Jahrgang 
1 (1879)
Seite
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Seiten die Anſicht gehört, daß Deine Praxis ſich bedeutend erweitern würde, wenn Du eine Frau hätteſt.

Dafür müßte ich mich ſchönſtens bedanken; meine jetzige Praxis fordert jetzt ſchon mehr von mir, als ich leiſten kann. Auſtin äußerte vor Kurzem auch, wir müßten im nächſten Jahre jedenfalls Hilfe ſchaffen, wenn meine Praxis ſich noch erweitern ſollte. Und Du wünſcheſt ſie noch größer für mich?

Na, um endlich den Nagel auf den Kopf zu treffen, es iſt immerhin doch achtbarer für einen Mann, ſeine eigene Frau zu haben, als

Als den Frauen Anderer die Cour zu machen, fiel Ulih lachend, doch heftig in's Wort,darin gebe ich Dir voll⸗ kommen Recht, doch weder das Eine, noch das Andere iſt nach meinem Sinne..

In dem Augenblicke trat ein Bedienter in's Zimmer und übergab Ulih mehrere beſchriebene Zettel, und zugleich kam Marcia's Kopf in der Thür zum Vorſchein.

llih, darf ich Euch Kaffee beſorgen?

Ja, gewiß, Marcia, baldmöglichſt; ich muß gleich aus⸗ gehen.

Miß Ford trat herein und ſagte beſorgt:

Doch nicht heute Abend noch, bei dieſem Wetter?

Das kann mich nicht zurückhalten, ich muß. Bertram, Du entſchuldigſt wohl gütigſt mein Verſchwinden, Du weißt ja, daß ich nicht ſäumen darf; in einer Stunde hoffe ich, zur Fortſetzung unſeres Geſprächs wieder hier ſein zu können.

Das ſoll mich freuen, ich fahre erſt nach neun Uhr fort.

Während meines Wegſeins bleibt Marcia hier und ver⸗ treibt Dir mit Neuigkeiten aus Rockbury die Zeit. Wheeler, gieb mir den Mantel, ſagte Ulih, und rüſtete ſich, den dampfenden Kaffee verſchmähend, zum Ausgehen.

Aber Ulih, Du wirſt bei dieſem böſen Wetter doch nicht

wirklich an Ausgehen denken, gerade jetzt, wo das Flußfieber

ſo häufig auftritt; warum ſchickſt Du Auſtin nicht aus? Darauf antwortete Ford weiter gar nicht, ruhig ließ er

ſich ſeinen dicken Mantel umhängen und ergriff Hut und

Stock; doch Marcia beruhigte ſich nicht und rieth ihm, dann

doch zum weuigſten den Weg zu Wagen zu machen.

Und die armen Pferde ſollten bei Sturm und Regen

draußen halten? das fehlte noch! Adieu, Ihr Beiden,

höchſtens für eine Stunde; kommt noch weitere Nachfrage, ſo muß Auſtin micc vertreten.

Damit ging er, nachdem er Wheeler noch einige Worte zugerufen.

Wenn ihn ſein Dienſt ruft, läßt er ſich durch nichts zurüchalten, ſagte William Bertram nach Ulih's haſtigem

Fortgehen, während Marcia ſich einen Stuhl dem Kamin

näher zog.Ich war eben dabei, ihn zum Heiraten zu be⸗ reden, doch ich fürchte, er denkt nicht daran.

Dieſe Worte verſetzten Marcia in ein nicht geringes Er⸗ ſtaunen, mit weitgeöffneten Augen ſah ſie Bertram an. Wer ſie in dem Augenblick geſehen hätte, würde ſie nie für Ulih's Schweſter gehalten haben. Ihr Weſen war eckig, ihr Blick ſcheu und durchdringend, die Stimme nicht wohllautend; ſie hatte eine ähnliche Charakterfeſtigkeit wie Ulih, bei ihr artete dieſe nur oft in Eigenſinn aus; ihre ſtarke Seite war, das Haus in Ordnung zu halten und darin mit Sorgfalt und Sparſamkeit zu walten.

