18
3 1
gemach giebt und Hinderniſſe für treue Liebende, kann doch noch Alles gut werden, wenn Ihr auf mich hören wollt.“
James lachte und warf der Alten ein Silberſtück zu.
„Zeigt mir Eure Hand, artiger Gentleman,“ drängte ſie nach einer Reihe von Dankſagungen und Segnungen,„Eure linke Hand. Ja, da iſt der Venusberg und nicht eine häßliche Linie kreuzt ihn— Ihr habt einen langen Daumen, mein hübſcher Gentleman, lang zwiſchen dem erſten Gliede und dem zweiten— das bedeutet Kraft des Willens, denn der Daumen iſt Jupiter und regiert das Haus des Lebens. Nehmt Eure Hand nicht weg, hübſcher Gentleman. Laßt mich die Linie—“
„Nun, was giebt es, Mutter?“ fragte James, als das Weib in der Mitte eines Satzes innehielt und mit einem ſcheuen Ausdruck in die offene Handfläche ſtarrte.
„Was iſt das?“ fragte ſie, auf eine kurze ausgezackte
Aus der Börſenwelt.)
Erzählung von Karl Schmeling.
1. Kapitel. Herr und Diener.
Frau Kommerzien⸗Rath Römer war an einem klaren
Aprilmorgen damit beſchäftigt, in dem weiten Flure ihres
4 Hauſes eine Orangerie von Topfpflanzen und Kübelgewächſen aufſtellen zu laſſen. nordnende Stimme ward übertönt durch das Rollen
eines Wagens auf der Straße, der gleich darauf ortal hielt und die Dame veranlaßte, ihr Geſchäft
echen, um ſich jenem zuzuwenden. in Wagen, einer Equipage, entwickelte ſich die Ge⸗ behäbigen Herrn im Geſellſchafts⸗Anzuge, welcher, auf feſtem Boden ſtand, ſcheinbar ärgerlich, den ig mit Heftigkeit zuwarf. Doch ſo wie er die Dame e erblickte, ließ er ſchnell ein Lächeln auf ſeinem gerötheten Geſicht hervortreten, zog eilig den Hut und
gie ſich mit allen Zeichen beſonderer Verehrung.
„Unterthänigſter Diener, meine Gnädigſte!“ lautete der eginn ſeiner Rede;„ah, vortrefflich, friſch wie ein Maien⸗ Roschen— ſo iſt es brav, über Sie habe ich mich weiß Gott nicht zu beklagen— im Gegentheil— es iſt ſtets ein
Vergnügen für mich, Sie zu ſehen!“
„Guten Morgen, Herr Doktor!“ erwiderte die Angeredete
— mit freundlichem Lächeln, indem ſie Jenem ihre feine Hand
ceeichte;„ich bin ſtolz auf das mir ertheilte Lob und werde
niich ſtets bemühen, nicht Denen zugezählt werden zu müſſen, weelche Sie zum Unglücklichſten der Sterblichen machen!“
„Ah, meine verehrte Frau Römer!“ rief der Doktor leb⸗
P Haft,„glauben Sie denn, daß es angenehm ſein kann, den
ganzen Tag nur das Geſtöhn ſeiner lieben Mitmenſchen hören
zu müſſen? Man iſt, ſo zu ſagen, auch nur ein Menſch, und
die meiſten Kranken ſind— her. Ich ſehe da letzten Stoß
Pardon! das gehört nicht hier⸗
Zurüſtungen, uns für die Winterſaiſon en zu e. der Frühling hält auf Ihr Geldt —
*) Nachdruck verboten.
Linie zeigend, die quer über den innerſten Theil der Hard⸗ A fläche ging. th
„Ei, was Ihr für ſcharſe Augen habt, Frauchen. dis
iſt die Schramme eines Schnittes, den ich mir vor mei Jahren beibrachte, als ich ein zähes Stück Cavendiff⸗Tübak den
ſchnitt. Mein Laufburſche ſagte mir, ich könnte die Mul⸗ ſperre davon bekommen, aber ich rechtfertigte ſeine Erwartungen nicht. Ich denke, die Maulſperre kommt bei uns nicht vot.“ Di „Gerade über der Linie des Lebens,“ murmelte die Ziell-⸗ nerin, noch immer die Linie betrachtend, welche das Miſſer ſch auf der roſenfarbigen, mädchenhaften Hand zurückgelaſſen. ſei „Bedeutet das irgend etwas Schlechtes— daß ich jung ndi ſterben ſoll, zum Beiſpiel?“ ein
„Die Schramme von einem Meſſer kann die Planiten u
ſnicht beherrſchen,“ antwortete die Sybille ſentenziös. M (Fortſetzung folgt.) me ſch X ti ſir
ſchon ſeinen vollen Einzug; ſehr ſchön— ſehr verſtändnißholl 9, arrangirt! Aber was macht mein ewiger Patient, der Kerr 6 des Hauſes, wie befinden ſich Tante Amalie und Klärchen, ſo das liebe Kind?“
Frau Römer, welche trotz ihres einfachen Morgen⸗Anzugen
wirklich eine anmuthige Erſcheinung bildete, hatte das Lächälu, 3 welches um ihre Lippen ſpielte, eher vermehrt als vermindert.
Es entſprang dies wohl nicht den Worten des Doktors alllein, ſondern mehr noch dem komiſchen Anſtriche, welchen ſeine 9 Perſon durch eine nebenbei an den Tag gelegte große Je⸗ weglichkeit erhielt. Doktor Rohrbeck zeigte ſich ſtets ſehr er 3 regt und ſprach ſehr ſchnell, häufig in abgeriſſenen Sätzen. d
Uebrigens deutete der Ton, in welchem die Unterhaltung ge⸗ in führt wurde, darauf hin, daß man auf ziemlich vertrautem 1 Fuße ſtand. 9
„Klara iſt fröhlich wie eine Lerche!“ erwiderte Frau Römer,„meine Schwägerin wird ſich ſicher verbergen, ſobald 11 A V ſie nur Ihren angenehmen Bariton hört, und mein gutet n Arwed?— nun, ich bin mit ihm zufrieden. Hoffentlich werden Sie uns morgen das Feſt nicht verderben, indem ſie ihm verbieten, den Abend mit uns zu verbringen; bedenken 1G b Sie, beſter Rohrbeck, es iſt der letzte in dieſer Saiſon!”“ Der Doktor machte ein ungemein wichtiges Geſicht und 1 warf ſich in die Bruſt. IE „Schon richtig, meine Gnädige!“ ſagte er mit Nachdrufk, d „habe dies ſchon ſelbſt ang edeutet; aber wer nicht hören will ei muß fühlen,— alte Regel das! Unter uns geſagt, es iſt 1 die höchſte Zeit, daß Römer ſein bisheriges Treiben aufgielt,
ſonſt ſtehe ich für nichts— durchaus für nichts, ich vet⸗ ſichere es Ihnen!* 1 65— I Frrau Römer erröthete und an die Stelle des Lächelnsf trat bei den letzten Worten des Doktors ein ängſtlicher Aus⸗ druck Vres regelmäßigen und immer noch ſchönen Geſichtes. 34 5„Ich bitte Sie, Herr Dokker!“ entgegnete ſie mit leicht 91 .behender Iimmen„bieten Sie alles Mögliche auf, neh 97 N 8 b ſ 5*— N 3. 3 4


