Conco dia.
Haufig d grode un d rücſich hesloſe Leute, war eauch Doktor Rohr⸗
beck ſehr empfindlich, wenn man ähmn in ſeiner eigenen Tonart entgegenkat obwohl er ſich meiſtens ſtellte, als lege er kein Gewicht darauf. Römer, der dies wußte, lächelte ſchalkhaft. „Und nennt ſich Sr zweites Rezept?“ fragte er, „hoffentlich klingt es weniger ſchroff wie das erſte!“ „Deshalb muß es auch pünktlich befolgt werden!“ rief der Doktor, wieder lebhafter werdend,„und es lautet: Sie gehen in den nächſten Tagen mit Frau, Kind und Kegel nach Lo⸗ math hinaus und baden dort zwei Monate Luft. Dann gehl's an den Strand, in's Seebad. dem Bade kehren Sie wieder auf das Gut zurück und ſpielen dort bis zum Herbſte Jäger oder Landmann, Verwalter, meinetwegen auch Acker⸗ knecht, es würde am nachhaltigſten wirken. Haben Sie Alles durchgemacht, mögen Sie ſchließlich wieder thun, was Sie wollen!“
„Diesmal ſind wir einig!“ antwortete der Bankier ſchnell, „ich werde ſchon in drei oder vier Tagen nach Lomath hinaus⸗ gehen und Ihrem Rathe folgen; es war ſchon ſeit vier Wochen beſchloſf ſene Sache!“
Der Doktor ſtutzte und prüfend von der Seite an.
„Es war beſchloſſen, ohne daß zogen wurde?“ fragte er endlich d,w
Der Bankier erröthete leicht.
„Sie haben mir ſchon ſeit fünf Jahren ſtets daſſelbe ver⸗ ordnet,“ antwortete er,„und zum Ueberfluß hat es mir meine natürlich auf Jhr te Veranlaſſung, hinreichend wieder⸗ mich daran zu gewöhnen. Doch wollen Sie nicht nehmen? Laſſen Sie uns noch ein wenig
wie
Aus
genau ſeinen Patienten mißtrauiſch
deshalb zu Rathe ge⸗
Frau,
holt, um
endlich Platz
diai daune
Der Doktor hatte nämlich ſeinen Hut, den er vorhin auf
den Tiſch geſteltt, wieder ergriffen und ſchien auf dem Sprunge zu ſtehen.
„Heute nicht— nein!“ antwortete er auf die Frage Römer's,„meine Kranken warten und ich habe Ihnen ſchon mehr Zeit geſchenkt, als ich verantworten kann. Sie haben kein Verraet vor Anderen!“
„Darauf mache ich auch keinen Anſpruch!“ erwiderte Römer, „hoffentlich aber werden Sie uns in Lomath recht oft be⸗ ſuchen. Ihnen dürfte ebenfalls ein wenig Sommerfriſche nöthig ſein!“—
„Bah!“ meinte d mit mir ausſehen, wenn ich darauf angewieſen ſein ſollte!“
„Somit ſchmähen Sie ja Ihre eigene Verordnung, Doktor!“ umes Zeug; was dem Schneider nöthig wird, braucht der Grobſchmied nicht!“
„Relter Vergleich!“ rief der Bankier lachend;„dabei fällt mir ein— was haben Sie denun mit Ihrer göttlichen Grob⸗ heit wieder für einen Streich in Szene geſetzt?“
Doktor Rohrbeck hatte ſchon einige Schritte nach der Thüre gethan, kehrte jetzt jedoch wieder zurück.
„Nun— was giebt’s denn?“ meinte er ſichtlich ärgerlich, „aber ſchnell, wenn ich bitten es brennt mir unter den Sohlen!“
„Sie ſollen da kürzlich zu einem Herrn ſo und d ſe gerufen worden ſein, un il finden
amilie
„Dun
rr( P darf, Sie ſehen,
in bei eine m Schlaganfalle Hil du leiſten,
jaaunernden
auch den ſtöhnonden Kranken, von der umgeben— iſt es, wie ich ſage?“
Doktor achſelzuckend,„es würde ſchlimm
ſcheinen des Doktors aus der Hand gelegt hatte.
