Teil eines Werkes 
2. Band (1910) L bis Z
Entstehung
Seite
601-602
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601 Röhre

Rolle 602

spätahd. famel m.«betäubender Schally; dazu mnd. rõrdum, rõrdump u. raredump, mndl. roer- domp u. roes-, rosedomel, rosedrommel m.(mit erhaltnem urspr. s wie in got. raus«Rohry), aber ags. rãrecumla m. f.(zu ags. rãrian«brül- leny, s. röhren), vgl. auch dän. rördrum. Vgl. Suolahti. Rohrspatz,-sperling, m.: die im Rohr lebende u. singende Ammer emberiza schoeniclus, aber auch mehrere andre ebd. lebende u. fortwährend singende kleine Vögel. 1462 das Dim. rörspetzel n.(Mone Anz. 7, 163, 22, b. Schönsled. 1618 Rohrsperling. RA. schimpfen wie ein Rohrspatz, 1777 bei Adelung.

Röhre, f.(Pl.-n): hohler, walzenförmiger Körper; sich fortziehende runde od. doch rund- liche Höhle. Mhd. rœre, röre f.(auch«Luft- röhre, Brunnenröhrey, spätmhd. Kanal, ge- mauerter Abzugsgraben»), ahd.(r)ra, rör- (r)ia f.«Schilfstengel, hohler Stengel, Röhrey. Von Rohr(s. d.). ZUS. Röhrbrunnen, m., 1412 rörprunne m.(Städtechron. 4, 112, 3). Röhrkasten, m.: Brunnentrog für das Röhr- wasser, 1433 rörkast m.(Städtechr. 5, 154, 26). Röhrenmeister, m.: oberer Aufseher über die Wasserleitung, 1464 rorenmeister(Tucher Baumeisterb. 46).

(h)ren, v.: laut schreien, brüllen. Weid- männisch vom Hirsche.(1763 b. Heppe, schon 1589 rieren bei Kehrein Weidmannsspr. 239). Mhd. réren, ahd. rérén, mnd. raren(daher 1595 im Froschmeuseler A 52 rahren), ags. rdrian, engl. roar«blöken, brüllen, laut schreien»(von Tieren). Lautnachahmend od. reduplizierende Form zu lit. réju aschreie, lett. rét«bellenꝰ, russ. rajati«klingen, schallen)y.

Röhricht, Rohrspatz usw., s. Rohr.

Roköko, n.(-s): die in der 1. H. des 18. Jh. modische Bau-u. Dekorationsweisemit Grotten- u. Schnörkelwerk. Aus dem glbd. frz. Subst. u. Adj. rococo, das, spottweise verdreht aus rocaille m.«Grottenwerk», zu Anfang des 19. Jh. in Pariser Kunstateliers aufkam u. aus dem Sprachgebrauch der Künstler in die Umgangs- u. Schriftsprache überging. Frz. rocaille f. cHaufen kleiner Steine, Grotten-, Muschel- werk», gehört zu frz. roc m.«Felsen), roche f., ital. rocca, roccia f., katalon. roc«Steiny.

Roland, Mannsname, bes. Name eines der stärksten Helden unter den zwölf Paladinen Karls des Großen, ahd.(H)ruodlant, Röland, Ruoland, zgs. mit ahd. hruod-(s. Robert). Seit dem 14. Jh. finden sich auf den Märkten vieler nordd. Städte an Stelle des ältern Marktkreuzes Rolands-, Rulands- od. Ratlandssäulen(mnd.

rolant, rulant m.), große hölzerne od. steinerne Standbilder, einen mit Panzer, Schild u. Schwert bewaffneten, barhäuptigen jugendlich. Helden darstellend, als Zeichen des Marktrechts. Daher im 16. u. 17. Jh. auch in der Bed.«Koloß, Riese.

Rolle, f.(Pl.-n): geschriebnes Verzeichnis (Bürger-, Muster-, Steuerrolle); walzenförmig zusammengebognesSchriftwerkusw.; um ihren Mittelpunkt sich drehende Scheibe, eine Walze (1517 b. Trochus R 2 b rulle f.; Wäschemangel- maschine(bei Jacobsson); Aufzeichnung von Handlung und Reden für den Schauspieler (1663 bei Gryphius der schwermende Schäffer 1. Aufz.); das, was jemand vorstellt(Lessing 6, 13, schon ndl. 1598 synen rol spelen). In 1. u. 2. Bed. spütmhd. im 15. Jh. rolle f.; dazu mnd. rulle, clev. 1477 rolle, mndl. rol, spätanord. rolla f.«zusammengerollte Schrifts, schwed. ro²(!), dän. rolle. Aus lat. rotula f., im Mlat. «Schriftrolle, Verzeichnis», Dim. von lat. rota f. Rady(vgl. Rodel). Auf unser Wort gewann Einfluß das glbd. frz. rõlem., aus mlat. rotulus m. rollen, v.: sichum seinen Mittelpunkt drehend bewegen od. fortbewegen, dann so sich be- wegen machen(um 1500 b. Harff Pilgerfahrt 49, 1), auf dem Wagen fahren mit einem Fuhr- werk da- u. dorthin fahren(im 16. Jh.) Zimm. Chron. ² 3, 61, 17); mittels einer Rolle bilden (1664 bei Duez); wie in jener Fortbewegung hohl u. dumpf schallen(Nahum 3,2); Wäsche auf der Wäscherolle glätten(1777 b. Adelung). Mhd. vereinzelt rolen«sich um sich drehen»; dazu nd. rullen, mndl. rollen«rehen, wälzen, auf dem Wagen fahreny. Aus der Bed.«sich wälzen, mutwillig herumlaufen»(1618 bei Schönsleder) entwickelte sich die von Tieren gebrauchte cbrünstig sein, sich begatten»(1664 bei Duez, von Menschen 1575 b. Fischart Garg. 304). Neben rollen hört man in Mitteldeutsch- land rollieren«im Umlauf sein(vom Gelde), 1717 bei Nehring rouliren, gebildet nach frz. rouler, afrz. rooler, roeler, mlat. rotolare«um- dreheny». 4BL. Roller, m.: erbsengroße Kugel; Fuhrmann(spätmhd. roller m.«Fuhr- mann eines Wagens für Reisende»); schwäb. der Kater»(1793 b. Nemnich, zu rollen«brün- stig seins»); gutsingender Kanarienvogel. ZUS. Rollbaum, m.: Drehkreuz zum Versperren von Fußwegen für Vieh u. Wagen. In Nord- dtschld., mnd. rollebom m. Rollmops, m.: gerollter marinierter Hering. Nordd. Roll- wagen, m.: Fuhrmannswagen zur Beförde- rung Reisender(spätmhd. rolleoagen m.); Trans- portwagen(1731 in Insel Felsenburg 1, 80);