das iſt eine Geſchichte, die ich Euch ein andermal erzähle, jetzt muß ich zumRetraite⸗Blaſen.

Damit nahm er die Trompete und ging in den Kaſernen⸗ hof hinaus, woſelbſt dann auch die Töne ſeines Inſtrumentes die Ouverture zu dem großen Schnarchkonzert bildeten, das kurz darauf in den Schlafſälen wie in der Wachtſtube mit der den Soldaten eigenen Virtuoſität erekutirt wurde,

Plandereien.

Auch eine Spukgeſchichte.

Ein Schornſteinfeger in einer kleinen elſäſſiſchen Stadt hatte ſeinen Neujahrsumgang gehalten und eine hübſche Einnahme er⸗ zielt. Befriedigt trat er in ein Wirthshaus, um ſich für die ge⸗ habten Mühen und Strapazen eine kleine Erholung zu gönnen, und war erfreut, dort eine Anzahl Bekannte und Geſinnungs⸗ genoſſen zu treffen. Die durch häufige Libationen belebte Sitzung verlängerte ſich über die Grenzen der von der zarten Gattin ge⸗ währten Friſt, ſodaß es der biedere Eſſenkehrer nicht für rathſam hielt, ſich zu ſeiner lieben Ehehälfte zu begeben, vielmehr das An⸗ erbieten eines Freundes anzunehmen, der ihm ein Nachtquartier in ſeinem Hauſe bot. Allein da entſtand die Frage, wo ein ſo un⸗ ſauberer Gaſt zu beherbergen ſei, da das abfärbende Koſtüm des Schwarzen mit dem weißen Linnen des in Reſerve gehaltenen Gaſtbettes nicht recht in Einklang zu bringen ſei. Glücklicherweiſe war der Mann des Schornſteines nicht ſchwer zu befriedigen und er fand bald eine mit ſeiner Kleidung übereinſtimmende Lagerſtätte. In der Stube befand ſich nämlich ein großer, aus Backſteinen er⸗ bauter Ofen; er ſchaffte die heiße Aſche heraus und legte ſich darin nieder. Der Hauswirth wußte allein davon. Des anderen Morgens machte die Magd, wie gewöhnlich, Feuer in dem Ofen. Wach geworden durch die Helle und die Hitze, ſah der genügſame Gaſt keinen Ausweg, der ihn aus ſeiner kritiſchen Lage hätte be⸗ freien können; die Magd ſchürte wacker das Feuer und machte ihm die Flucht durch die Oeffnung, die ihm als Eingang diente, zur Unmöglichkeit. Raſch entſchloſſen erhob er ſich, ſoweit es die Bau⸗ art des Ofens zuließ, ſtemmte die Arme gegen die Wände ſeiner thönernen Bettſtelle und hatte die Genugthuung, zu ſehen, wie dieſe ſeinem Drucke endlich nachgaben und auseinanderbarſten, ſo⸗ daß der Gefangene befreit war. Der gaſtfreundliche Bekannte des Schornſteinfegers, ein ehrſamer Schneider, lag noch in den Armen des Schlafes, denn die geſtrige Abendgeſellſchaft hatte ihn zu un⸗ gewöhnlich ſpäter Stunde nach Hauſe geführt; ſeine beiden Geſellen aber thronten bereits mit untergeſchlagenen Beinen auf ihrer Werkſtatt und die blanke Nadel glitt emſig durch den formloſen Stoff, ihm die Weihe künſtleriſcher Geſtalt zu geben. Als das Rumoren im Ofen begann, beſchlich die beiden Helden von der Scheere zwar ein leiſes Zittern, aber tapfer hielten ſie aus, komme auch, was da wolle. Da geſchah aber das Unerhörte; der Ofen that ſich auseinander und auf ſeinen Trümmern erſchien in ſeiner ganzen furchtbaren Majeſtät der Fürſt der Hölle, der leibhaftige Gottſeibeiuns. Mit Menſchen aus Fleiſch und Blut, und wären es auch grimme Recken, hätten die kühnen Schneider den Kampf gewagt, aber gegen den Beherrſcher der Unterwelt die Scheere zu ziehen, wäre Tollkühnheit geweſen. Nur in ſchleunigſter Flucht lag hier ihr Heil und die flinken, leichtfüßigen Geſellen beſannen ſich keinen Augenblick, in zwei Sprüngen waren ſie auf der Straße,