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Ulih war ihr ganzer Stolz; wenngleich er einige Jahre jünger war als ſie, ſo war ſie doch nicht ohne Furcht vor ihm, und Bertram's Kühnheit ſetzte ſie wahrhaft in Erſtaunen. Der Gedanke an die Möglichkeit einer Verheiratung des Bruders und daran, daß ſie jemals die Herrſchaft in ſeinem Hauſe abtreten müßte, war ihr unerträglich. Früherhin war er wohl einmal aufgetaucht, nun aber ſchon ſeit Jahren nicht mehr..,

Wie können Sie darüber ſo ſehr erſtaunen? fragte Bertram, als er den Eindruck ſeiner Aeußerung bemerkte. Fänden Sie denn etwas ſo Abſonderliches darin, wenn Ulih ſich verheiratete?

Was ſagte er denn dazu? war ihre einzige Erwiderung.

Nun ja, er er wollte nichts davon hören. Keines⸗ falls waren wir in dieſer Beziehung derſelben Anſicht. Worin, meinen Sie, liegt wohl der Grund ſeiner Abneigung? fuhr er fort, ohne ihr Staunen zu berückſichtigen;ſollte er wirk⸗ lich die alte Geſchichte noch nicht vergeſſen haben?

Welche alte Geſchichte?

Nun, ſeine Verlobung damals mit ſeiner Couſine Halſtedt.

Die iſt ja lange Frau Fleming! Ich glaube, es ſpukt bei Ihnen im Oberſtübchen, wenn Sie an die Nachwirkung von Ereigniſſen glauben, die vor faſt vierzehn Jahren geſpielt haben.

Bei manchen Herren, entgegnete Bertram nachdentlich, machen vierzig Jahre keinen größeren Unterſchied als vier⸗ zehn oder vier.

Dies ſtimmte Marcia offenbar heiter.Nehmen Sie es mir nicht übel, Herr Bertram, ich finde es abſurd von Ihnen, wenn Sie glauben, daß Ulih noch an jene Dinge denkt; ich verſichere Ihnen, ſeit jener unglücklichen Geſchichte hat er den Namen der Dame mit keiner Silbe erwähnt, ich glaube ſogar, er hat nie wieder an ſie gedacht. Wenn ſie meinen Bruder ſo genau kennen würden, wie ich, ſo würden Sie anders ſprechen. Darum grämt er ſich nicht mehr!

Es freut mich, dieſes von Ihnen zu hören.

Ulih iſt mit Leib und Seele Arzt, fuhr Marcia pathetiſch fort,und ich hoffe, daß ich es nicht erlebe, daß ihn Jemand ſeinem Berufe abtrünnig macht. Glücklicher als er jetzt iſt, kann er nicht werden, unter anderen Verhältniſſen könnte er leicht ſein Glück einbüßen.

Da Bertram hierauf nichts zu erwidern wußte, ließ er das Thema fallen.

Inzwiſchen ſchritt Ulih Ford unverdroſſen durch Wind und Wetter auf ſeinem Wege zu verſchiedenen Patienten vor⸗ wärts; der Abend war dunkel und kalt. Doktor Ford ver⸗ muthete wohl, daß die Urſachen, um deretwillen er gerufen war, nicht ſo ſehr dringlich ſein würden, doch er würdigte ſeinen Beruf vollkommen und gab ſich ſeinen Pflichten ſo ſelbſtverleugnend hin, daß kein Murren in ihm aufkam. Zuerſt ging er nach der Wohnung ſeiner Couſine Julia, die ihn hatte bitten laſſen, ungeſäumt zu ihr zu kommen.

Lady Otho Vivian war diejenige Schweſter Ciſſy's, die in ihren jüngeren Jahren die größte Aehnlichkeit mit ihr gehabt hatte, und Doktor Ford ließ ihre Botſchaften nie, auch nicht bei den geringfügigſten Gelegenheiten, unberückſi

Eiſſy

ückſichtigt. Nun, Julia, ſagte er freundlich, als er bei ihr hoffentlich geht es Euch Allen doch gut?

eintrat.