Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
1201-1202
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1201 wahren

Wahrzeichen 1202

sollenden übereinstimmend, echt u. recht, na- turgerecht, wahrhaft. Mhd.-ahd.-asächs. wãr, daneben mhd. wœre, ahd. 2wα᷑:τε; dazu ndl. waar, afrs. wer; dazu got. tuæzwérjan«zweifeln?, ahd. zurwüri«verdächtig, ahd. ãra f., ags. ν᷑ꝙ τe f. Bündnis, Vertrags, anord. vãrar pl.«Gelöbnisy. Ob got. umoérn jan«unwillig seiny, ahd. alazwãri cgütig»(s. albern), mitiwäri«mildey dazu ge- hören, ist zweifelhaft. Verw. sind lat. verus, ir. Fir, kymr. geir«wahrꝰ, abg. véra f.«Glaubey. Die Bedeutungsentwicklung d. deutschen Wor- tes steht jedenfalls unter dem Einfluß von lat. vérus. Vgl. Walde. 4BL. wahrhaft, adj.: die Wahrheit redend, aufrichtig. Mhd.-ahd. wärhaft; davon wahrhaftig, adj.; als Adv.: wirklich. Md. im 14. Jh. wärhaftic. Wahr- heit, f.(Pl.-en), mhd. wärheit f., ahd. zuerst im rheinfrk. wärheitf.; dazu andfrk. wärhéd, heit,-heide, mnd. awärheid, afrs. wérhéd f. wahrlich, adv.: in Wahrheit. 1786 bei Ade- lung wahrlich, sonst im 18. Jh. häufig war- lich. Bei Luther warlich u. werlich. Mhd. wœer- liche(n), ahd. wõrlihho. ZUS. wahrsagen, v.: in anscheinendübernatürlicher Weise die Wahr- heit verkünden. Zsg. mit dem Ntr. d. Adj. wahr. Seit dem 14. Jh. belegt. Davon Wahrsager, m., im 15. Jh. zwarsager, warseger, eingetreten für ältres mhd. wãrsage, ahd.:rseggo m., asächs. wãrsago m.«Prophet; Wahrsagung, f., im 15. Jh. wahrscheinlich, adj.: wie es scheint, wahr. Um die Mitte des 17. Jhs. aus ndl.(bei Kilian) waerschijnelik; davon Wahrschein- liehkeit, f., gleichzeitig mit dem Grund- wort auftretend. Wahrspruch, m.(Lels, Pl. Sprüche): Ausspruch der Geschwornen über die Schuldfrage. Eine Ubertragung von Verdikt(s. d.), wie es scheint, aus den 40 er Jahren des 19. Jhs.

wahren, v.: in acht nehmen, wahrnehmen, hüten, schützen. Nach Adelung längst veraltet; aber seit den 70 er Jahren des 18. Jhs. von den Dichtern wieder aufgenommen, z. T. unter Ein- fluß des Gebrauch im Ndd. Mhd. warn, ahd. einmal awarén, sonst nur bewbarõn; dazu asächs.

warõn«beachten, wahrnehmen, behüten, befol- geny, mndâ.-mndl. waren«behüten, bewahren,

warneny, afrs. Wwaria«bewachen schützeny, ags. warian sbewahren, hüten, warnen», engl. war(e) csich vorsehen, anord. vara«erinnern, warnen, dün. vare chüten, bewahren». Zu ahd. wara, s. wahrnehmen. Genau entspr. gr. Opdeiv sehen. 4BL. Wahrung, f.: Aufrechterhaltung, Be- hauptung. Nicht bei Adelung u. Campe. Mhd. zwarunge f., mnd. ringe f.«Verwahrung, Hut,

Weigand, Deutsches Wörterbuch. 5. Aufl. II. Bd.

Nachricht, Warnungy, afrs. waringa f.«Abend- mahl», eig.«Bewahrung der Kranken. währen, v.: Bestandhaben, dauern, sichzeit- lich od. räumlich ausdehnen. Mhd. wern, ahd. zerén. Daneben asächs. warön, mnd. waren, ags. zarian. Mit r aus s zum Stamme wesen, s. sein. Davon während, in Z8s. wie immerwährend, langwährend u. als Präãp.: in dem Verlaufe von. Eig. Part. Präs. u. um die Mitte d. 18. Jhs.(noch von Gottsched verworfen) entwickelt aus RA. wie währendes Krieges(Lessing Minna 2, 2), währender Zeit(Möser patr. Phant. 1,225), wWäh- rendem Essen, in wehrender Mahlzeit(Schupp 249), viell. unter Einfluß von fra. darant, pendant. Die Verbindungmit dem Dativ, die jetztzurück- tritt, ist ebenso alt wie die mit dem Gen.(Lessing 6,483, Goethe 31, 214; 32,215 u. a.). Die Verwen- dung als Konjunktion findet sich erst im 19. Jh.

Währmann, m.: Gewährsmann. Veraltet, aber häufig im 18. Jh.

wahrnehmen, v.: ins Bewußtsein aufneh- men, bemerken, Sorge tragen. Mhd. r nemen, ahd. α᷑ra neman, schon bei Notker zusammen- geschrieben. Daneben wara tuon; dazu asächs. Wwara f. Aufmerksamkeit, Hut⸗, mud.-mndl. wareé, ags. waru f.«Acht, Hut, Aufsicht, Schutzo, engl. in alare«aufmerksamꝰ, anord. vari m. Achtsamkeity, schwed. taga vara, dän. tage vare «Acht gebenꝰ u. got. wars«behutsam. Verw. mit gr. Opderv(s. wahren), obpoc m.«Wächtery, hom. éni ögovrai«sie beaufsichtigen, lat. veréri «scheuen, fürchten, verehren». Vgl. wahren u. warten. 4B L. wahrnehmbar, adj., zuerst 1811 bei Campe. Wahrnehmung, f.: das Ge- wahrwerden, bes. durch Sehen. 1561 b. Maaler warnemmung observatio, notatio»; im philo- soph. Sinne des lat. apperceptio seit der Mitte des 18. Jhs.

Währung, f.(Pl.-en): ein Bestimmtes u. Dauerndes an Zahl, Maß, Gewicht od. Wert(bes. b. Geld), der Münzfuß. Mhd. im 14. Jh. werungef. Zu dem in gerwdhren(s. d.) vorliegenden währen.

Wahrzeichen, n.: Erkennungs- u. Unter- scheidungszeichen. Mhd.(bes. md.) ãrzeichen, mnd. αrtelcen n.(woraus entl. dän. varſeltegn u. früher isl. Jarteilen), clev. 1477wairteicken. Dafür mhd. im obd. wortzeichen, ahd. b. Notker wortzeichen, asächs. ordtékan n., eig. wohl Buchstabe, dann«Erkennungszeichem an dem eingeritzten Buchstaben. Die Form W. ist wohl auf nd. Boden aus wor(d)tékan entstanden und zunächst an wahr- in wahrnehmen und dann an wahr angeglichen. Das Wort drang dann nach Oberdtschld. vor.

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