Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
303-304
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303 Nihilist

Iis 304

Nihilist, m.(-en, Pl.-en): der dem Nichts huldigt, nichts glaubt, 1804 bei J. Paul Vor- schule 1, 50, gebildet von lat. nikil«nichts», seit Mitte des 19. Jh. als Name der Anhänger der sozial-revolutionären Partei in Rußland. Vgl. Ladendorf.

Nikola(u)s, Mannesname, aus gr. lat. Nico- laus, gr. Nixixdoc. Vgl. ¹ ²Nickel.

Nikotin, n.(-Lels): das Alkaloid des Tabaks. Aus glbd. frz. nicotine f., benannt nach Nicot, dem frz. Gesandten in Lissabon, der den Tabak 1560 an Katharina von Medici sandte.

Nilpferd, n.: Flußpferd, hippopotamus. 1777 bei Adelung. Benannt nach seinem häu- figen Vorkommen im Nil. Dafür mhd. im 14. Jh. wazzerphert, im 15. Jh. merphert, merroß n. (noch 1734 bei Steinbach Meerpferd).

Nimbus, m.(Pl.-se): Heiligenschein, Strahlenkranz, großes Ansehen. Aus lat. nim- bus m.«Sturzregen, Wolke, Nebelhülle⸗, spä- ter«Heiligenscheinn. 1791 bei Roth.

nimmer, adv.: zu keiner Zeit mehr, zu keiner Zeit; nicht mehr in der Zeit, nicht länger, nicht wieder. In der 1. Bed. mhd. ni(e)mer, nimmer, md. nimir, nummer, nom- mer; in der 2. Bed. mhd. nie mére, niemér(e), dann nimmére, niemé, nimmé, md. nummè, nümmé, nommé, jetzt volkstümlich fast nur obd., aber noch häufig bei Schiller(Tell 3, 1 usw.). Aus ahd. iνmer, niemer zu keiner Zeit in der Gegenwart u. namentlich der Zu- kunft, aus ni eo mér(s. nie u. mehr), ebenso mnd. nummer, number, numert, selten nimmer, mndl. nemmir, afrs. nammer, nemmer, nimmer. ZUS. nimmermehr, adv., durch nochmaliges mehr verstärktes nimmer, mhd. niemer mér(e), ninzmermér), md. nimmirmé nie wieders; dazu mnd. nTεber-, nimbermer, afrs. nammer- mar, nimmermer. nimmersatt, adj.: uner- sättlich, im 18. Jh.(1735 Ehe eines Mannes 371, vgl. ahd. diu hella ne irdet niomér sat bei Notker); subst. Nimmersatt, m.(Gen. wie Nom. u.-els, Pl.-e): 1678 bei Krämer, schon mnd. Nummersat m.(Reineke Vos 4679). Nimmerstag, m.: der nie eintretende Tag, 1662 bei Stoer 356 b, auff S. Nimmarstag 1555 bei Wickram Rollw. 72, 24 K., auff Nimmerles- Tag. auff Nimmermehrs-Tag 1664 bei Duez 28 b; mhd. niemertac, immertac«keinen Tag».

Ninne, f.: Wiegenkind, Wiege. Md. im 15. Jh. als Wiegenlied säse, liebe minne bei Piderit Weihnachtssp. 607; dazu mndl. süsa ninna; nochschles. Ninne, aach. Ninaf.«Wiegey,

nd. Ninnelen«Wiegenkind». Auch im Rom.:

ital. ninna f.«Wiegenlied, Kinds, port. ninha f. Wiege?, span. nifo m.«Kinds, lad. ninnar ceinwiegen).

Nipp, m.: Schläfchen, kurzer leichter Schlummer, mhd. 1340 nνpf m. Von nippen, v.:(behaglich) schlummern, 1663 bei Schottel, mhd. nipfen(nickend) leise schlafen. Vgl.

nafzen.

*Nipp, m.: Schluck, bei Voß. Von nippen, v.: kaum berührend mit ganz kurzer Offnung der Lippen trinken, 1673 bei Weise Erzn. 120. Ndd. Wortform, mnd. nippen, dafür obd. 1578 nupfen(Beyers Ubers. v. Frischlins würtemb. Hochzeit 251), 1660 nüpffen(Corvinus fons 1, 508*), 1691 bei Stieler nippen u. nipfen, nupfen, noch bayr. nipfen, nepfen, henneb. nõpfen; dazu als Iterativ md. u. bayr. nuppeln «saugen, lutschen, die Lippen bewegen wie kleine Kinder beim Saugen⸗. Dunkler Her- kunft, vielleicht besteht Zusammenhang mit mnd. nibhe, nehhe f., 1477 clev. a⁹b«Schnabel», ags. nebh n., engl. nib«Schnabel, ags. nipele, engl. nipple«Brustwarzey». ZUS. Nippflut, f.: niedrige Flut, eig. Flut, die nur nippt.

Nippsache, f.(Pl.-n): kleiner zierlicher Putztand, aus glbd. frz. nippe f.(gew. Plur. nippes), das seit dem Ende des 17. Jh. in Deutschland eindrang.

nirgend, schon in der 2. H. des 18. Jh. fast nur nirgends, adv.: an keinem Orte. Bei Luther nirgend, mhd. niergen, mitunter niergent, nirgen, md. nirgen, nergen(t), nieren, nirne, im 15. Jh. auch nyerten(Hätzlerin 2, 4, 10) u. nirgends(HansRosenplüt, altd. Blätter 1, 410, 14, 4); dazu andfrk. nie wergin, mnd. ner(ge)ne, nergende, nergent, nergens(t), ndl. 1598 nerghens, nndl. nergens. Zss. aus der einfachen Verneinung ni(s. nicht) u. ahd. iower- gin, mhd. iergen(s. irgend). ZUS. Nirgend- heim, n., scherzhaft von N.: nirgend seßhaft, ohne Heimat, 1582 bei Fischart Garg. Titel.

Nirwäna, n., entl. aus aind. mırvãna, eig. cdas Verwehen, das Endziel der Lehre Buddhas, das Erlöschen der Leidenschaften, das Auf- hören jedes Daseins. Durch das Bekanntwer- den mit der indischen Philosophie im 19. Jh. aufgenommen, z. B. bei Schopenhauer Werke 2, 487(Frauenstädt).

nis,(Gen.-nis u.-nisses, Pl.-nisse): Ab- leitungssilbe zur Bildung weibl. u. sächl. Subst., mit dem Begriff der Tätigkeit od. Handlung, des Zustands, des als ein Selbständiges Hervor- gegangenen u. Daseienden. Wie im Mhd. so im 16. Jh. bei Luther, Clajus, Helber, im 17. Jh.