———
14 —
den Triebfedern ſeiner Handlungen zu ſuchen.
gegeben, nach Er war und blieb für ſie ein verſchloſſenes Buch, zu dem der Schlüſſel verloren gegangen war.
2 a pitol
on.
Doktor Ford uner ſeinen Gatienten.
Eine dunkle, ſtürmiſche Nacht lagerte ſich auf Rockbury; von der Seeſeite her kam ein ſchneidender, kalter Wind und trieb den in Strömen herabfallenden Regen faſt horizontal gegen die durch die Straßen eilenden, vereinzelten Wanderer, die Frauenkleider flogen hoch auf, Schirme und Regenmäntel waren unnütz und unanwendbar.
In dem behaglichen Speiſezimmer des Doktors Ford waren
die rothen Vorhänge heruntergelaſſen, und wir ſehen ihn ſelbſt dort gemüthlich plaudernd mit ſeinem Freunde Bertram hinter einer Flaſche Wein. Das Zimmer war nur von mittler Größe, das Haus war überhaupt nicht groß; geräumige Wohnungen ohne Familie liebte er nicht, ſie ſchienen ihm öde. Die Einrichtung jedoch war gewählt, alle Gebrauchs⸗ und Luxusgegenſtände zeugten von dem gediegenen Geſchmack des Beſitzers, und man behauptete in Rockbury, er wäre ver⸗ ſchwenderiſch dabei zu Werke gegangen. Inſofern hatte man recht, als er kein Geldopfer ſcheute, wenn es galt, einzelne Stück in Glas, Porzellan oder Ebenholz zu erlangen, die ihr beſonders gefielen. aber ein Tribut, den er weniger ſeinem Hange zun rus als ſeinem Eigenwillen zollte, indem es ihn verdroß, um einer hohen Forderung willen auf
etwas verzichten zu ſollen.
Dieſes war n Luxus Wie wenig Werth er überhaupt auf den Beſitz ſolcher koſtbaren Kunſtſchätze legte, trat bei mancher Gelegenheit deutlich hervor, ſo brauchte zum Beiſpiel einer ſeiner Freunde nur ſein beſonderes Gefallen über einzelne Stücke auszudrücken, und es ließ ihm keine Ruhe, bis er ſie. ihm zugewandt.
Ulih ſtand mit dem Rücken an den Kamin gelehnt, ſeine Erſcheinung war, ohne gerade hübſch zu ſein, doch der Art, daß ſie auf Jedermann einen angenehmen Eindruck machen mußte. Er war mittlerer Größe, breit und fräftig gebaut
ſeinen Jahren verlangt, ſchmackvoll, doch nie geckenhaft. Seine Stirn war hoch und offen, doch häufiger ernſt und in Falten, als heiter und ſorg⸗ los; Naſe und Kinn waren ziemlich ſtark, in ſeinen Lippen prägte ſich Entſchloſſenheit aus. Einzelne hielten dieſe wohl für Eigenſinn, doch Die hatten es nie geſehen, wie ſeine Mienen ſich aufhellten, wenn ihn die Kinder umſchmeichelten; ſeine Züge hätten für gewöhnlich ſtreng genannt werden können, wenn nicht in ſeinen Augen eine eigenthümliche Milde, faſt Schwermuth gelegen hätte. Bei dunklem Haar endlich trug unſer Held nur wenig Bart, und ſein ganzes Weſen war würdig und vertrauenerweckend.
Der Freund, der mit ihm plauderte, war ſehr verſchieden von ihm. William B hatte urſprünglich auch die Ab⸗
Bertram h ſicht gehabt, ſich zum Arzte auszubilden, und war zugleich mit Ulih Ford zur Univerſität gegangen, doch Mangel an Energie und unüberwindliche Trägheit machten ihn zu dieſem Stande untauglich; ſo wählte er hierfür den geiſtlichen. Faſt in demſelben Alter wie ſein Freund, war er lang und hager, Haar und Augen waren auch dunkel, doch ohne Glanz und
Concordia.
