701 Scheusal
Schick 70²
Scheusal, n.(-s, Pl.-e): Abscheu und Schrecken erregendes Wesen. Bei Luther Scheup-, Scheusal, in urspr. Bed. spätmhd. schüsel n.«Vogelscheuche, Popanz»(Diefenb. gl. 459³), 1604 bei Colerus Hausb. 3, 139 Scheussel, 1557 bei Waldis Esopus 2, 38, 19 Scheutzel. Jetzt als Abl. von scheuen(s. d.) empfunden. Kluge hat es Btr. 6, 378 zu got. skοhs! n. cböser Geisto gestellt, was viell. richtig ist. 4 L. scheusälig, adj.: abscheulich, bei Luther schezeselig, 1691 bei Stieler scheusälig.
scheußlich, adj.: heftige Scheu od. Ab- scheu erregend. Bei Luther scheuslich, um 1480 im Voc. inc. teut. cc 22 scheußlich, in der 1. H. d. 15. Jh. scheuslich(Erlösung S. 326, 317), umgebildet aus älternhd. scheutalich, im 15. Jh. scheuzlich, scheizlich u. scheuchzlich, schüchtz- lich, mhd. schiuzlich, abgeleitet von mhd. schiuh)ze f., spätmhd. scheu⸗ m.«Abscheu, Ekel, Scheusal», mhd. Schiuzen, im 15. Jh. scheuhzen«Abscheu, Grauen empfindenꝰ, In- tensivbildung auf-zen, ahd.-azan zu mhd. schiuhen(s. scheuen u. scheuchen). Scheuß- lichkeit, f., 1691 bei Stieler Scheuslichkeit, 1537 bei Dasypodius Scheutzligkeit f.«Häßlich- keit?, 1470 md. scheuczlichkeit f.«Verzerrung, Ungestalt⸗.
Schibbeke, f.(Pl.-/), auch Schibchen f.: Holunder-, Fliederbeere. Obsächs. 1775 bei Adelung Schibchen, in Leipzig u. Altenburg Schibicke(Albrecht 115²), in Mansfeld Zi- zecken, Schiwechen Pl., 1517 md. tzibelcen bei Trochus K 2 b. Viell. aus dem Slav., vgl. obsorb. dziwi böz«wilder Fliedery.
Schibbolet(h), öst. Schiboleth, n.(els, Pl.-e u.-s): Erkennungswort, zeichen. Bei Herder z. schön. Lit. 1, 39 von 1767 Schiholet, aus hebr. schibboleth«Xhres, an dessen Aus- sprache(sibböleth st. schibboleth) nach Richt. 12, 6 die siegenden Gileaditer die an die von ihnen besetzte Furt des Jordans fliehenden Ephraimiten erkannten.
Schicht, f., bayr. auch Schichte,(Pl. -en): ¹¼ bis ⅛ Tag, d. h. 6 bis 8 Stunden, als ununterbrochne bergmännische Arbeitszeit bis zur Ablösung; ein Viertel der Mannschaft einer Zeche oder Gewerkschaft; Bank ver- schiedner auf- u. nebeneinander liegender Ge- stein- od. Erdarten; Reihe an- u. übereinander gelegter Dinge; Abteilung von Personen in reihenweise erscheinenden Lagen. Mhd. in md. Quellen des 13. u. 14. Jh. schicht f.«Einteilung, Anordnungo, sowie in sämtlichen obigen Bedd.; dazu mnd. schichte f.«Ordnung, ordnungs-
mäßige Teilungy. Wohl von schicken, das in der ältern Sprache zurechtlegen, ordnen, an- ordnen» bed. Mit unserm Wort berührt sich in der Bed. eng afrs. skifta«bestimmen’, ags. sciftan«teilen, ordnen, bestimmen⸗, anord. skipta«teilen, tauschen, verändern, abmacher', schwed. Skifta, dän. skifte«teilen, wechseln», u. es könnte daher Schicht z. T. für schift stehen. RA. Sch. machen«aufhören zu arbeiten. Aus der Bergmannssprache 1691 bei Stieler. 4BL. schichten, v.: in Schichten bringen, md. im 13. u. 14. Jh. schichten«ordentlich ab- teilen». Davon Schichter, in Erbschichter (s. d.). Schichtig, adj., in Zss. wie ein-, weit- schichtig, im 16. u. 17. Jh. schichtig«in Schichten geordnet». ZUS. Schichtmeister, m.: Auf- seher der Arbeiter, die nach Schichten arbeiten, 1530 bei Agricola Bermannus 133.
Schick, m.(-es, Pl.-e): was sich schickt, sich ziemt, gutes Aussehen, gute Lebensart (Schiller, Wallenst. Lager V. 233), obd. auch Geschicklichkeit. Im 16. Jh. Schick m. Ge- legenheit, Art u. Weise, im 15. Jh. schick m. «Ort wohin etw. geschickt, d. h. gestellt wirdo, bei Frisch 1741 als veraltet aufgeführt, 1759 von Lessing 6, 32 aus Wielands moral. Be- obachtungen(1757 S. 179 Schik) in der heutigen Bed. empfohlen. Dazu mnd. schifc Gestalt, Form, richtiger Zustand', ndl. Schikc«Ordnunge, entl. schwed. skick, dän. skik. schick, adj.: passend, fein. In neurer Zeit aus dem Subst. entwickelt. Von schicken, v.: etwas wirklich werden lassen, verfügen, anordnen, paßlich ordnen od. gestalten; verrichten, tun, schaffen; durch Anordnung wohin kommen machen, senden; refl. sich rüsten, vorbereiten; sich seiner Umgebung anpassen(Wolfr. Tit. 129, 2); zu etw. passen(1561 bei Maaler); impers. ohne menschliches Tun geschehen(1561 b. Maaler); sich gebühren, geziemen(im 17. Jh. b. Olearius pers. Baumgarten 2, 23). In den ersten fünf Bedd. mhd. u. md. schicken(Prät. schickete, schicte u. schihte, md. schichte); dazu mnd. schicken«zurechtlegen, ordnen, anordnen, sich rüsten», ndl. schitclcen«ordnen, senden)», afrs. u. anord. skikcha«anordnenꝰ, schwed. skicka, dän. Skilcke zu ahd. scehan(s. geschehen) wie zucken zu ziehen. 4BL. schicklich, adj.: angemessen, md. im 14. Jh. schicklich; dazu Schicklichkeit, f. Fügung(1482 bei Melber R4 fatum), Geschicklichkeit(Lessing 5, 297, bei Luther), Angemessenheit(Adelung 1775), Anstand(Schiller 10, 209). Schicksal, n. (, Pl.-e), 1711 bei Rädlein Schicksal; 1691


