Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1325-1326
Einzelbild herunterladen

1325 ziemlich

Zigeuner 1326

ziemlich, adj. adv.: geziemend(veraltet, aber noch in unziemlich); mäßig, mittelmäßig, nicht zu stark. Mhd. zimelich. Zu ziemen.

ziepen, v., einen leisen pfeifenden Ton von sich geben(1786 bei Adelung); am Haar zupfen (nordd., bei Heynatz). Wohl lautnachahmend. Nach der zweiten Bed. könnte es auch zu zupfen gestellt werden.

Zier, f.(Pl. selten-en): auszeichnende Ver- schönrung; auszeichnend Verschönerndes; auf- fallend machender Umstand. Nach Adelung veraltet, aber dichterisch allgemein. Mhd. ziere f., ahd. zier?«Pracht, Herrlichkeity». Von ahd. zieri, ziari, mhd. zier(e) cprächtig, herrlich, froh, wohlgemuts, nhd. gelegentlich wieder auf- genommen als zier adj.; dazu asächs. firläko cin schöner Weises, tir m.«Ehres, ags. fir m.«Ruhm, Glanz, Ehre⸗, anord. lirr m.«Ruhm, Ehrey. Herkunft dunkel. 4 BL. von dem Adj. zier: Zierat, m.(-s, Pl.-e), auch f.(Pl.-en): zur äußern Verschönrung Dienendes. 1691 b. Stieler Zierrat m., weil er fälschlich annahm, daß es mit Rat z8s. sei. Mhd. æierõt m. Zierde, f.(Pl. -en): das übliche Wort für Zier. Mhd. zierde, ahd. zierida f. zieren, v.: schmücken;(refl.) ein gespreiztes Wesen annehmen(18. Jh.). Mhd. zieren, ahd. zieran, ziaran. Von der 2. Bed. Ziereréi, f., nach Adelung nur in der niedern Sprache. zierlich, adj.: nicht dick od. plump. Nach Adelung veraltend. In der ältern nhd. Rechtssprache cförmlich, feierlichs, noch bei Campe zierlicher Eid. Vgl. Gombert 5,3. Mhd. zierlich= ziere. Davon Zierlichkeit, f., mhd. zierlicheit f. Geschmücktheit, Schönheit, Ge- pränge⸗. ZUS. mit zieren: Zieraffe, m., 1786 bei Adelung. Zierbengel, m., von Lichten- berg als Verdeutschung von frz. ineroyable, eig. der Unglaubliche», gebildet. Vgl. Campe 1801. Ziergarten, m., mhd. ziergarte m.

Ziese, s. Zeise.

Ziesel, m., bayr. auch n.(-S, Pl. wie Sg.), 2gs. Zieselmaus: die Bilch-, Bisammaus. Mhd. zisel m., zisemds, Sisemds f. Dunkler Herkunft.

Ziest, m.: Pflanze, stachys. Herkunft dunkel.

Zieter, s. Zitter.

Ziffer, f.(Pl.-n/): Zahlzeichen(im 16. Jh.). Bei Luther der Pl. Cifren, 1469 im voc. ex quo egn cyfer, 1420 bei Diefenb. gl. 118 b cifre f. «igur, schriftliches Geheimzeichen, Geheim- schrifty. Aus afrz. cifre(ufrz. chiffre m., woher Chiffer)«Nulls, im 16. Jh.«Zahlzeichen», das mit ital. cif(e)ra f.«Geheimschrift, span. port.

cifra f.«zahlzeichen» auf mlat. cifra f., cifrum n.«Null, Zahlzeichen, schriftliches Geheimzei-

chen» zurückgeht, u. dies aus arab. gr Null⸗, eig. deer'. Arabische Ziffern, benannt, weil sie von den Arabern zu uns kommen, werdenschon im 12. Jh. in Europa u. auch in Deutschland ver- wendet. Vgl. Zfd W. 5, 295. 4 B L. ziffern, v., nur in ent-, beziſfern. ZUS. Zifferblatt, n., 1786 bei Adelung.

zZig, an Zahlwörtern dient zur Bezeichnung der Zehnzahl. Mhd.-zec, ahd.-zug,-209; dazu asächs.-tig, ndl.-tig, ags.-tig, engl.-tyY, anord. tigr, got.-tigjus pl. Die urgerm. Grundform -tigu hängt mit zehn zusammen u. geht wahr- scheinlich auf idg. dek t«zZehnheits, aind. dagãt zurück, indem der Dat. Pl.*tiguntmos zu*tigum wurde, worauf das Wort in dieu-Dekl. übertrat. Vgl. Idg. Forsch. 18, 115. Die Lautverschiebung ist regelrecht in 2anaig, vierzig usw., während dreißig die des Inlauts zeigt.

Zigarétte, f.(Pl.-n): mit Tabak gefülltes Papierröllchen. Erst später im 19. Jh. Entl. aus frz. cigarette f., Abl. von frz. cigare(s. u.).

Zigärre, f.(Pl.-n): Tabaksröllehen zum Rauchen. Aus span. ciqarro m., eig.«fingerlanges, mit geriebenem Rauchtabak gefülltes Papier- röllchen zum Rauchenꝰ; dies pflegt man wegen einer gewissen Ahnlichkeit in Gestalt od. Farbe auf span. cigarra f.«Heuschrecke»(s. Zikade) zurückzuführen. 1798 bei Kant Anthropologie 57 als Zigarro; auch noch bei Campe 1813 Ci- garro, 1822 bei Heinsius der Pl. Cigarren u. auch nur im Pl. 1834 bei Petri, wie schon 1805 (ZfdW. 7, 137). Als Verdeutschung erscheint Glimmstengel bei E. T. A. Hoffmann Brautwahl Kap. 2.(Glimmstengel od. Tabaksröhrlein, wie die Puristen den Cigarro benannt haben wollen), 1834 bei Petri. Das Wort, das G. Keller im Grünen Heinrich(1854) 2,30 verwendet, hatjetzt einen komischen Beigeschmack. ZUS. Zigär- rentasche, f., bei E. T. A. Hoffmann a. a. O. Cigarrenbüchse.

Zigéuner, m.(s, Pl. wie Sg.): im Abendland nomadisierendes, aus Indien stammendes Volk. Ihre Sprache ist am nächsten der der Darden, Kafiristans u. der Stämme im Hindukusch ver- wandt, also indogerm. In Deutschland zuerst 1417 nachgewiesen, wo sie zuerst Tater, s. Tatar genannt werden. Der Name Z., in ältrer Form Ziginer, Zigeiner, Zegeiner, nd. Sugginer, Zi- gõner stammt wohl aus ital. zingaro, ingano, lit. Cigonas, bulg. Ciganin, ung. Cæigäãng, rum. Oigãnu, türk. Tschinghiane, in ältester lat. Form Zingari, daneben Secani, Oingari,(vulgariter Cigãwnãr). Herkunftdunkel. Viell. gleich dem Namen eines noch jetzt vorhandnen indischen