599 Roderich
Rohr 600
Land, nur noch in Ortsnamen auf-rod u.-roda, am Niederrhein-rad u.-rade(vgl. Ried). Ahd. rod n., anord. rud n.«gerodete Stelle im Waldes. ZUS. Rodhacke, f., s. Radehacke.
Roderich, Mannsname, ahd.(H)röderich, Ruodarih, zgs. aus ahd. hruod-, anord. hrödr, ags. hréd m.«Ruhmꝰ u. ahd.-röh(s. rich).
Rodomontäde, f.(Pl.-n): Großsprecherei, Tatenprahlerei. Schon im 17. Jh. geläufig, aus glbd. frz. rodomontade, ital. rodomontata f., von fRodomonte, dem vom Grafen Bojardo von Scandiano(T† 1494) erfundnen u. in seinem Ver- liebten Roland 2, 1, 56 zuerst genannten Namen eines riesenhaften Mohrenhelden von maßlosem Stolz u. Selbstvertrauen, der in Ariosts Rasen- dem Roland 46, 106 die Helden Karls des Großen übermütig herausfordert. Der Name, bei Bo- jardo Rodamonte, bei Ariost Rodomonte, ist 2 s. aus roda, Imper. von lombard. rodare(lat. rotãre)«wälzen» u. aus ital. monte m. Bergo, demnach Bergwälzer, Bergschleifers.
Roef, s. Roof.
Rogen, m.(-s, Pl. wie Sg.): Fischeier vor dem Legen. Mhd. rogen u. roge, ahd. rogan, rogin u. ro*o m., in Thüring. u. Obersuchs. Rägen m.; dazu innd. rogen, rogel, engl. roan, roe, anord. hrogn n., dun. rogn, schwed. rom m. Wohl urverw. mit lit. kurkula? pl., russ. xrjaku m.«Froschleichs, viell. auch mit kymr.-korn. crogen«Muschel. Vgl. Bezz. Btr. 30, 164. 4BL. Rog(e)ner, m.(-s, Pl. wie Sg.): weib- licher Fisch mit den Eiern, mhd. im 14. Jh. rogncœr, rogner m., mit Umlaut im 16. Jh. auch Rhögener, 1664 bei Duez Rögner, thüring.- obsächs. Rãgner m.; daneben im 15. Jh. rogling, rockeling, rechling, richeling, 1417 nd. rekelingh (Diefenb. nov. gl. 291 ²), 1563 in Forers Fisch- buch 2 b Rögling, noch bayr. Rögel u. Rögling.
Roggen, m.(-s, Pl. wie Sg.): die Brot- frucht secale. Bei Luther Rocken(noch bei Schiller 13, 184), mhd. rocke, rogge, ahd. rοαlς, roggo m.; dazu and. r990, rocco, mnd. rogge, mndl. rogghe, u. mit andrer Stammbildung ags. ryge, engl. rye, anord. pagr, dun. rug, schwed. rãg m. Urverw. mit lit. rugis m.«Roggenkorm, pl. rugas«Roggenꝰ, apreuß. rugis, lett. rudai pl, abg. rüxν f.«Roggeny». Dazu wohl noch thrak. Bpiza f.«Roggen», so daß ewrgh u. rugh als Grundformen anzusetzen sind(vgl. gr. Nxoc und Wolf). Gr. öpuzo«Reis» und aind. vrihi Reis» sind wohl nicht verw. Aus dem Nord. entl. finn. ruhis. 4 BL. roggen, adj.: von Roggen herrührend, mhd. ruggin, rückin u. roggĩn, rockin, 1420 roggen; dazu and. rukkin.
ZS. Roggenbrot, n., md. 1377 ruckenbrotn. Roggenstroh, n., mhd. roggenströ n. roh, adj.: im Naturzustande befindlich; sittlich unausgebildet od. unverfeinert. Mhd. rõ, rou, rã(flekt. rouawer, rõwer, rãwer), im 14. u. 15. Jh. auch roh, röch, rouch, ahd. räo, rõ, rou(flekt. rãer, rõwer, rouwer) croh, un- gekocht», später auch«grob, ungebildet»; dazu asãchs. hrã«rohy, mnd. r5, mndl. 7oα‿υο, rauνο, nndl. raauao, ags. hréaz(engl. rauο)«unge- kochty u. Rréoh rauh, wild, stürmischy, anord. vrãr«ungekocht, frisch», schwed. ra, dän. raa. Urverw. mit lat. crädus«roh, blutig, hart, ge- fühlloss, eräãdélis«roh, grausam?, cruor m. «Bluts, cruentus«blutigy, ir. crüaid«hart, fest, unbiegsamꝰ, gr. xpéac n.«Fleisch⸗, abg. Krüve m., lit. raljas m. Bluty, aind. Kravi; n. crohes Fleisch, Kräras«wund, blutig, hart). 4L. Roheit, f., 1482 im Voc. theut. bb 22 rocheit, nd. 1420 roeheit; daneben Rohigkeit, f., 1542 bei Ryff Spiegel der Gesundheit 33. Rohn, m.(-Iels, Pl.-e), Rohne, f.(Pl.-n): Baumstamm, bes. umgefallner, Windbruch. Noch bayr., öst., schweiz., westf. Mhd. ron(e) m., ahd. rouo m., mnd. rone; dazu mhd. rünec cgebrechlichy. Entl. picard. rognie Baum- stammy. Kaum zu lat. rüna f.«Wurfspießy (bei Festus) od. zu lat. ruere stürzen». Rohr, n.(els, Pl.-e): Schilfrohrdickicht; Schilfstengel; hohler schmaler Gewächssten- gel; hohler walzenförmiger Körper, wie der Lauf einer Schießwaffe(16. Jh.). In 1. u. 2. Bed. mhd. rore) n. u. rôr m., ahd. rô-r n., im Mhd. auch«Speerschaft, Röhre»; dazu mnd. rör n. &Röhricht, Röhre, Weberspule, mndl. roer n., anord. reyrr m., schwed.-dän. rör, got. raus n. «Schilfrohr, Stab. Aus dem Germ. entl. mlat. ros, prov. raus«Rohry, frz. roseau m. u. afrz. roselle f.«Binsen. Der Vergleich mit gr. poqoc m.«Rohry, serb. ο⁹oæ Rietgras(vgl. Bezz. Btr. 25, 106) ist unsicher. Vgl. noch Reasse. 4 BL. rohren, adj.: aus Rohr bestehend, mhd. rærêin. Röhricht, n.(-els, Pl.-e): Rohr- dickicht, mhd. rörach, rœrach, dann rorech, rõrich n., im 15. Jh. roreicht(Diefenb. gl. 52°). ahd. rõrahi n. ZUS. Rohrdommel, f.(Pl. n): der reiherartige Vogel ardea stellaris, der nachts ein schauerliches dumpfes trommel- artiges Gebrüll hören läßt. Bei Luther Rhor-, Rordomel, im 15. Jh. rörtumel u. rördrumel, rõrdrommel(Diefenb. gl. 396 b, nov. gl. 271 b). Zgs. mit Rohr. Ahd. dafür horodumil, horo- ktumbel neben horitũbil, horodübil, mhd. hortuübel m., von ahd. horo m.«Sumpf, Schlamm u.