Leben, der Mund ſtets geöffnet und lächelnd. Beim Beginn
unſerer Erzählung bekleidete er den Poſten eines Rektors und Pfarrers zu Orley, einem kleinen Dorfe etwa fünfzehn Meilen von Rockbury. Sein intimes Verhältniß zu Ulih Ford aus früheren Jahren hielt er ſtets aufrecht und kam daher oft unangemeldet mit der Eiſenbahn, um einige trauliche Stunden mit ſeinem alten Stubenkameraden von der Univerſität zu verleben. So war er auch heute gekommen, und wir ſehen die beiden Freunde nach Tiſch, nachdem Ulih's Schweſter ſich zurückgezogen hatte, vergnüglich hinter der Weinflaſche.
„Ford, ſag' mir, warum in aller Welt heirateſt Du nicht?“ rief William Bertram plötzlich aus, als der Freund am Kamin vor ihm ſtand.
Es gehörte ſchon ein nahes Verhältniß zu Ulih Ford dazu, um mit einer ſo kühnen Frage an ihn heranzutreten; Niemand ſonſt in Rockbury würde ſie gewagt haben, und Mancher hätte ſich lieber die Zunge abgebiſſen, als ſie aus⸗ geſprochen.
Ruhig hob Ulih ſein Glas Sherry vor das Licht und be⸗ trachtete es ſich einige Zeit, ohne zu antworten; er fühlte ſein Erröthen, wollte dieſes jedoch gern verbergen, endlich er⸗ widerte er:.
„Könnte ich Dir dieſe Frage nicht zurückgeben?“
„Ja, gewiß!— Die Antwort darauf will ich Dir auch nicht ſchuldig bleiben; ich heiratete lieber heute wie morgen, fürchte nur, die jungen Damen, denen ich die Zumuthung ſtellte, den Reſt ihrer Tage an meiner Seite im Pfarrhauſe zu Orley zu verleben, würden ein ſehr langes Geſicht ziehen.“
„Nun, Dein Haus iſt ja doch ſehr behaglich.“
„Einem Junggeſellen genügt es wohl, um aber mit einer Familie zu leben, reicht meine Einnahme von vierhundert Pfund Sterling nicht aus, und Ausſichten auf Verbeſſerung ſind eben nicht vorhanden. die Du haſt; Du kommſt ja mit allen Damen in Rockbury in Berührung.“
„Das iſt wohl ein kleiner Irrthum, ich ſehe die Damen faſt nie; um geſellige Vergnügungen mitzumachen, iſt meine Zeit zu ſehr in Anſpruch genommen.“
„Bei alledem wäre es für Dich aber ſehr gut, wenn eine Frau Dir zur Seite ſtände.“
„Warum denn? Ich wüßte nicht, daß es für mich gerade ein beſonderer Gewinn wäre; meine Schweſter beſorgt meinen Haushalt auf's Beſte.“
„Mag ſein, es iſt aber doch ein ander Ding, wenn eine Frau im Hauſe iſt.“
„Nicht für mich!“ lachte Ulih;„Marcia miſcht ſich nie in meine Angelegenheiten und iſt immer gleich bereit, meinen Wünſchen nachzukommen, während eine Frau aller Wahr⸗ ſcheinlichkeit nach ſtets beſtrebt ſein würde, meine Geheimniſſe auszuſpähen, und dann noch nebenher ſchlechter Laune werden würde, wenn ich ihr meine Zeit und Aufmerkſamkeit nicht ungetheilt widmen könnte. Dem Manne, den ſein Beruz den größten Theil des Tages nach auswärts ruft, bleibt für
Frau und Kind zu wenig Zeit.“ „Die Welt denkt anders, man hat nun einmal ein Vor⸗
urtheil gegen unverheiratete Aerzte. Bei dieſer Gelegenheit will ich Dir nur ſagen, daß ich hier ſchon von mehreren
Mir fehlk auch die Gelegenheit,
——
—