den Schutz aller Frommen gegen den Böſen anrufend. Dem Pſeudo⸗Satan aber war ein Auflauf im Hinblick auf ſeine liebens⸗ würdige Hälfte ſehr unerwünſcht; er retirirte daher durch den Schornſtein über die wenigen Dächer bis zu ſeiner Behauſung, die er durch die Eſſe betrat. Als die Schneider mit den Hilfstruppen anlangten, war Beelzebub verſchwunden!

In Peking, der Hauptſtadt China's, befindet ſich eine Ark Herberge für arme Leute, deren Benennung ihre innere Ein⸗ richtung ziemlich richtig andeutet. Sie heißt nämlichKimao⸗foe, zu deutſch: das Hühnerfedernhaus. Dieſe Herberge beſteht aus einem großen Saal, der ſeiner ganzen Ausdehnung nach mit einer dichten Schicht von Hühnerfedern bedeckt iſt. Dieſer Saal dient den Bettlern und Vagabonden als Nachtquortier. Mann und Frau, Jung und Alt, wird ohne Anſtand zugelaſſen und macht ſich ein Neſt in den Federn, ſo gut es eben gehen will. Anfänglich wurden an die Gäſte auch Decken vertheilt, da aber die Unter⸗ nehmer die Bemerkung machten, daß eine große Anzahl dieſer Decken zugleich mit den Schlafgäſten verſchwand, ſo erſetzten ſie dieſelben durch eine ſinnreiche Erfindung, nämlich darch eine all⸗ gemeine Decke. Sie ließen eine rieſige Filzdecke anfertigen, welche über den ganzen Saal reicht; während des Tages ſchwebt dieſelbe wie ein ungeheurer Baldachin über dem Gemach, aber Abends, wenn Alles ſich zurechtgebettet, wird ſie auf die Schläfer herab⸗ gelaſſen. Jeder derſelben ſucht ſich nun eins der vielen Löcher, mit welchen die Decke verſehen iſt, ſteckt den Kopf hindurch und ſchläft ſo gut, als es ſein Gewiſſen oder ſonſtige kleine Un⸗ bequemlichkeiten des Lebens nur immer geſtatten. f

Ein Lehrer der Naturgeſchichte ſprach über die Verdunſtung des Waſſers und erklärte daraus verſchiedene natürliche Vorgänge. Ihr werdet nun auch die Urſache wiſſen, fuhr er in ſeinem Vortrage fort,weshalb das Meer, dem doch durch die in daſſelbe mündenden Flüſſe und Ströme unaufhörlich große Waſſermaſſen zufließen, nicht überläuft; Ihr werdet Euch leicht erklären können, wo das Meerwaſſer hinkommt. Ein kleiner Knabe hob die Hand, zum Zeichen, daß er eine paſſende Antwort geben könne. Der Lehrer forderte ihn auf, zu reden.Das ſaufen die vielen großen Fiſche, die im Meere ſind, rief der Junge reſolut aus.

Lehrer:Wir haben von den chriſtlichen Feiertagen ge⸗ ſprochen; nenne mir'mal ein hohes Feſt unſerer Religion, Trau⸗ gott! Traugott:Wenn Kirmes is. Lehrer:Warum nicht gar! Du großer Junge könnteſt das doch wiſſen. Sogar der kleine Fritz wundert ſich über Deine alberne Antwort. Sag's ihm mal, Fritz, was ein hohes Feſt der Chriſtenheit iſt! Fritz (ſchnelhl:Schweinſchlachten!

MH

Verantwortlicher Redakteur: Otto Freitag in Dresden. Verlag von Otto Freitag in Dresden. Druck von F. W. Gleißner in Dresden