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Ziemer 1324
cZiege» ist unsicher. Mnd. tike f.«Hündin» legt nahe, daß in Z. die Bezeichnung«Weibchen» steckt, vgl. auch Zibbe, Tebe. Viell. beruht dies auf einer Interjektion, mit der man die Tiere anlockt. ZUS. Ziegenbock, m., 1642 b. Duez. Ziegenschinder, m.: Ost-Nord-Ostwind. Götting.-kurhess.-thür. Vgl. Zfd W. 1, 269.
Ziegel, m.(*J, Pl. wieSg.): gebrannter Stein zur Bedachung;(früher auch) gebrannter Bau- stein. Mhd. ziegel m., ahd. ziegal m., auch ziegala f. Entl. aus lat. fegacla f.«Dachziegel» zu tegere cdeckeny. Ebendaher auch and. kiegla f., ndl. tegel m., ags. tig(e)le f., engl. file, anord. tigl n. 4B L. Ziegeléi, f., erst 1811 b. Campe. ZUS. Ziegeldach, n., mbd. ziegeldachn. ziegelrot, adj., mhd. ziegelrt. Ziegelstein, m., mhd. zie- gelstein m. Ziegelstreicher, m., 1664 b. Duez.
Ziegenhainer, m.: derber Stock. 1795 stud. Eig.«Stock, Knüppel aus dem Dorf Zie- genhain bei Jenay.
Ziegenpeter, m.: Mumps. 1878 preuß. Nordd. Erstim 19. Jh. bezeugt. Herkunft dunkel.
Ziegenschinder, s. Ziege.
Zieger, m.(-s, Pl. wie Sg.): der nach der ersten Käsebereitung neue käsige Niederschlag, aus dem wieder Käse(Ziegerkäse) bereitet wird. 1663 b. Schottel 1448 Ntr. Mhd. ziger m., spätahd. ziger f. Noch schweiz.-els.-bayr. Herkunft dun- kel. ZUS. Ziegerkäse, m., mhd. zigerkcœse m.
ziehen, v.(Präs. ziehe, Prät. zo9, Konj. 20ge, Part. gezogen, Imp. ziehle]): durch Kraftan- strengung nach sich zu bewegen; von wo weg sich wohin bewegen machen; auseinander be- wegend im Zusammenhange verlängern; pfle- gend ernähren(aufziehen); sittlich pflegend bilden(erziehen); pflegend wachsen machen (Pflanzen, Vögel ziehen); von wo weg sich nach einem andern Ort bewegen(von den Vögeln, umaziehen, Dienstboten ziehen); von der Luft- bewegung es zieht. Mhd. ziehen, ahd. ziohan (Präs. z2iεiαα, ziuhis, Pl. ziohamés, Prät. 269, Pl. zugum, Konj. augi, Part. gizogan, Imp. ziuh) durch Kraftanstrengung nach sichzu bewegen, aus einander bewegend im Zusammenhange verlängern, pflegend aufnähren); dazu asächs. tiohan, afrs. lia, ags. téon, anord. nur im Part. toginn«gezogenꝰ, got. tiuhan«ziehen. Verw. mit lat. däcere cziehen, schleppen, anziehen, führen», gr. daiduccecéi Akecor(Hesych), alb. ndukx crupfe, reiße die Haare aus». Dazu aus dem Germ. Herzog, Zaum, zeugen, zögern, zucken, zücken, Zucht usw. In Fortsetzung der
4B2. Zieher, m. in Lichtzieher, Pfropfen- zieher. Ziehung, f., bei Diefenb. gl. 591 ². ZUS. Ziehbrunnen, m.: Brunnen, aus dem das Wasser herausgezogen wird. Spätmhd. ziechbrunne m. Ziehharmonika, f.
Ziel, n.(-els, Pl.-e): zum Erstreben Be- stimmtes; Strebepunkt; Ende wofür; Zahlungs- termin. Mhd. ail n., ahd.(selten) zil n.; dazu and. atela«unpassend, unangenehm, mnd. (spät) til, tél n., afrs.-anord. til präp.«bis zu, afrs. fil«gut», ags. til«tauglich, guty, anord. aldrtili m.«Lebensende», got.(ga)tils cpassends. Wohl verw. mit air. dil«angenehmꝰ u. viell. wurzelverw. mit Zeit, kaum aber mit Zeile. 4BL. zielen, v., mhd. zil(e)n, eillen, ahd. ziln «Anfang u. Ende bestimmen, zum Ziel bestim- men, zeugen», zilôn«sich beeifern, sich eifrig bestreben, sich bestimmen in Hinsicht auf», ziléèn; dazu asächs. zilian«erlangenꝰ, afrs. tilia, ags. tilian ceifrig bestrebt sein», got. gatilõn cerzielen, erlangen». ZUS. zielbewußt, adj., Modewort der neuern Zeit. Zfd W. 8, 140 Beleg von 1834. Zielscheibe, f., erst 1811 b. Campe.
1 Ziem: Anstand, Schicklichkeit, in der RA. mit Ziem u. Schick. Von ziemen. Bei Voß Ged. (1802) 2, 260.
2Ziem, m.(-els, Pl.-e): Oberschale, das obre Stück von der Keule des Rindes. Obsächs. 1786 bei Adelung. Zu 2Ziemer.
ziemen, v.: nach Ansicht der Gebildeten anständig sein. 1642 b. Duez 2.; 1561 b. Maaler u. 1537 bei Dasypodius zimmen. Mhd. zimen schwach Myst. 2, 355, 4, sonst stark zemen(Präs. zimt, Part. zam, Pl. zãmen, Part. gezomen), ahd. zeman; dazu andfrk. teman, got. gatiman«ge- ziemen?. Wohl zu der unter zahm behandelten Wa,, als deren Grdbed. cbinden vermutet wur- de. Vgl. Grienberger Unters. 93.
1Ziemer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Wacholder- drossel, Kramtsvogel u. a. Im 15. Jh. zemer, æiemer, zimmer. Els.-sächs.-schles. Vgl. Suo- lahti 61. Herkunft dunkel.
2zZiemer, m.(-s, Pl. wie Sg.): Hirsch- oder Rehrücken ohne die Keule; Schwanzstück des Ochsen; Zeugungsglied des Hirsches, des Ochsen (Oehsenæiemer). 1763 bei Heppe Ziem(el), Zei- mer, Zämel, Zämer, Zimmel. Mhd. zimbere, zimere f. in Bed. 1 u. 3 nur im Tristan, u. daher wohl aus glbd. frz. cimier m. Doch könnte wegen bayr. Zem, Zemsen auch einheimischer Ursprung wenigstens in der Bed. Ochsenglied angenom- men werden. Man könnte es dann zu gr. déuac
ahd. Formen kommt noch nhd. altertümelnd n. Gestalt, Körpery stellen, mit dem es lautlich
die 2. 3. sg. Präs. zeuchst, zeucht, Imp. zeuch vor.
übereinstimmt.


