Jahrgang 
1 (1879)
Seite
18
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Concor di

Endlich weckte ſie der Schall feſter Tritte, die aus dem Nebenzimmer drangen, aus ihrem Sinnen.

Raſch erhob ſie ſich und trat nach leiſem Klopfen an die Thür in das Arbeitszimmer ihres Mannes, des Kaufmanns Elsner.

Dieſer ſaß bereits vollſtändig angekleidet an ſeinem Schreib⸗ tiſche und fügte einem eben beendeten Briefe die Unt erſchrift bei, als ſeine Gattin eintrat.

Elsner war ein Mann von ſechsundvierzig Jahren. Seine etwas ſchmächtige Figur war leicht nach vorn gebeugt, wie man es ſehr oft bei Leuten findet, die ſich einer anſtrengenden Thätigkeit mit vollem Eifer hingeben. Den ausdrucksvollen Kopf bedeckte ein halbergrautes Haar, welches die hohe, breite, auf Energie und Muth deutende Stirn vollſtändig zeigte.

Guten Morgen, Karl! redete ihn die Frau freundlich an, indem ſie ihm die Hand reichte;bekommt man Dich heute gar nicht zu ſehen?

Er reichte ihr, ohne von dem vor ihm liegenden B aufzuſehen, die Hand und ſie erwiderte kurz:

Ich komme Dir wohl ungelegen, lieber Mann? Du haſt Geſchäfte, die

Eben beendigt ſind, entgegnete Elsner, indem er, die Feder weglegend, aufſtand.

Du biſt erregt, Karl! Haſt Du Verdruß ge

Ja, geärgert habe ich mich über

Ueber wen?

Ueber meinen leichtſinnigen Mündel Arthur Walther. Weil es gegen mein Gewiſſen iſt, lüderlich gemachte Schulden zu bezahlen, ſo hat ſich der Patron hinter den Geheimrath von Salfeld geſteckt, und dieſer iſt dreiſt genug, von mir zu verlangen, daß ich den Wünſchen des leichtſinnigen Menſchen

entſprechen möge.

Nun? fragte die Frau ängſtlich.

Die hohen Verwendungen in Ehren aber ich zahle nicht.

Es iſt freilich unrecht von dem Geheimrath, ſich in dieſe Angelegenheiten zu miſchen, allein

Er ließ ſie nicht vollenden, ſondern fuhr erregt fort:

Kommt geſtern Abend ein Brief von dem Geheimrath ich ſoll in dieſen Tagen zu ihm kommen und meine Vormund⸗ ſchaftsrechnungen zur Durchſicht mitbringen.

Und was denkſt Du zin thun?

Elsner griff ſtatt einer Antwort nach dem vor ihm liegen⸗ den Briefe und las mit feſter Stimme:

Hochwohlgeborener Herr Geheimrath!

Die Weigerung, meines Mündels leichtſinnig gemachte Schulden zu bezahlen, iſt den Umſtänden, meinem Gewiſſen und meinen Pflichten gemäß. Von dieſem Allen wie von meiner mühſamen Verwaltung bin ich ſtets bereit am ge⸗ hörigen Orte Rechenſchaft abzulegen; ſonſt aber, wenn man übler Laune oder aus anderen unlauteren Gründen meine Redlichkeit in Zweifel zieht, nicht gehalten, mich ar lich zu vertheidigen.

Er legte den Brief zuſammen und couvertirte ihn r die Adreſſe ſchrieb, ſprach Elsner mit Inruhe:

Mich dünkt, böſchlagen ſollen.

Warum nicht?

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Du hätteſt es dem Geheinrathe doch nicht

Er iſt ein mächtiger Mann

Thut nichts!

Er haßt uns! Du weißt, daß er jede Gelegenheit be⸗ nützt, uns zu ſchaden. Er hat Argwohn, daß Du den Schreiber angeſtifteſt haſt, der ihn neulich des Unterſchleifes beſchuldigte Du weißt, er haßt unverſöhnlich, Was haſt Du ſeinen argliſtigen Ränken entgegenzuſetzen?

Elsner richtete ſich ſtolz auf und ſprach:

Ehrlichkeit! mein Herz und die gute Abſicht! Erſt durch Mißbrauch des obrigkeitlichen Anſehens mein Gewiſſen betäuben, und da das nicht fruchtet, meine Ehre kränken, das iſt ſchlecht!

Wäre es nur wenigſtens mit beſſerer Art geſchehen, lieber Mann. Du weißt, daß er Dir erſt neulich Deiner Heftig⸗ keit wegen das große Kapital kündigte und

Meiner Heftigkeit wegen? rief bitter lächelnd der Mann. Da kennſt Du den Schleicher noch ſchlecht nein, er kündigte es mir nur, um es gegen höhere Zinſen unterzubringen, vielleicht auch, um es gegen jüdiſche Zinſen durch dritte Hand meinem Mündel Arthur zu leihen

Gerade wegen Arthur iſt es mir nicht lieb, daß Du ſo heftig biſt es giebt nachher ſo unangenehme Verhältniſſe, denn Arthur ſcheint ſeit einiger Zeit gegen unſere Tochter Agnes nicht unempfindlich zu ſein.

Und Agnes? fragte mit faſt ängſtlichem Blick Elsner.

Sie iſt ihm herzlich zugethan!

Daß Gott erbarm'!

Was haſt Du?

Er ſcru haſtig im Zimmer auf und ab, dann ſprach er:

Hat es mir doch geahnt! Hab' ich es doch gefürchtet! Deshalb ſchleicht das Mädchen um mich herum, als ob es ein böſes Gewiſſen hätte darum iſt ſie, als ob ſie nicht mehr zu mir gehörte! O, mein Gott, mein Gott, hat mir die unſelige Vormundſchaft nicht Entſagung genug ge⸗ koſtet, hat ſie mein Leben nicht durch Sorge und Aerger gekürzt? Hab' ich ihr nicht Freuden genug geopfert, muß ich ihr auch mein einziges Kind noch opfern?

Aber ich ſehe nicht ein, wie Du

Das glaube ich! unterbrach ſie Elsner,ſonſ ſtündeſt Du nicht ſo ruhig da.

Je nun, was iſt es denn, das Dich ſo ſehr erſchreckt? Daß er lebhaft iſt, zu Zeiten etwas wild nun mein Gott, er iſt jung!

Lebhaft, wild, jung! rief heftig der Mann,nein! Sittenlos, ausſchweifend, heuchleriſch, falſch! ſo iſt Arthur Walther! Und dieſer ſoll der Mann für mein Kind ſein, dieſem ſoll ich meine einzige Tochter geben, wenn ich aus der Welt gehe? O, haſt mir eine ſchlimme Neuigkeit ge⸗ bracht!

Daß Du doch Alles von der ſchwärzeſten Seite ſiehſt!

Er iſt leichtſinnig, gut; indeſſen die Liebe wird ſeine Aenderung 74.

bewirken Aendern,

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er?

Gewiß! Ich hoffe es lieber von ſeinem Leichtſinn, als von dem ichwarzon Charakter Edgar's. nem guten, ehrlichen Edgar? Frau, läſtere den wackeren Mann nicht! Ja, wenn Du mir die Nachricht gebracht hätteſt, daß ſie den liebte o Gott,

Na 1 Bon m