Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
301-302
Einzelbild herunterladen

301 nieseln

Nigromantie 302

m.«Niere, Hodes, lat. nefrõnes(pränestinisch), lanuvinisch nebrundines Nieren, Hodeny. ZUS. Nierenbraten, m., 1556 bei Frisius 785 2 kelberiner Nierbraten, im 15. Jh. bei Myn- singer 46 die nyerprautten«Nieren⸗. Nieren- stein, m., mhd. im 14. Jh. niernstain.

nieseln, v.: näseln, durch die Nasesprechen (Wieland 20, 197, älternhd. im 16. Jh. nislen, nüseln, nuseln, vgl. näseln); nebelartig regnen (md. u. öst.).

niesen, v.(Prät. nieste, Part. geniest): mit krampfhafter Zusammenziehung der Atmungs- muskeln die Luft durch die Nase heftig aus- stoßen. Alternhd. schwache Flexion(Part. 1581 bei Fischart Bienk. 119 b genießt), aber mhd. niesen starkb.(Präs. niuse, Prät. nôs, Part. genorn), ahd. niusan, niesan; dazu mnd. nésen, neysen, ndl. 1598 niesen, nndl. niezen u. fhiezen, schwed. nysa, dän. nyYse«niesenꝰ, anord. hnjösa (Prät. hnaus aniesen, aus Mißvergnügen od. Verachtung heftig Luft durch die Nase blasen), in letzterem Sinne auch anord. nęsa u. fnœsa, daneben hnöri, hneri, hneyri m.«das Niesen», ferner engl. sneeze, mundartl. neese, mengl. nésen, fnésen, snésen, ags. gefnésan æniesenꝰ, neben néosung f.«das Niesen». Wohl urverw. mit russ. nüchati criechen, schnupfen⸗. Vgl. Idg. Forsch. 10, 154 und Bezz. Btr. 25, 95. 2ZUS. Nieswurz, f.: die Pflanzen helleborus u. veratrum, mhd.-spätahd. nies(e)awurs f., zgs. mit mhd.-ahd. aw"rz f.«Krauts; dafür bei Luther 8, 211 b Mesezwurtzel, 1546 bei Bock 154 Nießwurtzel neben Nießwurtz m. f.(das M. noch in Norddtschld.); der Name daher, daß die gepulverte Wurzel, namentlich von vera- trum album, seit alter Zeit ein starkes Mittel zum NMiesen ist(Plinius hist. nat. 25, 23 u. 21).

Nießbrauch, m.(-es): das vollständige Nützungsrecht eines fremden Eigentums. Wie es scheint, im 17. Jh., u. zwar nach dem glbd. lat. Rechtsausdruck ususfructus gebildet(1691 bei Stieler Nießbraucher m., lat. usu ντμεαενν arius m.«der den Nießbrauch hatz). Zgs. aus Brauch m.«Verwendung wovon» u. älternhd. Nieß m.«Ertragnahme, Genieß», mhd. niez m. Benutzung, Nutzen⸗, von mhd. niezen, älternhd. nießen, das im 17. Jh. durch genießen(s. d.) verdrüngt wurde. Für Nießbrauch im 19. Jh. auch Nießnutz, m.

¹Niete,(öst.) f.(Pl.-n) u. Niet, m. n. (Jels, Pl.-e, bei Musäus Volksm. 4, 96): der zum Zwecke des Haftens an einem od. beiden Enden um- od. breitgeschlagne Nagel od. Stift. Mhd. niet(e) m. f., nd. néd n., von ahd. hniotan

in bihniotan«befestigen», anord. hnjõoda(Prät. hnaud, Part. hnodinn) stoßen, auf Eisen schlagen, hämmern⸗. 43. nieten, v., mhd. nieten«mit dem Hammer durch Breit- od. Krummschlagen eines Nagels od. der Nägel befestigen», mnd. neden. ZUS. nietfest, adj. in niet- und nagelfest 1716 bei Ludwig, nd. néecdh- un nagelvast, von dem, was in Gebäuden pefestigt ist u. daher in ihnen, namentl. bei etwaigem Besitzwechsel, verbleibt(schon in den Colmarer Statuten bei Scherz-Oberlin Sp. 1125 alles das, was nicht niet oder nagel hat). Vgl. Wiede.

²Niete, f.(Pl.-/): beim Glücksspiel ge- zognes, nichts od. eine Null enthaltendes u. also ohne Gewinn herausgekommnes Los. 1741 bei Frisch, 1732 bei Weichmann Poesie d. Niedersachsen 4, 12. Nach dem Aufkommen des Lotteriespiels in holländ. Weise zu Anfang des 18. Jh. von Hamburg aus aufgenommen mit Geschlechtswechsel aus glbd. ndl. niet m. n., das urspr. das«Nichtsy u. dann eine«Null⸗ bed.(s. wichts).

Nietnagel, s. Neidnagel.

Niftel, f.(Pl.-n): der durch Nichte verdrängte hochd. Ausdruck. Mhd. niftel(e) f.«Schwestertochter, Geschwisterkindsbase, Mutterschwester, Blutsverwandte, ahd. niftila f.«Enkelin, Nichtes, Dim. von ahd. nift f. «Enkelin, Stieftochter»(s. Nichte). Daneben spätmhd. nevin, nefin(als F. zu Neffe gebildet) u. niegin f.(Nürnb. Pol.-Ordn. 60 aus dem 13. bis 14. Jh.). ZUS. Niftelgerade, f.(Pl.-n): das, was beim Tod einer Frau aus der von dieser beseßnen beweglichen Habe, der Gerade (s. d.), an die noch nicht ausgestatteten Töchter od. in Ermanglung solcher an die nächsten noch nicht ausgestatteten weibl. Verwandten von der Seiten der Verstorbenen, die Nifteln, fällt. 1624 Nifftelgerade(Wehner juris ob- servat. liber 215 ²).

Nigromantie, f.: Geisterbeschwörung, schwarze Kunst, Zauberei. Alternhd. Nigro- mancei, mhd. nigromanzie) f.; dazu mndl. nigromancie, anord. nigromantia f. Aus lat. nicromantia f.(s. Neleromantie) durch eine auf Mißverstand beruhende Verwechslung des gr. vexpc Totery mit lat. niger, ital. negro «schwarzy; dies veranlaßte weiter die mhd. Ausdrücke swarzez buoch Geisterbeschwö- rungs-, Zauberbuch» u. diu searze kunst(S. Schawarzkunst), auch der Gedanke an den hellemr(Höllenmohr, Teufel) als den Meister aller Zauberei wirkte mit.