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Concordia.
Während Frau Elsner der Tochter das Gewünſchte reichte, fuhr Franz von Salfeld fort:
„Wer iſt denn der Glückliche, für den Sie dieſe allerliebſte Arbeit beſtimmen?“
„Es iſt ein Ruhekiſſen für meinen Vater,“ antwortete Agnes, ohne aufzuſehen.
„Fürwahr, Niemand als der Vater dieſer Grazie darf es wagen, ſich dieſes Meiſterſtückes des feinen Geſchmacks zu be⸗ dienen.“
„Ei, ei, Herr von Salfeld, Sie ſind heute wieder geneigt—“ entgegnete Frau Elsner.
„Das ſchwöre ich!“ unterbrach er ſie,„lebten wir noch in der goldenen Zeit der Minne oder wären Ihre Anbeter Fürſten, ſchönſte der Grazien, und einer würde mit dieſem Geſchenke beglückt, fürwahr, das könnte blutige Kriege ver⸗ anlaſſen.“
Etwas indignirt entgegnete Agnes:
„Sie können doch unmöglich glauben, Herr von Salfeld, daß dieſe Uebertreibungen gefallen; warum alſo—“
„Uebertreibungen?— Sie ſagen„Uebertreibungen“, an⸗ gebetetes Fräulein? Iſt nicht die Gunſt der Schönen—“
Der Eintritt Edgar's, des älteren Mündels Elsner's, unterbrach ihn. Er wurde faſt von Allen der finſtere Grillenfänger genannt; allein ein Blick auf das zwar etwas blaſſe, doch ebenſo intereſſante als intelligente Geſicht wider⸗ legte auf den erſten Blick, daß Edgar nicht Der war, wofür ihn die Menge hielt.
Er verneigte ſich mit der dem Manne von Bildung eigenen Grazie gegen Mutter und Tochter, ſowie etwas kalt gegen den Referendar, dann fragte er:
„Iſt Herr Elsner nicht zu Hauſe?“
„Nein, Edgar,“ entgegnete die Dame,„er iſt—“ Sie zog ihn etwas bei Seite und gab ihm zu verſtehen, wie unan⸗ genehm ihnen der Beſuch des Referendars ſei.
Inzwiſchen hatte ſich dieſer Agnes genähert und flüſterte ihr zu:
„Paſſen Sie auf, Angebetetſte, jetzt ſollen Sie einen Spa erleben; ich will den finſteren Grillenfänger perſifliren, 5 vor Angſt ſchwitzen ſoll.“
Und ohne auf den bittenden und verweiſenden Blick des Mädchens zu achten, begann er: 3
„Mein Herr Edgar Walther, ich habe die Ehre, mein Kompliment zu machen.“
„Worüber?“ fragte Edgar kalt, indem er den Referendar mit ernſten Blicken maß.
Dieſe in eigenthümlich ſcharfem Tone ausgeſprochene Frage verwirrte den Referendar ſo ſehr, daß er ſtammelte:
„Ueber— ei— nun, darüber— daß ich das Vergnügen habe, Sie zu ſehen—“
Etwas ironiſch entgegnete Edgar:
„Das war eine treffliche Definition von einem Kom⸗ plimente.“
„Ich habe die Ehre, daß Ihr Herr Bruder Arthur mit mir in ſehr genauer Freundſchaft ſteht.“
„In ſehr genauer, ſagen Sie?“
„Gewiß, in ſehr genauer.“
„Das iſt das erſte Mal, daß nauigkeit rühmen höre.“
. Ihnen
ich meines Bruders Ge⸗
„Aber ſagen Sie mir nur, lieber Herr Walther, warum man Sie ſo ſeltſam ſieht?“
„Damit man mich nicht zu oft ſieht.“
„Das iſt Alles löblich und gut, aber mon cher, Sie ſperren ſich zu Hauſe ein wie ein Eremit, das iſt ja ganz gegen Ihre Jahre, gegen Ihre Beſtimmung.“
„Sie haben alſo über meine Beſtimmung ſchon nachgedacht?“ fragte, ſich ſcheinbar unterordnend, Edgar.
„Pah!“ fuhr der Referendar fort,„was braucht's da viel Nachdenkens; warum bewerben Sie ſich nicht um ein Amt, warum kaufen Sie ſich nicht einen Titel, warum be⸗ mühen Sie ſich nicht um Protektion?— ich würde gern bereit ſein, etwas für Sie zu thun,“ fuhr er mit Prätenſion fort,„zumal ich in dieſen Tagen meine Ernennung zum Hof⸗ rath erhalten werde.— Sie könnten bei Ihrem großen Vermögen längſt einen Titel haben.“
Ueber Edgar's Geſicht flog ein ironiſches Lächeln, entgegnete:
„Sie fragen viel auf einmal und ich will verſuchen, Ihnen Alles zu beantworten.“
„Nun?“
„Die Antwort, warum ich mir keinen Titel kaufe, liegt bereits in Ihrer Frage.“
„Wie ſo?“
„Weil dieſe Dinge eben zu kaufen ſind.“
Ein lautes Lachen mußte die Verlegenheit des Referendars verdecken, und zwiſchen demſelben rief er:
„Hahahal eine ſchöne Moral! Sie hätten ſollen Theologie ſtudiren und Prediger werden.“
„Sehen Sie, in gewiſſer Rückſicht,“ fuhr Edgar fort,„finde ich Titel und Rang ſo übel nicht—“
„Aha, Sie geben ſchon nach!“ rief Franz, die Dande reibend.
„Ein gekaufter Titel giebt die beſten Verhältniſſe für einen Dummkopf.“.
„Wie ſo?“.
„Weil ſchon kein ehrharer Mann ihn mit der Frage be⸗ läſtigen wird: Freund, warum ſtehſt Du da?— Und Rang? — O, der iſt oft— das wiſſen Sie, ein probates Mittel, den
Schurken vor der wohlverdienten Strafe zu ſchützen.— Die Antwort auf Ihre übrigen Fragen erlaſſen Sie mir wohl?“ Und ſich zu den Damen wendend, ſchloß er:„Ich bitte, mir die trockene Unterhaltung, die ich, wenigſtens in Ihrer Gegen⸗ wart, gern vermieden hätte, verzeihen zu wollen.“
Er verneigte ſich und wollte gehen; doch der Neferendar hielt ihn unter lautem Lachen feſt und ſprach:
„Ich will Ihnen doch einen Titel geben, Herr Walther; Sie ſollen von jetzt ab Walther Sirach heißen.“
„Kennen Sie Sirach?“ fragte Edgar kalt.
„Gewiß! ich habe ihn oft geleſen.“ Und wieder brach er in lautes Lachen aus.
„Und doch haben Sie einen ſeiner Kernſprüche vergeſſen.“*
„Der wäre? Hahaha!“
„Ein Weiſer lächelt, ein Narr lacht überlaut!“ Er ver⸗ neigte ſich und ging.
„Iſt es nicht jammerſchade, daß er ging?“ wandte ſich Edgar an Frau Elsner,„er verdirbt uns einen Hauptſpaß!“,
„Das Lachen iſt doch eben nicht auf Ihrer Seite,“ entgegnete dieſe etwas kalt.
als er