„Nur weiter!“ rief der Doktor ungeduldig,„noch ſehe ich nicht ab, wo das hinaus ſoll!“
„Ja, lieber Rohrbeck, wenn Sie zornig werden, weiß ich nicht recht, wie ich das hübſche On dit wiedergeben ſoll. Aber ich werde mich bald nicht mehr wundern, wenn es heißt, daß Sie Todte erwecken können oder wenigſtens zu dem erſten beſten ſchwerleidenden Patienten geſagt haben ſollen:„Stehe auf, Dir iſt bereits geholfen!“ und zwar mit vollſter Wirkung!““
„Kommen
Sie mir nicht mit bibliſchen Anpielungen, err; ich denke, Sie wiſſen doch—“
— daß Sie ein Heide ſind?— gut! Alſo Ihre klaſſiſch⸗ koſtlic che Darſtellung und Beurtheilung des Befundes ſoll ge⸗ lautet haben:„Herr, ſchämen Sie ſich, Ihre Familie ſo zu ängſtigen! Soſort auf und an Ihre Geſchäfte!“— und der Kranke ſtand auf, und ſo weiter!“
„Iſt das wirklich nur nacherzählt oder eigene Dichtung?!“ rief der Doktor mit grimmigem Geſicht.
„Aber lieber Rohrbeck, Sie werden mir doch nicht zu⸗ trauen—“.
„Na— dann ſagen Sie nur Ihrem Berichterſtatter, er ſolle ſich wegen Vidimirung ſeines ungereimten Epos direkt an mich wenden; und daß Sie über ſolchen Blödſinn lachen können, iſt ein Beweis—“
„Mein Gott, was wollen Sie denn, ſtets Ihr dringendes Verlangen,
„Allerdings— nur nicht auf meine Koſten!
Doktor? Es iſt ja mich heiter zu ſehen!“ Adieu!“
Der Doktor ſtülpte ſeinen Hut auf und ſtürmte, von einem neuen Lachen Römer's verfolgt, hinaus; er ſchien wirklich er⸗ zürnt zu ſein..
Dieſer Schluß des ärztlichen Beſuches hatte auf Römer ſichtlich eine günſtige Wirkung ausgeübt; er lächelte noch einige Zeit vor ſich hin, nachdem er Platz genommen, langte dann aber von neuem nach den Papieren, die er beim Er⸗ Ehe er ſich jedoch weiter mit denſelben beſchäftigen konnte, mard die Thür nochmals geöffnet und Paul, der Diener, trat in das Zimmer.
Paul hatte in dieſem Augenblicke nichts von einem Schleicher an ſich. Er trat im Gegentheil ganz dreiſt auf und ſchien augenblicklich den unbeholfenen Tölpel ſpielen zu wollen. Erſt als er dicht vor Römer angelangt war, hemmte er ſeinen klotzenden Schritt und blickte jenem frech in das Antlitz.
„Haben Sie gerufen?“ fragte er patzig, ohne dem Herrn die gebührende Anrede zu gönnen.
Der Ausdruck in den Zügen Römer's veränderte ſich, ſo wie der Menſch im Zimmer erſchien. Jeder ruhige, zufriedene oder heitere Anflug verſchwand aus ſeinem Geſichte; die Stirn ward finſter und das Auge drohend. Die flegelhaft hervor⸗ gebrachte Frage des Dieners ſchnellte die hohe Geſtalt des Bankiers vom Stuhle empor und Beide ſtarrten einander an.
Faſt zwei Minuten hindurch ſchien es, als ſei das Aergſte zwiſchen Herrn und Diener zu befürchten. In dem Auge des Letzteren flimmerte es wie in demjenigen des Raubthieres, welches im Begriffe iſt, dem gefürchteten Bändiger an die Kehle zu taßten. Römer's Stirnadern traten ſtark hervor und ſeine geballte Fauſt ſchien jeden Augenblick hoch gehen zu wollen, um hinterher ſchwer auf das Hauot des frechen Patrons niederzufallen.


